Schulleitung

"Ausbildung für Schulleiter – Wir wollen die Lücke schließen"

Am 16. und 17. März 2012 findet in Düsseldorf zum ersten Mal der Deutsche Schulleiterkongress statt – eine Veranstaltung, die sich bundesweit an Schulleitungen aller Schulformen richtet. Unter dem Motto "Schulen gehen in Führung" bietet dieser Kongress mehr als 50 Vorträge und Workshops mit nationalen und internationalen Top-Referenten. Erwartet werden mehr als 1.000 Teilnehmer. Redakteurin Florence Fischer hat mit den Veranstaltern, Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, und Michael Gloss, Verlagsleiter Carl Link, gesprochen.

09.03.2012 Artikel

Was hat Sie dazu bewogen, den Kongress zu veranstalten?

Beckmann: Der VBE veranstaltet sehr erfolgreich den Deutschen Lehrertag. 2010 hatten wir über 1.000 Teilnehmer/innen. Von Teilnehmern und Mitgliedern wurde immer wieder der Wunsch geäußert, dass es eine solche Veranstaltung auch speziell für Mitglieder der Schulleitung geben sollte – also eine Veranstaltung, bei der sehr praxisnah Wissen und Ideen vermittelt werden und die gleichzeitig Möglichkeiten bietet, Kontakte zu knüpfen.

Gloss: Die erste Resonanz zeigt uns: Es gibt hier ganz offensichtlich einen großen Bedarf an Fortbildungsveranstaltungen und einen Wunsch nach mehr Austausch – und zwar bundesweit über alle Schulformen hinweg. Mit dem Kongress wollen wir dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Wir sehen dies als unseren Beitrag zum Bildungsmanagement und damit zur Bildungsqualität in der Bundesrepublik Deutschland.

Sind die Ausbildung und die Vorbereitung auf eine Tätigkeit in der Schulleitung in Deutschland (noch) zeitgemäß?

Beckmann: Das Aufgabenfeld von Schulleitungen ist vielfältig. Es umfasst Orgnisation, Personal- und Qualitätsentwicklung sowie interne und externe Kommunikation, Kooperation und Innovation. Von dienstlicher Seite wird nicht genügend getan, darauf vorzubereiten.

Gloss: In den letzten Jahren ist zwar einiges in Bewegung gekommen. Aber schon die große Resonanz auf die Ankündigung des Deutschen Schulleiterkongresses zeigt, dass mehr getan werden muss. Die Ausbildung und Vorbereitung reichen nicht. Es gibt auf dem freien Markt zwar zahlreiche Management-Aus- und -Fortbildungen, aber diese Angebote sind nicht auf die besondere Situation von Schulleitungen adaptierbar. Hier sehen wir einen großen Nachholbedarf. Und vor allem eine Chance, Mitglieder der Schulleitungen zu unterstützen.

In Ihrer Ankündigung für diesen bundesweiten Kongress schreiben Sie, dass Schulleiterinnen und Schulleiterin der Öffentlichkeit nicht die Anerkennung erfahren, die ihnen zustehe. Wie erklären Sie sich das? Und wie kann der Kongress etwas daran ändern?

Beckmann: Spätestens seit dem so genannten PISA-Schock ist es ja in Mode gekommen, über unser Schulsystem und unsere Schulen zu klagen. Da wird die Schulleitung ganz automatisch in die Rolle des Sündenbocks gedrängt. Dabei übersieht die Öffentlichkeit, dass eine Schulleitung nur einen begrenzten Handlungsspielraum hat und dass vor allem die finanziellen Vorgaben sehr eng sind. Mit dem Kongress wollen wir Schulleiterinnen und Schulleitern Möglichkeiten aufzeigen,wie sie in Verantwortung für das pädagogische Personal und die Schüler ihren Handlungsspielraum nutzen können.

Gloss: Wir zeigen beim Kongress u. a. ermutigende Beispiele für alternative Finanzierung, für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit von Schulen, für gutes Konfliktmanagement und motivierte Teamarbeit. Wir zeigen Chancen und Grenzen von Sponsoring auf.

Das Programm des Kongresses ist mit rund 50 Veranstaltungen sehr informativ. Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights?

