Kultusministerin Karin Wolff setzt auf Maßnahmen gegen Verrohung und Gewalt an hessischen Schulen
„Bereits am 21. Juni 2006 hat der Hessische Landtag unter Zustimmung aller Fraktionen neue Maßnahmen gegen Verrohung und Gewalt an Schulen beschlossen“, sieht die Hessische Kultusministerin ihr Ressort angesichts aktueller Herausforderungen „gut aufgestellt“.
23.11.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenDie Ministerin dankte und sprach allen ihre Anerkennung aus, die an Hessens vielfältigen Projekten zur Gewaltprävention an Schulen beteiligt sind. Der Landtag habe in seinem Beschluss die Bemühungen der Landesregierung im Bereich der Gewaltprävention hervorgehoben: „Hier leisten die bereits durchgeführten und weiterhin verfolgten Maßnahmen und Initiativen eine gute Arbeit.“ Ausdrücklich gelobt wurde auch das Fortbildungsangebot „Mediation und Schulprogramm“. Besonders freut es Karin Wolff, dass sich der Hessische Landtag bekennt, Initiativen im Bereich Gewaltprävention weiterhin angemessen mit finanziellen Mitteln und Personal auszustatten, damit deren erfolgreiche Arbeit fortgeführt werden kann.
Der einstimmige Landtagsbeschluss gewährleiste eine sichere Grundlage für das Weiterentwickleln von Programmen zur Gewaltprävention, zeigt sich die Kultusministerin zufrieden. Arbeitsschwerpunkte seien dabei: • das landesweite Einführen des Buddy-Projekts an 250 weiterführenden Schulen, • das Weiterführen von „Prävention im Team (PIT) Hessen“ mit Teambildung von Schule, Polizei und Jugendhilfe, • sowie Modellen zum konstruktiven Bearbeiten von Konflikten an Schulen.
Buddy-Projekt
Das Buddy-Projekt „Soziale Kompetenz für Kinder und Jugendliche“ ist ein Programm des Buddy e.V., ermöglicht durch die Vodafone Stiftung Deutschland. Es bietet positive Alternativen zu einigen der drängendsten Probleme von Schule und Jugendarbeit durch richtigen Umgangs mit Konflikten, Gewalt und Schulverweigerung.
Im Rahmen des Buddy-Projekts erhalten Schülerinnen und Schüler Trainings in sozialer Kompetenz. Lehrkräfte erfahren, wie sie ihre Schüler optimal fördern, angemessen auf Schülerinnen und Schüler mit Problemen reagieren, ein soziales Lernklima einrichten. Klassen und Gruppen zu sozialen Gemeinschaften machen, in denen die Stärkeren den Schwächeren helfen und alle von- und miteinander lernen. Schulen entwickeln so ein System des sozialen Lernens, in dem Buddys als Experten für den Umgang mit Problemen aller Art wesentlich zur Schulkultur beitragen. Buddy beeinflusst die Entwicklung in Peergroups und schafft ein System zur Übernahme von Verantwortung, das auch Pädagogen einbezieht.
Grundlage des Buddy-Projekts ist das Konzept der Peergroup-Education, das davon ausgeht, dass Kinder und Jugendliche Experten in eigener Sache sind. Mit dem Buddy-Prinzip gewinnen alle: Jugendlichen, denen geholfen wird, wird Solidarität zuteil und sie lernen Integration als Basis des Zusammenlebens einer Gruppe. Buddys wiederum erwerben Qualifikationen für ihr Leben: Probleme analysieren, Strategien entwickeln und aktiv umsetzen. Pädagogen erfahren Entlastung und eine „natürliche“ Veränderung ihrer Rolle – vom allein verantwortlichen „Instruktor“ zum begleitenden „Coach“. Das Schulleben wird bereichert und die Schulkultur in Richtung Fördern und Fordern verändert.
