Über 6,4 Mio. Euro für neun Technologie-Projekte an Bayerns Fachhochschulen
Für insgesamt neun Technologieprojekte an Bayerns Fachhochschulen hat Wissenschaftsminister Thomas Goppel für die Jahre 2009 bis 2015 eine Förderung in Höhe von insgesamt rund 6,42 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Ziel "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" zugesagt. Wissenschaftsminister Thomas Goppel betonte am Donnerstag in München, dass die Projekte gezielt an die an den Hochschulen vorhandenen Kompetenzen anknüpfen und auch für die Wirtschaft vor Ort eine große Chance darstellen. "Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die häufig keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen vorhalten, profitieren besonders von der anwendungsbezogenen Forschung der Hochschulen für angewandte Wissenschaften - Fachhochschulen. Dabei zahlt sich die starke Vernetzung der bayerischen Fachhochschulen mit der regionalen Wirtschaft aus, die den Technologietransfer wesentlich erleichtert", sagte der Minister. Die Bayerische Staatsregierung setze deshalb einen gezielten Schwerpunkt auf den Ausbau und die Förderung der angewandten Forschung und des Technologietransfers der Fachhochschulen. Goppel: "Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften haben sich zu Innovationsmotoren in den Regionen entwickelt."
21.08.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und KunstVon der Förderung profitieren die Fachhochschulen in Amberg-Weiden, Ansbach, Coburg, Deggendorf, Hof, Nürnberg und Würzburg-Schweinfurt mit folgenden Initiativen:
Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Amberg-Weiden: Projekt "Einsatz der Computertomographie in der Produktentwicklung"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 150.000 Euro
Die regionale Industriestruktur der Unternehmen wird immer stärker durch die Zulieferer der Automobil-, Luftfahrt- und Transportindustrie geprägt. Um als Zulieferer im globalen Wettbewerb weiter bestehen bzw. in den Kreis der Zulieferer aufgenommen werden zu können, müssen die betroffenen Unternehmen die anspruchsvollen Soft- und Hardwareanforderungen und die konforme Entwicklungsmethodik ihrer Kunden erfüllen. Die Computertomographie als innovatives Verfahren wird im zukünftigen Produktentwicklungsprozess ein notwendiges und wichtiges Werkzeug darstellen. Bei der Umsetzung der Projektinhalte werden die Schwerpunkte auf die Integration der Computertomographie in den Produktentwicklungsprozess gelegt, die den Entwicklungsablauf beschleunigen, die Entwicklungsqualität erhöhen und die unterschiedlichen Entwicklungsstufen eng miteinander verknüpfen bzw. überlappen lassen.
Fachhochschule Ansbach - Hochschule für angewandte Wissenschaften: Projekt "Centrum für innovative Produktentwicklung und Produktoptimierung Westmittelfranken (CIPP)"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 1.517.800 Euro
CIPP Westmittelfranken ist ein übergreifendes Gemeinschaftsprojekt der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät (Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen und Energie- und Umweltsystemtechnik). Das Projekt hat das Ziel, die umliegenden klein- und mittelständischen Unternehmen in Westmittelfranken mit den vorhandenen Einrichtungen und Technologiekompetenzen an der Fachhochschule Ansbach durch individuelle, praxisnahe Forschung und Entwicklung zu unterstützen und im Wettbewerb zu stärken. Diese für beide Seiten gewinnbringende Kooperation ist über den Wissenstransfer durch Projekt-, Bachelor- und Diplomarbeiten hinaus mit zusätzlichen Mitteln möglich. Das geplante Centrum baut auf die Infrastruktur der Fachhochschule Ansbach auf. Es werden seit einigen Jahren in den regionalen Schwerpunktsektoren "Neue Materialien" und "Energie und Umwelt" in Kooperation mit der kunststoffverarbeitenden bzw. energietechnischen Industrie in Westmittelfranken konkrete Projekte realisiert.
Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Coburg: Projekt SENSACTION; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 1.360.000 Euro
Die Sensorik und die unmittelbar damit verbundene Aktorik ist eine Querschnittstechnologie, die als Schnittstelle zwischen realen Betriebs- und Umgebungsparametern und einer auf Software gestützten Steuerungs- und Regeltechnik zunehmend eine Schlüsselfunktion für die technologische Entwicklung einnimmt. Die Anwendungen reichen von der Prozess- und Produktionsautomatisierung über die Automobiltechnik bis zur Medizin- und Biotechnologie. Gleichzeitig hat dieser Bereich in Deutschland anhaltend überdurchschnittlichen Beschäftigungszuwachs in einer überwiegend mittelständisch geprägten Branche, die über einen bedeutenden Weltmarktanteil verfügt. Bei technologieorientierten Unternehmen aller Art wächst demnach der Bedarf nach Forschungs- und Entwicklungspartnern, die einen kompetenten Überblick über dieses schnell wachsende Gebiet sowie Zugänge zu innovativen Anwendungen und Problemlösungen vermitteln können. Vor diesem Hintergrund hat sich das Institut für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) als "In-Institut" der Hochschule Coburg in kurzer Zeit aus einer studentischen Projektgruppe ("Sensor Application Team") zu einem nachgefragten Partner insbesondere bei Unternehmen im regionalen Umfeld der Hochschule, dem ehemaligen ober- und unterfränkischen Grenzgebiet, entwickeln können.
Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Deggendorf: Projekt: "Kompetenz – und Entwicklungszentrum ´Optical Engineering - Optische und optoelektronische Fertigungstechnik und Sensorik´"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 900.500 Euro
Durch die im Rahmen des Kompetenzzentrums an der Fachhochschule Deggendorf moderierte Zusammenarbeit in Netzwerken können die optischen Technologien weiterentwickelt werden und damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Region durch Innovation, Forschung und Entwicklung leisten. Die Maßnahme soll in zwei Stufen durchgeführt werden, nämlich
- dem endgültigen Ausbau und der nachhaltigen Sicherung des Arbeitsschwerpunkts "Produktions- und Messtechniken bei der Herstellung hochpräziser optischer Komponenten aus sprödharten Materialien (Glas, Quarz, Keramik)" und
- dem endgültigen Ausbau und der nachhaltigen Sicherung des Arbeitsschwerpunkts "Optoelektronische Sensorik".
Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Hof: Projekt "Aufbau eines Instituts für Informationssysteme (ISY Hof)"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 243.400 Euro
Dieses Institut soll regionale Unternehmen bei dem Einsatz aktueller Technologien für Informationssysteme unterstützen. Informationssysteme sind ein zentrales Werkzeug für Unternehmen zur Unterstützung von Entscheidungen von der operativen bis zur strategischen Ebene und unterstützen damit wesentlich ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Hochschule hat bereits jetzt einen Schwerpunkt im Bereich der Informationssysteme in Lehre und Forschung. Die Hochschule arbeitet mit einer Vielzahl von regionalen und überregionalen Unternehmen in diesem Bereich zusammen und stellt hier ihre Kompetenz über Diplom- und Masterabeiten zur Verfügung. Im Rahmen dieses Projekts soll über einen Zeitraum von drei Jahren ein Clusterrechner aufgebaut und schrittweise ausgebaut werden, der als Verbindung zwischen den Forschungsaktivitäten der Hochschule sowie der Anwendungen in kleinen und mittelständischen Unternehmen dient. Der Clusterrechner schafft die Möglichkeit, neue und bisher nicht in größerem Umfang eingesetzte Technologien umfassend auf ihre Anwendbarkeit in einem Unternehmen zu überprüfen und damit den beteiligten Unternehmen einen Vorsprung am Markt zu verschaffen.
Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Nürnberg: drei Projekte: "3D-Visualisierungszentrum", eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 620.000 Euro; "Kompetenzzentrum Analytik, Nano- und Materialtechnik", eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 629.000 Euro; "Kompetenzzentrum Energietechnik"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 495.000 Euro
3D-Visualisierungszentrum: Mit den Fördermitteln soll der Grundstein für den Aufbau eines Kompetenzzentrums gelegt werden, um damit vorrangig kleinen und mittelständischen Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Hochschule die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Themenfeld der virtuellen Realität und den damit verbundenen Konstruktionsprozessen zu beschäftigen, ohne dass diese die hohen Investitionskosten für die erforderliche Hard- und Software tragen müssen. Damit wird für die Unternehmen eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit erzielt und ein nachhaltiges Wachstum mit einer Beschäftigungssicherung erreicht. In der Endausbaustufe können im 3D-Visualisierungszentrum virtuelle Designstudien, Design-Reviews am digitalen Mock-Up, Montagesimulationen, Ergonomieuntersuchungen in einer immersiven Umgebung, virtuell geführte Trainings-, Montage- und Serviceschulungen, Struktur- und Strömungssimulationen und Bauwerksplanungen durchgeführt werden.
