Bildungsministerin Erdsiek-Rave: Schleswig-Holsteins Schulen integrieren Blinde und Sehbehinderte vorbildlich - gutes Beispiel für inklusives Bildungssystem

In Schleswig-Holstein werden fast alle blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung unterrichtet. "Damit können wir sehr zufrieden sein", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (11. Mai) bei der Tagung "Zukunftsgestaltung der Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen" in Damp. "Und dies muss Vorbild für andere Förderschwerpunkte werden." Als Beispiel nannte sie die Förderung geistig behinderter Kinder "Hier haben wir noch erheblichen Entwicklungsbedarf." Insgesamt liege Schleswig-Holstein allerdings mit einer Integrationsquote von 45 Prozent aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an der Spitze der deutschen Flächenländer.

12.05.2009 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

In Damp lobte die Ministerin vor allem die Arbeit des Landesförderzentrums Sehen in Schleswig, das 2009 sein 25-jähriges Jubiläum feiert und das erste Förderzentrum ohne eigene Schüler war. "Mittlerweile ist es schon lange nicht mehr das einzige Förderzentrum ohne Schüler in unserem Land, aber es ist quasi die `Mutter der Förderzentren`. Bei der Weiterentwicklung der Sonderschulen zu Förderzentren haben wir uns an dem Schleswiger Modell orientiert", so Erdsiek-Rave weiter. Auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins und Deutschlands hinweg genieße die Schleswiger Schule und ihre Zusammenarbeit mit den allgemein bildenden Schulen hohe Anerkennung. Das Interesse sei noch gestiegen, seitdem Deutschland vor kurzem die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert habe.

Hintergrund

Im Dezember 2008 wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen von Deutschland ratifiziert und damit in deutsches Recht übertragen. Es ist nun Aufgabe der Regierungen und der Verwaltungen auf allen Ebenen, dieses Recht bekannt zu machen, die Schulsysteme zu analysieren und Barrieren abzubauen, um die "Menschen mit Behinderungen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen" (UN-Konvention, Artikel 24).

Im europäischen Ausland besuchten 2006 durchschnittlich 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine spezielle Förderschule, 85 Prozent wurden inklusiv unterrichtet. In Deutschland war das Verhältnis im Durchschnitt genau umgekehrt, wobei das Ergebnis in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausfällt.

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hat in Schleswig-Holstein für 2009 das "Jahr der inklusiven Bildung" ausgerufen, um unter dem Motto "besser zusammen" in zahlreichen Veranstaltungen von und in Schulen, in Fachkreisen und mit Verbänden zur Verwirklichung der UN Konvention im schulischen Bereich beizutragen und dabei zu helfen, den Leitbegriff "inklusive Bildung" endlich auch in Deutschland bekannter zu machen. Schirmherrin ist die Deutsche UNESCO-Kommission.


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