Mehr Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler

"Eines der wichtigsten Ziele von Schule ist es, jungen Menschen einen erfolgreichen Start in die Berufswelt zu verschaffen. Durch die Instrumente der neuen Kooperationsvereinbarung können sich Schülerinnen und Schüler noch besser auf diesen Schritt vorbereiten." Das sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (10. Juli) in Kiel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Jürgen Goecke, Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Beide unterzeichneten heute die "Vereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung in Schleswig-Holstein".

13.07.2009 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Mit der Weiterentwicklung der ursprünglich 2005 geschlossenen Vereinbarung vertiefen beide Seiten ihre Zusammenarbeit. Basierend auf den guten Erfahrungen mit dem Handlungskonzept "Schule & Arbeitswelt" werden bereits bestehende Projekte noch stärker aufeinander abgestimmt. Zu den neuen Aspekten der Kooperationsvereinbarung gehören die Einbeziehung der Berufsberatung im Zuge des Ganztagsschulangebots, die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen und die Betreuung durch Berufseinstiegsbegleiter.

"Die Berufswahl gehört zu den wichtigsten Entscheidungen, die Menschen in ihrem Leben treffen", so die Ministerin weiter. "Deshalb benötigen sie frühzeitig Unterstützung dabei, ihre Fähigkeiten und Potenziale zu erkennen und auszubauen und für sich daraus realistische Ziele für eine erfolgreiche berufliche Zukunft entwickeln." Zwar sei die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in Schleswig-Holstein deutlich rückläufig. Immer noch blieben nach Verlassen der Hauptschule zu viele Abgänger - mit und ohne Abschluss - ohne Ausbildungsplatz. "Nur durch die enge Verzahnung aller Partner - von Kita bis Schule und Hochschule, von Betrieben über Kammern und Verbände bis zur Bundesagentur für Arbeit - ist es zu schaffen, künftig mehr Schülerinnen und Schüler in Ausbildung zu bringen. Das ist nicht nur aus gesellschaftlicher Sicht wichtig. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Krisenmeldungen und des zunehmenden Fachkräftemangels müssen wir alles dafür tun, die Ausbildungsfähigkeit junger Menschen zu stärken und ihnen einen erfolgreichen Berufseinstieg zu ermöglichen."

Jürgen Goecke hob hervor: "Wir dürfen keine Bildungsverlierer zulassen, die später am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kaum noch Chancen haben. Deshalb ist die enge Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung auch unter dem Gesichtspunkt der Prävention unverzichtbar. Insbesondere die sogenannte Berufseinstiegsbegleitung - sie ist Bestandteil unserer Vereinbarung - liegt mir am Herzen. An 27 Schulen in Schleswig-Holstein stehen Berufseinstiegsbegleiter bei der Berufsorientierung und Berufswahl mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind durchschnittlich für 20 Schüler verantwortlich und halten engen Kontakt zu Lehrern, Schulsozialarbeitern, Eltern und den Berufsberatern der Agenturen für Arbeit." Er betonte, dass diese Unterstützung in der Vorabgangsklasse beginne und normalerweise ein halbes Jahr nach Beginn einer Ausbildung ende. "Bei größeren Startschwierigkeiten können junge Menschen sogar bis zu 24 Monate über das Ende ihrer Schulzeit hinaus begleitet werden. Die Agenturen für Arbeit investieren in Schleswig-Holstein" - so Goecke weiter - "bis zum 31.01.2012 drei Millionen Euro in dieses Projekt."

Auch die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachträglich zu erwerben, hob Goecke hervor. "Er ist meist eine unverzichtbare Voraussetzung für Jugendliche und Erwachse-ne, um einen ersten Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt zu finden. Diesen Abschluss können sie in einer - von der Bundesagentur geförderten - Berufsvorbereitung oder beruflichen Weiterbildung erreichen. Für diese Gruppe bietet das Bildungsministerium eine zusätzliche zentrale Hauptschul-Abschlussprüfung an."

Die Vereinbarung umfasst folgende Punkte:

Berufsorientierung

Schulen stimmen sich auf regionaler Ebene mit den Arbeitsagenturen über Vorhaben und Angebote zur Berufsorientierung ab. Dafür sollen Handlungsfelder des "Handlungskonzeptes Schule & Arbeitswelt" - Kompetenzfeststellung/Assessment, Berufsfelderprobung und Coaching - für den Übergang der Schülerinnen und Schüler in das Berufsleben genutzt werden. Zudem beteiligen sich Schulen und Berufsberatung an regionalen Berufsinformationsmessen. Eine vierwöchige Sommerakademie in der Ferienzeit soll 32 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen helfen, sich auf den Übergang in die Arbeitswelt vorzubereiten.

Berufswahlpass

Mit dem Berufswahlpass lernen die Jugendlichen, selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln, indem sie ihren Lernprozess weitgehend selbst steuern und ihn dokumentieren. Die Lernschritte können jederzeit von allen Beteiligten geprüft werden. Zudem können "Meilensteine" gesetzt werden, die das nächste Ziel auf dem Weg in eine passende betriebliche Ausbildung oder in einen weiteren schulischen Bildungsabschnitt beschreiben.