Kompetenzzentrum Analytik, Nano- und Materialtechnik: Regionale Unternehmen stellen sich dem internationalen Wettbewerb. Um hier dauerhaft mit Erfolg bestehen zu können, müssen sich Produkte, Produktionsverfahren und Unternehmen dabei konsequent und kontinuierlich weiterentwickeln. Der Schlüssel hierzu liegt in einer nachhaltigen Forschung und Entwicklung. Kleine und mittelständische Unternehmen sind meist nicht in der Lage, die erforderliche Ausrüstung für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im vollen Umfang vorzuhalten, da sie im einzelnen Unternehmen nicht ausreichend ausgelastet werden kann und zudem extrem kostenintensiv ist. Ebenso fehlt es in diesen Unternehmen häufig am notwendigen Know-how der fachspezifischen Qualifikation für spezielle Innovationsfelder. Die Hochschule möchte deshalb in Form des fachbereichsübergreifenden Kompetenzzentrums Analytik, Nano- und Materialtechnik das in verschiedenen Fakultäten verteilte Know-how bündeln und den regionalen Unternehmen zur Verfügung stellen. Das geplante Kompetenzzentrum Analytik, Nano- und Materialtechnik versteht sich als stark vernetzte, interdisziplinäre und industrienahe Einrichtung. Es soll zur Optimierung der bereits vorhandenen Ressourcen dienen.
"Kompetenzzentrum Energietechnik": Um die Klimaschutzziele bis 2020 bzw. 2050 zu unterstützen und die Region Nürnberg sowie die angrenzenden Regionen, die sich besonders durch eine hohe Beschäftigtendichte im Bereich der Energietechnik auszeichnen, für die Zukunft zu stärken, ist an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Nürnberg ein Kompetenzzentrum Energietechnik mit folgenden Schwerpunkten geplant: energetische und emissionsreduzierende Optimierung der Verbrennungstechnik, Optimierung der Zyklusfestigkeit von Kraftwerksbauteilen, Kraft-Wärme-Koppelung und insbesondere Kraft-Wärme-Mikrokraftwerke, thermische und verfahrenstechnische Prozessoptimierung, Wärmerückgewinnung, Rauchgasreinigung und Verfahren zur Emissionsreduktion, elektrische Versorgungsnetze (Messtechnik, Schutz- und Kommunikationstechnologien), Blitzschutztechnik für Windenergieanlagen, energieeffiziente Leistungselektronik und elektrische Energiespeichertechnik, energieeffiziente Optimierung elektrischer Motoren und Antriebe, emissionsfreie Hybridantriebskonzepte und energieeffiziente Heizungs-, Klima- und Gebäudetechnik und Gebäudeautomation. Mit dem Kompetenzzentrum Energietechnik wird der wissensbasierte Austauschprozess mit der Wirtschaft verbessert und das Innovationspotenzial des Landes Bayern gebündelt und gestärkt. Insbesondere sollen Unternehmen aus den Regionen Mittelfrankens und der Oberpfalz in die Kooperationen des Energiekompetenzzentrums eingebunden werden und damit neue unternehmerische Netzwerke geöffnet und nachhaltig gefördert werden.
Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Würzburg- Schweinfurt; Projekt: "Entwicklung von Gas-Sensorik zur nichtinvasiven Diagnostik von Krankheiten"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 500.000 Euro
Das interdisziplinäre Projekt ist angesiedelt im Bereich der Schüsseltechnologien Medizintechnik und Medizinische Informatik. Seit langer Zeit ist bekannt, dass verschiedene Krankheiten im menschlichen Körper flüchtige Substanzen produzieren, die über die Atemluft ausgeatmet werden. Bis heute sind viele technische Fragen, beginnend bei der schnellen Sensortechnik über das einheitliche Einsammeln der Atemluft bzw. alternative Methoden zur Ermittlung der vom Körper aufgenommenen sowie produzierten Gase bis hin zur Erkennung von Artefakten bei der Analyse, noch offen. Das diagnostische Ziel ist, durch eine Analyse von aufgenommenen und produzierten Gasen Blutabnahmen sowie aufwändige und schmerzhafte Biopsien dem Patienten zu ersparen und frühzeitig sich anbahnende Krankheiten zu erkennen. Gleichzeitig können patientenschonende therapeutische Begleitmaßnahmen die medizinische Behandlung unterstützen.
Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zählt zu den Strukturfonds der Europäischen Union. Nach den Vorgaben der EU sollen die EFRE-finanzierten Maßnahmen dazu beitragen, den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt durch Ausgleich der wichtigsten regionalen Ungleichgewichte zu stärken. Einerseits sollen dabei die Regionalwirtschaften entwickelt und strukturell angepasst werden. Andererseits soll die grenzübergreifende, transnationale und interregionale Zusammenarbeit gefördert werden, um zu einer nachhaltigen räumlichen Entwicklung beizutragen.
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