Plagiatsfälle

Verjährungsfrist gefordert

(dpa) – Der Jurist und DFG-Experte Wolfgang Löwer plädiert für eine Verjährungsfrist bei Plagiatvergehen in Doktorarbeiten. "Wir müssen über einen Zeitraum nachdenken, nach dem wir uns die Arbeiten amtlich nicht mehr anschauen", sagte der Rechtswissenschaftler, der Ombudsmann der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für wissenschaftliches Fehlverhalten ist.

12.05.2012 Artikel

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die sich derzeit gegen anonyme Vorwürfe eines Plagiatjägers im Internet wehren muss, hatte ihre Promotion vor 32 Jahren eingereicht. Nach so langer Zeit jemandem "die Legitimation für eine ganze Lebensleistung zu entziehen", halte er für problematisch, sagte Löwer (Bonn) dem "Tagesspiegel" vom 8. Mai.

Verjährung gebe es in allen Bereichen. Bei juristischen Staatsexamen etwa gelte eine Verjährungsfrist von fünf Jahren. Für Promotionen sei ein solcher Zeitraum sicher zu kurz, er denke eher an ein Jahrzehnt, sagte Löwer. Eine Verjährungsfrist schütze allerdings nicht vor politischen Urteilen. Gerade für eine Bildungs- und Forschungsministerin seien solche Vorwürfe – sollten sie sich bestätigen – "hochpeinlich".

Schavan hat nach Informationen des "Tagesspiegels" ihr Studium der Erziehungswissenschaft, Philosophie und Katholischen Theologie allein mit der Promotion – und nicht mit einer Magisterprüfung – abgeschlossen. Sollte ihr der Doktortitel aberkannt werden, hätte sie keinen akademischen Abschluss mehr.

Schavan will zu den Vorwürfen bis zum Abschluss der Überprüfung durch den Promotionsausschuss der Universität Düsseldorf nichts mehr sagen.

"Schavanplag" im Internet zeitweise nicht erreichbar

Die Website mit den anonymen Plagiatsvorwürfen gegen Schavan war am 11. Mai im Internet über mehrere Stunden hinweg nicht erreichbar. Die Seite "Schavanplag" sei wegen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen ("Terms of Service") archiviert oder suspendiert worden, hieß es zunächst auf der Plattform der US-Betreibers Wordpress.com. Am Nachmittag wiederum konnte man dann wie zuvor wieder Einblick in die Auflistung der angeblichen Plagiatsverstöße bei Schavans 32 Jahre alter Doktorarbeit nehmen.

Eine Erläuterung, warum die Seite für mehrere Stunden gesperrt und um welche Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen es sich handelte, gab Wordpress.com nicht.

Schavan wird von einem anoymen Plagiatsjäger vorgeworfen, Quellen in ihrer Dissertation nicht ausreichend benannt zu haben. In dem Blog wurden dazu zahlreiche Stellen mit Textvergleichen aufgelistet. Die Bundesbildungsministerin hat die Anschuldigung zurückgewiesen und Aufklärung zugesagt.

Unterdessen hat der zuständige Promotionsausschuss der Universität Düsseldorf begonnen, den Plagiatsvorwürfen nachzugehen. Das Gremium der Philosophischen Fakultät sei dabei, sich die dafür nötigen Materialien zu beschaffen, sagte ein Sprecher der Heinrich-Heine-Universität. "Wann ein Ergebnis vorliegt, ist noch völlig offen." Der Ausschuss hat sieben Mitglieder und setzt sich zusammen aus Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und einem Vertreter der Studenten.

Internet:

(dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 20/2012 14. Mai 2012)


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