Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung soll ausgebaut werden
Im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung der hessischen Hochschulpräsidien und der Landeskonferenz der hessischen Hochschulfrauenbeauftragten (LaKoF) mit Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann wurde vereinbart, die Chancengleichheit und Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung weiter auszubauen.
14.06.2012 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstNun geht es darum, über die verschiedentlichen Gleichstellungsmaßnahmen hinaus in der Hochschullehre anzusetzen und dort Genderaspekte zu implementieren. Chancengleichheit und Frauenförderung muss gelebt werden, in den Präsidien wie in den einzelnen Fachbereichen, erklärten Kühne-Hörmann und die Sprecherin der LaKoF Hessen, Dr. Anja Wolde, von der Goethe-Universität Frankfurt. Die Ministerin möchte hier gemeinsam mit der Hochschulpräsidentin und den Hochschulpräsidenten mit guten Beispiel voran gehen und in einer Auftaktveranstaltung ein hochschulübergreifendes Workshop-Programm einleiten, in dem gemeinsame Standards für Gender in der Lehre an hessischen Hochschulen erarbeitet werden sollen. An einer weiteren Runde sollen dann Wissenschaftsstaatssekretär Ingmar Jung sowie die Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten und Kanzlerinnen und Kanzler teilnehmen.
Insbesondere die Diskussion über neue Wege zur systematischen Einbeziehung von Genderaspekten in die Hochschullehre stand im Fokus der gemeinsamen Sitzung. Es geht nicht darum, den Zahlen jetzt Röckchen anzuziehen, so Ministerin Kühne-Hörmann, die sich damit auf eine vor kurzem in Darmstadt provokant betitelte Podiumsdiskussion bezog, in der es um die Erweiterung von Studien- und Berufswahlperspektiven junger Frauen ging. Durch Einbeziehen von Genderaspekten in den alltäglichen Lehr- und Lernprozess soll strukturellen oder auch heimlichen Benachteiligungen und Behinderungen von Frauen, aber auch von Männern entgegen gewirkt und damit zur Geschlechtergerechtigkeit beigetragen werden. Schwerpunkte sollen in der Hochschuldidaktik, der Lehramtsausbildung sowie in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern gesetzt werden, sagte Wolde.
Die Gleichstellungsbemühungen der hessischen Hochschulen haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Diesen erfolgreichen Weg gilt es jetzt zu unterstützen, sagte die Ministerin. Es werden bereits viele Maßnahmen gefördert und auch gefordert, nur werden diese nach ihrer Einschätzung noch viel zu wenig wahrgenommen. So hat das Land Hessen beispielsweise im Rahmen des Professorinnenprogramms insgesamt rund 3,8 Millionen Euro Fördermittel an sieben hessische Hochschulen bewilligt und damit sehr gute Erfolge erzielt: Der Anteil der Frauen an Professuren in Hessen ist von 440 im Jahr 2005 (14,1 %) auf 678 im Jahr 2010 (21,1 %) gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Damit liegt Hessen inzwischen sogar über dem Bundesdurchschnitt von 19,1% (2010).
Wer wie Hessen im internationalen Wissenswettbewerb punkten will, muss auch im Bereich der Frauenförderung und Gender-Aspekte konsequent umsetzen. Das ist mitentscheidend für die Attraktivität unseres Wissenschaftsstandorts, sagten Kühne-Hörmann und Wolde. Durch den systematischen Einbezug von Gender-Aspekten in die Lehre gehen wir einen nachhaltigen bildungspolitischen Schritt zur Erhöhung von Chancengleichheit und wollen damit die Zukunftsfähigkeit der Hochschulen stärken. Mit dem Beschluss schaffen wir die Voraussetzungen, um geschlechtstypische Ungleichheiten weiter abzubauen.
Nationale wie internationale Leistungsvergleichsstudien zeigen, dass in Deutschland die Schul- und Studienfächer nach wie vor geschlechtlich verteilt sind. Insbesondere in den MINT-Fächern (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik), in denen Frauen auf Seiten der Lehrenden und Studierenden noch immer in der Minderheit sind, wie auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften, in denen männliche Studierende noch oft unterrepräsentiert sind, ist die stärkere Einbeziehung von Genderaspekten in die Hochschullehre notwendig, um Geschlechterstereotype im Denken und Handeln der Lehrenden und Studierenden sukzessive zu verändern und sie für andere Perspektiven zu öffnen.
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