Bildungsstaatsvertrag

Junglehrer sehen Pläne mit gemischten Gefühlen

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) steht den kultusministeriellen Plänen einer gegenseitigen Anerkennung der Ausbildung von Lehrkräften mit gemischten Gefühlen gegenüber.

10.01.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Angesichts der nach wie vor hohen Anzahl von arbeitslosen Lehrkräften in Bayern warnt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ), Evelyn Westphal, vor einer vorschnellen Anerkennung von Abschlüssen in der Lehrerbildung.

In den vergangenen Jahren standen besonders in einzelnen Fächerverbindungen für das Gymnasium und die Realschule Hunderte von Absolventen des Zweiten Staatsexamens ohne Einstellungsangebot da. Auch im Grundschulbereich ist die Warteliste seit Jahren prall gefüllt (derzeit rund 1700). Bestens ausgebildet und von den düsteren Aussichten auf die Zukunft frustriert, warten hochmotivierte junge Lehrkräfte oft schon seit Jahren vergeblich auf ein Einstellungsangebot.

Das Vorhaben von Kultusminister Spaenle, mit Unterstützung der Amtskollegen aus Niedersachsen und Sachsen einen Staatsvertrag abzuschließen, der neben Bildungsstandards und Bildungsmonitoring auch die Anerkennung von Abschlüssen in der Lehrerbildung vorsieht, bedarf nach Aussage von Westphal einer genauen Prüfung.

Wird Lehrkräften aus anderen Bundesländern uneingeschränkt ermöglicht, mit ihren dortigen Abschlüssen in Bayern eine Anstellung zu bekommen, wird sich die Situation für bayerische Lehrkräfte mit zwei Staatsexamina weiter zuspitzen, so Westphal weiter.

Grundsätzlich stehe man einer erhöhten Mobilität von Lehrkräften positiv gegenüber, jedoch sollten zuerst die Hausaufgaben im eigenen Bundesland gemacht werden. Die in den letzten Wochen kaum mehr hörbare, im vergangenen Jahr tausendfach zitierte "individuelle Förderung" eines jeden Kindes, ist nur durch eine drastische Erhöhung der Planstellen zu erreichen. Nähme man dieses Ziel wirklich ernst, wäre man tatsächlich auf Bewerber aus anderen Bundesländern angewiesen. Derzeit aber ist das personelle Potential in Bayern bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Warum also ohne Not ein "Gastarbeitertum" fördern, wenn im eigenen Land Leute auf der Straße stehen?

Eine erhöhte Mobilität von Lehrkräften würde den Verantwortlichen bereits zum jetzigen Zeitpunkt sicher gut in die Karten spielen. Damit wäre auch das Problem gelöst, die in den Herbstmonaten immer wieder knapp werdende Mobile Reserve schnell aufzustocken. Gerade hier fiel es in letzter Zeit schwer, Nachrücker von der Warteliste in Bayern zu finden. Leute ohne Einstellungsangebot können es sich finanziell nicht leisten können, monatelang zu warten, um dann eventuell einen befristeten Teilzeitvertrag zu bekommen.

Fazit der ABJ: Eine Erhöhung der Mobilität ist zu begrüßen. Allerdings müssten für eine erfolgreiche Umsetzung vergleichbare Standards und Abschlüsse in der Lehrerbildung aller Bundesländer geschaffen werden.


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