Hochkarätige Fachkonferenz zum "Jahr der inklusiven Bildung" in Rendsburg

Mit einer hochkarätig besetzten Fachkonferenz hat das "Jahr der inklusiven Bildung 2009" in Schleswig-Holstein offiziell begonnen. "Unsere Schulen müssen so eingerichtet sein, dass sie in der Lage sind, jedes Kind angemessen zu fördern und zu unterrichten - unabhängig von körperlichen, geistigen oder sozialen Beeinträchtigungen", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (25. April) zum Auftakt der Konferenz "besser zusammen" in Rendsburg.

27.04.2009 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Mit der Anerkennung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen, die ein inklusives Schulsystem fordert, sei Deutschland eine Verpflichtung eingegangen "Dieser Verpflichtung können wir nur nachkommen, wenn ein generelles Umdenken, ein Wechsel der pädagogischen Perspektive an allen Schulen und in der Gesellschaft stattfindet."

Bei der Fachkonferenz wurden bei Vorträgen und in Themenforen zentrale Entwicklungen und Aspekte der inklusiven Bildung vorgestellt und diskutiert. Neben Praxisbeispielen aus England, Holland und Norwegen und Erfahrungen aus Schleswig-Holstein wurden auch Fragen der Förderdiagnostik erörtert. Die rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hörten dazu neben der Bildungsministerin unter anderem Vorträge von Prof. Andreas Schleicher (OECD-Koordinator der PISA-Studie) zur inklusiven Bildung in den OECD-Ländern, Dr. Roland Bernecker (Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission), dessen Organisation die Schirmherrschaft für das "Jahr der inklusiven Bildung" in Schleswig-Holstein übernommen hat, und Cor Meyer (Direktor der European Agency for Development in Special Needs Education) zur Entwicklung der Inklusion in Europa. An Organisation und inhaltlicher Gestaltung waren auch das Aus- und Fortbildungsinstitut IQSH sowie Schulen und Förderzentren aus dem Land maßgeblich beteiligt.

Erdsiek-Rave betonte, dass ein bundesweit umfassender Wandel hin zur inklusiven Bildung nur unter entsprechenden Rahmenbedingungen gelingen könne. "Dazu gehört in erster Linie die personelle Ausstattung und die Befähigung des Personals an allen Bildungseinrichtungen, inklusiv zu arbeiten. Dazu gehören aber auch die bauliche Barrierefreiheit und die Ausstattung mit den erforderlichen Lernmitteln." Dies dürfe nicht an finanziellen Gründen scheitern. "Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, damit die Bildungsmittel, die in den kommenden Jahren durch zurückgehende Schülerzahlen frei werden komplett im Bildungssystem verbleiben und auch zur Verwirklichung der inklusiven Bildung verwandt werden. Nicht nur das universelle Menschenrecht auf Bildung, auch der sich abzeichnende Fachkräftemangel verlangt, dass wir allen Kindern die Chance geben, ihre Talente zu entfalten. Es geht um individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, um gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit."

Schleswig-Holstein habe bereits wichtige Weichenstellungen in diese Richtung vorgenommen, nicht zuletzt mit dem neuen Schulgesetz und der Einführung von Gemeinschafts- und Regionalschulen anstelle der getrennten Schularten Haupt- und Realschule. Weitere wichtige Aspekte seien

  • die Abschaffung des Zurückstellens bei der Einschulung,
  • die Eingangsphase der Grundschule,
  • eine starke Reduzierung des Sitzenbleibens,
  • die Flexible Übergangsphase zur Unterstützung beim Erlangen des Hauptschulabschlusses
  • die Einführung der DaZ (Deutsch als Zweitsprache)- Zentren und
  • die Umwandlung der Sonderschulen in Förderzentren, die nunmehr abgeschlossen ist, mit dem langfristigen Ziel, sie in Kompetenzzentren ohne eigene Schüler umzuwandeln.

"Der Umsetzungsprozess ist im vollen Gange, jede Schule in Schleswig-Holstein entwickelt sich weiter. Wir unterrichten fast die Hälfte der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf integrativ an Regelschulen. Damit liegen wir an der Spitze der deutschen Flächenländer", so Erdsiek-Rave weiter. Ziel sei es, in zehn Jahren den europäischen Durchschnitt von derzeit 85 Prozent erreicht zu haben. Um diesen Prozess zu unterstützen, sollen die Ergebnisse und Erkenntnisse der Fachkonferenz und des "Jahres der inklusiven Bildung" in Empfehlungen für einen "Aktionsplan inklusive Bildung" münden.

Hintergrund Im Dezember 2008 wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen von Deutschland ratifiziert und damit in deutsches Recht übertragen. Es ist nun Aufgabe der Regierungen und der Verwaltungen auf allen Ebenen, dieses Recht bekannt zu machen, die Schulsysteme zu analysieren und Barrieren abzubauen, um die "Menschen mit Behinderungen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen" (UN-Konvention, Artikel 24).

Im europäischen Ausland besuchten 2006 durchschnittlich 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine spezielle Förderschule, 85 Prozent wurden inklusiv unterrichtet. In Deutschland war das Verhältnis im Durchschnitt genau umgekehrt, wobei das Ergebnis in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausfällt. In Schleswig-Holstein liegt die Integrationsquote derzeit bei 45 Prozent.

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hat für 2009 das "Jahr der inklusiven Bildung" in Schleswig-Holstein ausgerufen, um unter dem Motto "besser zusammen" in zahlreichen Veranstaltungen von und in Schulen, in Fachkreisen und mit Verbänden zur Verwirklichung der UN Konvention im schulischen Bereich beizutragen und dabei zu helfen, den Leitbegriff "inklusive Bildung" endlich auch in Deutschland bekannter zu machen. Schirmherrin ist die Deutsche UNESCO-Kommission. Eine kalendarische Übersicht zum Aktionsjahr, die laufend aktualisiert wird, findet sich auf dem Bildungsportal im Internet unter www.bildung.schleswig-holstein.de.

Anlage Statistik: Integrativ unterrichtete Schülerinnen und Schüler bundesweit und in Schleswig-Holstein


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden