Gewaltfälle belasten Schüler und Lehrer
Die Häufung von Amokläufen und Angriffen auf Schüler und Lehrer an Schulen erzeugt zunehmend ein Klima der Angst und Beklemmung. Erst gestern - wenige Tage nach dem Amoklauf in Emsdetten - hat ein 15-Jähriger in der Nähe von Kaufbeuren nach einem Streit seinen Lehrer mit dem Tod gedroht. „Niemand darf glauben, dass sich Schüler und Lehrer an gewalttätige Übergriffe gewöhnen“, stellte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Albin Dannhäuser, fest.
30.11.2006 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Leider haben Lehrer zu wenig Zeit für ihre Schüler, die Schüler selbst stehen unter einem immer stärkeren Noten- und Auslesedruck. Frust und Ratlosigkeit können bei labilen Schülern zu irrationaler Gewalttätigkeit führen. Dannhäuser bemerkte, dass die Politik das Problem nur dann zur Kenntnis nimmt, wenn es eskaliert. Er hielt fest: „Schule ist kein sicherer Ort mehr.“
Die Atmosphäre an vielen Schulen ist zum Teil bedrückend. „Schüler, Lehrer und Eltern fühlen sich diffusen Drohungen einzelner Jugendlicher hilflos ausgeliefert. Der BLLV-Präsident wies darauf hin, dass Ängste Schüler wie Lehrer krank machen können. Vordringlich ist es, dass Lehrer mehr Zeit finden, um Schülern in kritischen Lebenssituationen zu helfen und Spannungen abzubauen. Vor allem dürfen Schüler nicht ausgegrenzt und in die berufliche Aussichtslosigkeit entlassen werden. „Solche Schüler haben keine Perspektive und nichts mehr zu verlieren.“ In dieser Abwärtsspirale befindet sich ein Drittel aller Schüler in Deutschland - 27.800 Jugendliche in Bayern haben noch immer keinen Ausbildungsplatz.
Nötig ist individuelle und gezielte Förderung - für alle Schüler in allen Schularten. Schulen brauchen Personal, insbesondere mehr Sozialpädagogen und Schulpsychologen. Kinder und Jugendliche müssen den vernünftigen Umgang mit Medien lernen. Dringend ist der bedarfsgerechte Ausbau von Ganztagsschulen für alle Kinder und Jugendlichen, die sie besuchen wollen. Schulen müssen Orte des Wohlfühlens werden - ein zu Hause, in dem sie sich angenommen und akzeptiert fühlen. Für jeden Schulabgänger muss es einen Ausbildungsplatz geben. Die Gelder für alle diese Maßnahmen sind vorhanden. Wer die Forderungen des BLLV als „utopisch“ abtut, hat die Probleme, die sich in den Schulen auftürmen, in ihrer Schärfe noch nicht erkannt. Kinder und Jugendliche müssen freilich lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen - dazu ist aber eine stabile Persönlichkeitsstruktur nötig und vor allem faire Chancen.
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