Mehrzahl der neuen Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen kann wie geplant starten

Der Umbau des Schulsystems in Schleswig-Holstein geht schneller voran als erwartet. Zum kommenden Schuljahr 2009/10 werden sich bereits etwa zwei Drittel der ursprünglichen Hauptschulen und Realschulen in Regionalschulen oder Gemeinschaftsschulen umgewandelt haben. Im Land gibt es dann voraussichtlich 92 Gemeinschaftsschulen und 55 Regionalschulen.

05.05.2009 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Für die Errichtung von Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen zum Schuljahr 2009/10 waren im Bildungsministerium insgesamt 66 Anträge zu bearbeiten - 42 für Gemeinschaftsschulen, 24 für Regionalschulen. Die meisten der zum kommenden Schuljahr beantragten Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen können wie geplant an den Start gehen. "Wir haben die Perspektiven der Schulen eingehend geprüft und genehmigen nur diejenigen endgültig, von denen wir überzeugt sind, dass sie erfolgreich arbeiten können", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (4. Mai) in Kiel. Das sei bei 22 Regionalschulen und 37 Gemeinschaftsschulen der Fall. "Grundvoraussetzung ist, dass die neue Schule auch als Bildungsstandort in der Region anerkannt und nachgefragt wird."

In Fällen, in denen die erforderliche Zahl von Anmeldungen für den fünften Jahrgang (Mindestanmeldezahlen: 45 für Regionalschulen, 60 für Gemeinschaftsschulen) deutlich unterschritten wurde und die Schulen ihren pädagogischen Auftrag somit nicht erfüllen können, soll von dem Widerrufsvorbehalt in den Genehmigungen Gebrauch gemacht oder keine Genehmigung ausgesprochen werden. Dies betrifft zwei Regionalschulen und fünf Gemeinschaftsschulen. Im Falle eines Widerrufs haben die zuständigen Schulträger nun bis zum 22. Mai 2009 Zeit, sich zu äußern, bevor der Widerruf endgültig ausgesprochen wird. Erdsiek-Rave: "Wir können nicht davon ausgehen, dass an diesen Standorten ein pädagogisch leistungs- und zukunftsfähiges Regional- oder Gemeinschaftsschulangebot realisiert werden kann."

"Besonders eingehend geprüft haben wir dort, wo die Mindestanmeldezahl nur knapp unterschritten worden ist", so die Ministerin weiter. Demnach können auch einige Schulen zum kommenden Schuljahr starten, obwohl sie in diesem Jahr etwas weniger als die geforderten Anmeldungen vorweisen konnten. Bei diesen Entscheidungen erhielten Kriterien wie die Gesamtgröße der Schule und die regionale Bedeutung eines Standorts, also alternative Beschulungsmöglichkeiten, eine besondere Bedeutung. "Entscheidend ist, dass diese Schulen langfristig überlebensfähig und pädagogisch leistungsfähig sind", sagte die Ministerin. Sollten die Anmeldezahlen in den kommenden Jahren zurückgehen, sei zu gegebener Zeit über die notenwendigen schulorganisatorischen Konsequenzen zu entscheiden. Das betreffe insbesondere eine Reihe von genehmigten Regionalschulen.

Binnendifferenzierter Unterricht und individuelle Schwerpunktsetzung durch ausreichende Wahlpflichtangebote seien nur realisierbar, wenn genügend Schülerinnen und Schüler vorhanden seien. "Mit nur 20 oder 25 Anmeldungen für den fünften Jahrgang kann auch mit viel Engagement und überproportionalem Ressourceneinsatz keine Schule entstehen, die dem Anspruch der neuen Schularten und dem Anspruch der Kinder auf eine gute Schule gerecht wird." Deshalb könnten die beantragten Regionalschulen in Rickling (24 Anmeldungen/Kreis Segeberg) und in Kappeln (25 Anmeldungen/Kreis Schleswig-Flensburg) wie im Vorjahr nicht genehmigt werden.

Zudem soll die Genehmigung für folgende Gemeinschaftsschulstandorte widerrufen werden:

  • Fridtjof-Nansen-Schule Kiel (29 Anmeldungen)
  • Heiligenhafen (Kreis Ostholstein/35 Anmeldungen)
  • Friedrichstadt (Kreis Nordfriesland/40 Anmeldungen)
  • Rellingen (Kreis Pinneberg/41 Anmeldungen)
  • Krempe (Kreis Steinburg/51 Anmeldungen)

Über die Perspektiven der nicht genehmigten Schulen muss nun der Schulträger befinden. Auf der anderen Seite kann mit Leezen (Kreis Segeberg) eine Gemeinschaftsschule an den Start gehen, die zunächst keine Genehmigung erhalten hatte. Der dortige Schulträger hatte bereits zum Schuljahr 2008/09 eine Gemeinschaftsschule beantragt, aber die Mindestanmeldezahl deutlich unterschritten. Im zweiten Anlauf hat Leezen nun mit 74 Anmeldungen die Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt.

Erfreut zeigte sich die Ministerin über die Entwicklung der bereits in den vergangenen beiden Jahren genehmigten Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen. "Die Schulen setzen ihre pädagogischen Konzepte insgesamt in vorbildlicher Weise um. Dafür danke ich allen Beteiligten", so Erdsiek-Rave weiter. Alle Konzepte legten Schwerpunkte auf konkrete Wege der individuellen Förderung, selbstständiges Arbeiten, Lerntechniken, fächerübergreifende Projekte, aber auch Berufsorientierung und Ganztagskonzepte, die sinnvoll auf den Unterricht Bezug nehmen.

Die Ministerin betonte, dass die Eltern in Schleswig-Holstein bei der Anmeldung ihrer Kinder frei aus dem Schulangebot auswählen konnten. "Damit haben sie den Schulträgern auch wichtige Hinweise für die Akzeptanz einzelner Schulen gegeben. Zwar mag es mancherorts weh tun, wenn die geplante Schule nun nicht zustande kommt. Ohne die Unterstützung der Eltern ist ein Schulstandort auf Dauer aber nicht überlebensfähig." Dies gelte umso mehr, da die Schülerzahlen in den kommenden 15 Jahren landesweit um durchschnittlich rund 20 Prozent zurückgehen werden.

Insgesamt zog die Ministerin eine positive Zwischenbilanz: "Für das kommende Schuljahr haben nun alle Beteiligten Planungssicherheit. Das Schulangebot und das Anmeldeverhalten der Eltern zeigen, dass die neuen Schularten vor Ort angekommen sind und angenommen werden."

Für alle anderen Schulträger und Schulen gelte es nun, die Planungen für eine Umwandlung zum Schuljahr 2010/11 voranzutreiben, um den Umbau des Schulsystems in Schleswig-Holstein erfolgreich fortsetzen und abschließen zu können.


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