"Profilierungsprozess in der Forschungslandschaft weiter unterstützt"
Sechs von acht Anträgen hessischer Hochschulen auf Förderung im Rahmen der 2. Programmphase des Bund-Länder-Programms Exzellenzinitiative sind heute vom Bewilligungsausschuss in Bonn positiv beschieden worden und erhalten damit bis 2017 rund 165 Millionen Euro Förderung durch den Bund und das Land Hessen.
15.06.2012 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstAn der Goethe Universität Frankfurt werden die beiden Exzellenzcluster Dynamik Makromolekularer Komplexe und Die Herausbildung normativer Ordnungen für weitere fünf Jahre unterstützt und stärken damit die lebenswissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Schwerpunktsetzung der Universität. Der Fortsetzungsantrag des Gemeinschaftsclusters der Universitäten Gießen und Frankfurt Kardiopulmonales System wurde ebenfalls angenommen. In Gießen wird darüber hinaus das bereits seit 2006 im Rahmen der 1. Programmphase der Exzellenzinitiative geförderte Internationale Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften weiter gefördert. Auch für die Universität Gießen stellt diese Auswahlentscheidung mit internationaler Strahlkraft eine Bestätigung der Lungenforschungs-Expertise und des kulturwissenschaftlichen Schwerpunkts dar.
Die Auswahlentscheidung zur Förderung ihres Neuantrags auf Einrichtung der Darmstädter Graduiertenschule für Energiewissenschaft und Energietechnik an der Technischen Universität Darmstadt bedeutet eine deutliche Stärkung des energiewissenschaftlichen Schwerpunkts. Neben dieser Neueinrichtung erhält die bereits seit 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderte Graduiertenschule Computational Engineering eine Verlängerung und unterstützt damit den gleichnamigen Forschungsschwerpunkt der TU. Damit werden in Darmstadt zwei Projekte der Exzellenzinitiative gefördert. Das seit 2012 im Rahmen der ersten Programmphase geförderte Projekt Smart Interfaces Verständnis und Gestaltung von Strömungsberandungen erhält in den Jahren 2013 und 2014 eine Auslauffinanzierung von zusammen 7,5 Millionen Euro entsprechend der Bund-Länder-Vereinbarung.
Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann, die an der Sitzung des Bewilligungsausschusses im Bonner Wissenschaftszentrum teilgenommen hatte, äußerte sich zufrieden mit dem Abschneiden der hessischen Hochschulen: Mit drei von 43 erfolgreichen Exzellenzclustern und drei von 45 Graduiertenschulen ist Hessen im Wettbewerb um Spitzenförderung durchaus erfolgreich. Die Standorte Darmstadt, Frankfurt und Gießen werden durch die Fortführung der erfolgreichen Projekte und durch die Neueinrichtung der Graduiertenschule Energie eine deutliche Aufwertung erfahren. Es ist sehr erfreulich, dass fast alle in Hessen im Rahmen der ersten Programmphase geförderten Projekte der Exzellenzinitiative weiterhin unterstützt werden. Das ist eine hervorragende Bestätigung für die hochqualitative, profilorientierte wissenschaftliche Arbeit an den drei hessischen Standorten, hob Kühne-Hörmann hervor. Der mit der Exzellenzinitiative angestoßene Profilierungsprozess in der Forschungslandschaft werde damit weiter unterstützt. Sehr bedauerlich ist nach den Worten der Ministerin allerdings, dass der am Standort Darmstadt erfolgreich etablierte Exzellenzcluster Smart Interfaces keine Weiterförderung erhalten habe.
Je Exzellenzcluster fließen damit weitere jährliche Projektmittel in Höhe von jeweils etwa 6,5 Millionen Euro an die drei hessischen Standorte. Die Graduiertenschulen werden mit jeweils etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr gefördert. Insgesamt bekommen die hessischen Hochschulen damit ohne Berücksichtigung der Auslauffinanzierung für den Cluster Smart Interfaces rund 24 Millionen Euro im Jahr an zusätzlichen Fördergeldern. Für den Zeitraum von 2012 bis 2017 fließen mithin rund 165 Millionen Euro an zusätzlichen Fördermitteln nach Hessen.
Zur Entscheidung standen in Bonn insgesamt 64 Anträge für als Exzellenzcluster bezeichnete Großforschungsprojekte, 63 Anträge für Graduiertenschulen zur Nachwuchsförderung und 16 Bewerbungen um Zukunftskonzepte zum Ausbau universitärer Spitzenforschung.
Die erfolgreichen Projekte erhalten von November 2012 bis Oktober 2017 Fördermittel von Bund und Ländern in Höhe von insgesamt 2,47 Milliarden Euro. Der Bund finanziert dabei 75 Prozent und das jeweilige Land 25 Prozent der Mittel.