Beckmann: Bei so vielen nationalen und internationalen Referenten, Vorträgen und Praxisforen ist es natürlich schwierig, einzelne Punkte herauszuheben. Wir sind gespannt auf die Vorträge von Prof. Dr. Manfred Prenzel, dem nationalen Projektmanager für PISA 2003 und 2006, und dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther. Prof. Prenzel wird die aktuellen Fakten zu Leistungsunterschieden zwischen Schulenpräsentieren und Strategien zur Leistungssteigerung, die Schulleitungen anstoßen können. Prof. Hüther spricht über die Zukunft der Schule unter dem Motto: "Wie lassen sich Schulen in Lernwerkstätten verwandeln?" Besonders freuen wir uns über die Zusage des Präsidenten der Kultusministerkonferenz Ties Rabe.

Sie betonen, dass Sie mit dem Kongress auch moderne Management-Methoden aus Unternehmen für das Schulmanagement erschließen wollen. Können Sie uns Beispiele geben? Und ist das überhaupt möglich und sinnvoll, weil die Organisation von Schulen und Unternehmen ja doch recht unterschiedlich ist?

Gloss: Natürlich ist Schule kein Wirtschaftsunternehmen und man kann nicht alle Erfahrungen aus der Wirtschaft 1:1 übertragen. Aber es gibt die Möglichkeit, nützliche Erfahrungen zu adaptieren. Bestes Beispiel ist das Konfliktmanagement. Das Konfliktpotenzial an Schulen ist naturgemäß sehr hoch, weil die Interessen von Lehrern, Eltern und Schülern aufeinandertreffen. Der althergebrachte Katalog von Sanktionen hilft bei Konflikten oftmals nicht weiter. Also müssen sich moderne Schulleitungen umschauen, wo es Lösungsansätze gibt, von denen Schulen heute profitieren können. Eine Aufgabe unseres Kongresses sehen wir darin, dieses wertvolle Wissen auf die Bedürfnisse der Schulleitung zu übertragen. Dafür haben wir hochinteressante Referenten aus der Wirtschaft gewonnen: zum Beispiel Ernst Baumann, der viele Jahre Personalvorstand bei BMW war und heute die Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULE-WIRTSCHAFT leitet. Darüber hinaus erwarten wir Dr. Gerhard F. Braun, den Vizepräsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber. Ein weiterer prominenter Redner wird der aus dem Fernsehen bekannte Schiedsrichter Urs Meier sein, der heute eine Unternehmensberatung leitet. Dazu kommen internationale Referenten und die Teilnahme von "Microsoft" als einer unserer Partner. Hier entsteht ein spannender und fruchtbarer Dialog zwischen Schule und Wirtschaft, der uns nur voranbringen kann.

Eine der größten Herausforderungen für Schulen ist die Ebbe auf dem Lehrermarkt,der Lehrermangel, der in manchen Fächern bereits bedrohlich wird. Welche Signale sollen vom Kongress ausgehen?

Beckmann: Diese Situation wird auf Grund der demografischen Entwicklung weiter verschärft. Der Schulleiter selbst hat hier nur begrenzt Einfluss. Vom Kongress müssen aus Sicht des VBE, der die Interessen von Schulleitungen und Lehrkräften vertritt, folgende Botschaften ausgehen:

  1. Hinreichende Vorbereitung auf die Herausforderungen für Schulleitungsmitglieder sowie die entsprechende Begleitung im Berufsalltag,
  2. eine adäquate Bereitstellung von Leitungszeit,
  3. eine der Verantwortung gemäße Bezahlung unabhängig von der Schulform.

Abschließende Frage: Wie kam es zu der Zusammenarbeit von VBE und Carl Link?

Beckmann: Zwischen einem großen Lehrerverband und einem führenden Verlag für Schulmanagement gibt es natürlich immer Verbindungen. Wir pflegen bereits lange Kontakt. Als die Idee für den Schulleiterkongress aufkam, wurde schnell klar, dass eine Zusammenarbeit die größten Synergien mit sich bringt: der VBE mit seinem starken Rückhalt in der Lehrerschaft und bei den Schulleitungen – der Carl Link Verlag mit seinen Experten in der Autorenschaft. Beides zusammen ergibt die besten Voraussetzungen für einen Kongress, der an Deutschlands Schulen etwas in Bewegung setzen wird.


Weitere Informationen unter: www.deutscher-schulleiterkongress.de

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