Potenzialanalyse/Assessment

Im Rahmen des "Handlungskonzepts Schule & Arbeitswelt" ist die Potenzialanalyse/das Assessment als ein weiteres Instrument der Berufswahlvorbereitung insbesondere in den 8. Klassen an den zu einem Hauptschulabschluss führenden Schulen und Förderzentren eingeführt worden, um die individuellen Stärken, Fähigkeiten und Haltungen eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin festzustellen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse werden in die Arbeit mit dem Berufswahlpass integriert und fließen in die individuelle schulische Förderung ein.

Flexible Übergangsphasen

An ausgewählten Standorten in den Kreisen und kreisfreien Städten gibt es Flexible Übergangsphasen im Bildungsgang Hauptschule. Sie richten sich an die Schülerinnen und Schüler, bei denen man bereits im 8. Jahrgang erkennen kann, dass zum Erreichen des Abschlusses zusätzliche Unterstützung nötig sein wird. Diese Jugendlichen werden gezielt im Zuge des "Handlungskonzepts Schule & Arbeitswelt" unterstützt und haben ein Jahr länger Zeit für den Hauptschulabschluss.

Berufseingangsklassen

Sie richten sich vorrangig an die minderjährigen Schülerinnen und Schüler, die die Schule nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht verlassen. Vorrangiges Ziel dieser Berufseingangsklassen ist es, mögliche berufsvorbereitende und/oder berufsqualifizierende Alternativen zu klären. Neben dem Berufsschulunterricht werden die Jugendlichen individuell betreut und beraten (Kompetenzfeststellung, Berufsfelderprobung, Qualifizierung, Coaching, Praktika). Berufsorientierung in offenen und gebundenen Ganztagsschulen Ganztagsschulen bieten vielfältige Möglichkeiten, um Berufsorientierung verstärkt zu und die Berufsberatung als Kooperationspartner in ihr Angebot einzubinden. Vereinbarungen zwischen der örtlichen Berufsberatung und der Ganztagsschule sollen diesen Prozess befördern.

Berufseinstiegsbegleitung

Zur Eingliederung Jugendlicher in berufliche Ausbildung werden modellhaft an 27 ausgewählten Schulen Berufseinstiegsbegleiter zur individuellen Unterstützung besonders förderungsbedürftiger Schülerinnen und Schüler tätig. Die Arbeit der Berufseinstiegsbegleitung ist eng mit Schulen und Lehrkräften abgestimmt und angelehnt an das Coaching im Rahmen des "Handlungskonzepts Schule & Arbeitswelt".

BIZ und BIZ-mobil

Die BA unterhält dafür ein Netz von Berufsinformationszentren (BIZ) bei den Agenturen für Arbeit, ergänzt durch Einsätze von BIZ-mobil an Schulen in ländlichen Regionen. Hierdurch wird Schülerinnen und Schülern im ländlichen Raum der Zugang zu berufswahlvorbereitenden Medien, Selbsterkundungsprogrammen und Internetrecherchen erleichtert. Die Schulen nehmen das Angebot des BIZ und BIZ-mobil wahr und schließen es in den Unterricht ein.

Medien

Die Regionaldirektion Nord und die Agenturen für Arbeit stellen Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften regionale Informationen zu Beruf, Ausbildung und Studium zur Verfügung, unter anderem über die Internetplattform www.planet-beruf.de. Das Institut für Qualitätssicherung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) bietet Lehrkräften Fortbildung für den Umgang mit diesen neuen Medien an, an denen auch die Regionaldirektion Nord beteiligt ist.

Internetprogramm zur Berufs- und Studienorientierung Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern über Bildungswege und Bildungsangebote im schulischen, hochschulischen und betrieblichen Ausbildungssystem zu informieren. Die regional auf den Bezirk der Regionaldirektion Nord bezogenen Informationen sind im Bildungsportal Schleswig-Holstein unter berufswahl.lernnetz.de zu finden.

Nachträglicher Erwerb eines Hauptschulabschlusses Der Hauptschulabschluss ist eine wichtige Voraussetzung für die Integration Jugendlicher und Erwachsener in das Berufs- und Arbeitsleben. Sie können den Abschluss im Zuge von der BA geförderten Berufsvorbereitungen oder beruflicher Weiterbildungen erreichen. Dazu bietet das Bildungsministerium eine zusätzliche zentrale Hauptschul-Abschlussprüfung an.

In einem Koordinierungsausschuss stimmen sich die Vertragspartner regelmäßig ab. Er entwickelt inhaltliche Zielsetzungen und Formen der Zusammenarbeit zwischen Schule und Berufsberatung auf Landesebene fort. Kooperationspartner vor Ort bei der Umsetzung der Vereinbarung sind die Kreisfachberaterinnen und Kreisfachberater für Berufsorientierung, die Wirtschaftskoordinatorinnen und Wirtschaftskoordinatoren in den Kreisen und kreisfreien Städten sowie die Schulbesauftragten für Berufsorientierung in den Schulen.


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