Die Förderprojekte im Einzelnen:
In dem seit 2006 im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderten Exzellenzcluster Dynamik Makromolekulare Komplexe (Koordination: Prof. Dr. Harald Schwalbe) wird an der Goethe-Universität zusammen mit zwei Max-Planck-Instituten die Struktur, Funktion und Dynamik von makromolekularen Komplexen in Zellen erforscht. Makro¬molekulare Komplexe bestehen aus den verschiedenartigsten Biomolekülen und bilden die Reaktionszentren für alle bekannten zellulären Prozesse. Schwerpunkte des Projekts sind die Untersuchung von Membranproteinkomplexen, von Komplexen, die an der zellulären Signalübertragung und ihrer Qualitätskontrolle beteiligt sind, sowie von RNA-Protein-Komplexen. Durch die Gründung des Frankfurt Institute for Molecular Life Sciences (FMLS) im Jahr 2011 und die Fertigstellung eines eigens dafür konzipierten Forschungsgebäudes erhielt der Cluster eine stabile infrastrukturelle Basis.
Der seit 2007 geförderte Exzellenzcluster Die Herausbildung normativer Ordnungen (Koordination: Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther) baut auf der Tradition der so genannten Frankfurter Schule von Jürgen Habermas auf und stärkt die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung am Standort Frankfurt. In dem Cluster kooperieren Wissenschaftler der Universität Frankfurt, des Frobenius-Instituts Frankfurt, der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt, des Instituts für Sozialforschung Frankfurt und des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Frankfurt. Sie untersuchen eine Reihe von sozialen Transformationsprozessen mit einem Schwerpunkt auf globalen Phänomenen von transnationalen Verteilungskonflikten bis hin zu ökonomischen Krisen und religiös-kulturellen Gegensätzen.
Der gemeinsame Exzellenzcluster Kardiopulmonales System der Universitäten Frankfurt und Gießen, der seit 2006 gefördert wird, ist ein translationales Forschungszentrum, das der Verbindung von innovativer Grundlagenforschung mit präklinischen und klinischen Studien auf dem Gebiet der vaskulären (Gefäß-) und parenchymatösen (Gewebe-) Erkrankungen des Herzens und der Lunge gewidmet ist. Mit dem Cluster ist eine hervorragende Vernetzung der kardiovaskulären Forschung an der Universität Frankfurt (Prof. Dr. Andreas Zeiher) mit der koronaren und pulmonalen Gefäßsystemforschung in Gießen (Prof. Dr. Werner Seeger) und der Herz- und Lungenforschung am Max Planck-Institut in Bad Nauheim gelungen.
Die Gießener Graduiertenschule International Graduate Centre for the Study of Culture GCSC die als erste geisteswissenschaftliche Graduiertenschule in Deutschland Pilotcharakter hatte hat sich thematisch innerhalb der Kulturwissenschaften nicht festgelegt und hat ein innovatives kulturwissenschaftliches Forschungsprofil und eine ganzheitliche Strategie der Doktorandenausbildung entwickelt. Die Einrichtung an der Universität Gießen wird koordiniert von Prof. Dr. Ansgar Nüning.
Die Darmstädter Graduiertenschule Computational Engineering (CE) ist wesentlicher Teil des namensgleichen Schwerpunkts der TU Darmstadt, und sie ist Teil einer umfassenden CE-Initiative der Universität. Nachwuchswissenschaftler werden in der computergestützten Modellierung, Analyse, Simulation und Optimierung ingenieurwissenschaftlicher Anwendungen ausgebildet. Diese Nachwuchsförderinitiative wird von Prof. Dr. Michael Schäfer koordiniert und bündelt die Expertisen der TU Darmstadt mit denen der Fraunhofer-Institute für Graphische Datenverarbeitung und Betriebsfestigkeit. CE ermöglicht die Erstellung von skalierbaren Modellen, um die Erforschung, die Entwicklung, das Design, die Konstruktion, die Bewertung, die Produktion und die Funktion von Ingenieuranwendungen zu unterstützen. Sie sind für zentrale Fragen der technischen Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft, etwa auf den Gebieten Energie, Gesundheit, Sicherheit und Mobilität, von entscheidender Bedeutung.
Die nun neu einzurichtende Darmstädter Graduiertenschule für Energiewissenschaft und Energietechnik wird koordiniert von Prof. Dr. Wolfram Jägermann und Prof. Dr. Johannes Janicka. Ihre Aufgabe ist die multidisziplinäre Ausbildung der zukünftig benötigten leitenden Energieingenieure, die aufgrund ihrer interdisziplinären Expertise die dringendsten wissenschaftlichen, technologischen, ökonomischen aber auch sozialen Herausforderungen erkennen und lösen.
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