Finanzkrise: US-Universitäts-Modell auf dem Prüfstand

- Studium wird für amerikanische Mittelklasse zur Schuldenfalle - Obama-Regierung will finanzschwache Studierende mit Milliarden-Programmen unterstützen - taz-Redakteur Christian Füller über die ökonomische Spaltung der amerikanischen Uni-Landschaft

24.03.2009 Pressemeldung Deutsches Studierendenwerk

"Die Studiengebühren sind in den USA seit Anfang der 1980er Jahre um 440 Prozent gewachsen, die Einkommen der Mittelklasse nur um 150 Prozent. Ein Viertel der amerikanischen Medizinstudenten verlässt die Uni mit 200.000 Dollar Schulden. Mittelstandsfamilien werden für die Ausbildung ihrer Kinder an den Rand des Ruins getrieben." Christian Füller, Politikredakteur der taz, zeichnet im aktuellen DSW-Journal des Deutschen Studentenwerks ein düsteres Bild der "durch und durch ökonomisierten amerikanischen Uni-Landschaft". Die USA würden zwar die besten Studierenden aus aller Welt holen, könnten aber ihrer eigenen Mittelklasse das Studium nicht mehr finanzieren, so Füller. Die Finanzkrise verschärfe nun die ökonomische Spaltung der amerikanischen Hochschulen; die Regierung will mit milliardenschweren Hilfen für finanzschwache Studierende gegensteuern.

Nach Füllers Recherchen, die er auch an der Harvard-Universität betrieb, will die Obama-Administration im Rahmen eines Konjunkturprogramms 15 Milliarden Dollar ausgeben, "um klammen Studenten unter die Arme zu greifen". Rechne man alle Stipendien zusammen, würden im Jahr 2009 weit mehr als 150 Milliarden Dollar in die Taschen der US-Studierenden fließen. Doch damit sei die Krise der amerikanischen Hochschulen nicht gelöst, schreibt Füller. Er zitiert eine Studie, der zufolge eine unzureichende Studienfinanzierung zwei Millionen potenziellen Studierenden den Weg an die Hochschulen blockiert.

Wer kann sich Studieren überhaupt noch leisten, wenn die Familien arbeitslos werden, die Portfolios gefleddert sind und die Studiengebühren bis zu 40.000 Dollar pro Jahr kosten? Wie kann man das alles jemals zurückzahlen? Selbst Barack Obama, fand Füller heraus, musste bis 2004 Schulden für sein Harvard-Examen abstottern.

Für Christian Füller steht "das US-Modell der Universität des ausgehenden 20. Jahrhunderts" insgesamt auf dem Prüfstand.

Der vollständige Artikel von Christian Füller auf den Seiten 14 und 15 des DSW-Journals 1/2009 zum Download: www.studentenwerke.de


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