Prävention im Team (PIT) Hessen
PIT-Hessen ist das einzige Gewaltpräventionsprogramm, das Teambildung und Trainingsprogramme mit Schülerinnen und Schülern beinhaltet sowie Einfluss auf die Entwicklung der beteiligten Institutionen nimmt. Bei der Teambildung findet erfolgreich eine neue, von gegenseitiger Verantwortung getragene Form der Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen – Schule, Polizei und Jugendhilfe – statt. Die Trainingsprogramme für Schülerinnen und Schüler der 6., 7. oder 8. Klassen vermitteln Optionen, mögliche Gewaltsituationen rechtzeitig zu erkennen, eigene Handlungsstrategien und zivilcouragiertes Verhalten zu entwickeln. Die Wirksamkeit dieses Programms hat die Evaluation der Marburger Philipps-Universität bestätigt. Teambildung und Trainingsprogramme beeinflussen die beteiligten Institutionen und setzen einen Diskurs über Gewalt und Gewaltprävention in Gang.
Schon jetzt kann gesagt werden, dass sich das Modellprojekt mit einer Laufzeit von drei Jahren an 16 Frankfurter Schulen seit dem Schuljahr 2004/2005 bewährt hat. Daher soll PIT-Hessen allen Schulen mit Sekundarstufe I ab dem Schuljahr 2007/2008 landesweit angeboten werden, wobei pro Jahr bis zu 24 Schulen mit dem Programm beginnen können.
Nötig ist dafür das Ausbilden von Trainerinnen und Trainern sowie Teammitgliedern. PIT-Hessen wendet sich an allgemeinbildende Schulen mit Sekundarstufe-I-Angebot, die Programm-Schwerpunkte realisieren wollen. Nach einem Bewerbungs- und Auswahlverfahren werden die Teams in einem dreitägigen Intensivkurs qualifiziert. In den ersten acht bis zwölf Wochen wird das neue PIT-Team beratend unterstützt, weil die Erfahrungen des Modellprojekts gezeigt haben, dass in dieser Zeit die größten Schwierigkeiten auftreten.
Mediation und Schulprogramm und Mediation und Partizipation
Mit dem am 31. Dezember 2005 beendeten Projekt „Mediation und Schulprogramm“ sowie mit dem bis 31. März 2007 laufenden Projekt „Mediation und Partizipation“, die beide sehr erfolgreich sind, ist es gelungen, Lehrkräfte und Schüler in 210 hessischen Schulen mit dem Grundgedanken der Mediation vertraut zu machen. Über 4.000 Lehrerinnen und Lehrer haben im Rahmen beider Programme bisher ein entsprechendes Basistraining absolviert.
Zielsetzung des ist dabei unter anderem das Entwickeln einer gelebten Konfliktkultur an der Schule durch Umsetzen und Verankern von Vorhaben und Programmbausteinen der konstruktiven Konfliktbearbeitung, das Entwicklen und Realisieren partizipativer Projekte und Vorhaben im Unterricht sowie das Weiterentwicklen einer demokratischen Schule unter Einbezug des Gemeinwesens (Civic Education). Zuständig für die Projektrealisierung ist das Amt für Lehrerbildung (http://afl.bildung.hessen.de).
Um den Ergebnis-Transfer aus dem Modellprogramm in möglichst viele hessische Schulen zu optimieren, hat das Kultusministerium einen Transferausschuss berufen, in dem gesellschaftliche Interessengruppen vertreten sind, deren Anliegen die zivilgesellschaftliche Entwicklung von Schule ist und die auf Grund ihrer Stellung wichtige unterstützende Funktionen übernehmen können. Für Implementierungsprozesse aller drei Programme stellt das Hessische Kultusministerium für vorerst fünf Jahre fachlich vorgebildete Lehrkräfte im Umfang von drei Stellen zur Verfügung. So werden gewaltpräventive Projekte in Hessen nachhaltig verankert.
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