Ahnen / Härtel: Premiere im Haus des Frauen- und Kulturministeriums

Im Rahmen des bundesweit einmaligen rheinland-pfälzischen Mentoring-Projektes für Bildende Künstlerinnen eröffneten heute in Mainz Frauenministerin Doris Ahnen und Kulturstaatssekretär Roland Härtel gemeinsam mit den Künstlerinnen Rita Eller (Mainz) und Kathrin Leopolder (Karlsruhe und Südpfalz/beide Malerei) sowie Gabriele Domay (Landau/Grafik, Papierobjekte) und Jutta Christine Matzdorf (Kaiserslautern/Grafik, Cliché verre) die erste Kunstausstellung im neuen Dienstgebäude des Frauen- und des Kulturministeriums.

05.08.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Kunst- und kulturschaffende Frauen gestalten das kulturelle Leben in Rheinland-Pfalz nicht nur mit, sondern setzen auch besondere Akzente. Doch es gibt noch viel zu tun, um die Gleichstellung von Künstlerinnen und insgesamt von Frauen im Kulturbereich und in Kultureinrichtungen weiter voranzubringen", sagte Frauenministerin Doris Ahnen bei der Eröffnung.

Viele junge Frauen strebten eine künstlerische Karriere an. Bundesweit sei allerdings festzustellen, dass sie nicht ihrer Ausbildung adäquat an der individuellen Künstlerförderung Anteil hätten. "Und in der Leitung von Kultureinrichtungen sind Frauen, wenn man Deutschland insgesamt betrachtet, bislang noch selten vertreten", stellte die Frauenministerin fest. Dies habe auch die kürzlich vorgestellte Studie "Frauen in Kunst und Kultur" des Deutschen Kulturrates gezeigt. "Künstlerinnen schneiden auf der Erfolgsskala im Kunstbetrieb nach wie vor wesentlich schlechter ab als ihre männlichen Kollegen", unterstrich Kulturstaatssekretär Härtel. In Rheinland-Pfalz allerdings stellten Frauen mit 55 Prozent bereits jetzt den größeren Teil der Studierenden in den künstlerischen Fächern und hätten einen Anteil von 61 Prozent am Gesamtumfang aller Stipendien und Preise. "Mentoring soll die Chancen von Frauen in der Bildenden Kunst weiter verbessern. Was in Wirtschaft und Wissenschaft durchaus zur gängigen Praxis gehört, sollte auch in der Bildenden Kunst möglich sein," sagten Ahnen und Härtel. Dass diese Methode funktioniert, zeigten die in Rheinland-Pfalz erfolgreich laufenden Mentorinnenprojekte wie das bereits seit 1997 immer weiter ausgebaute "Ada-Lovelace-Projekt" zur Förderung von jungen Frauen in technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen oder das 1999 ins Leben gerufene Politik-Mentoring-Projekt, ergänzte die Frauenministerin.

Gleichstellungspolitik und Gender-Mainstreaming seien die Aufgabe der gesamten Landesregierung, so Doris Ahnen. In dieses Gesamtkonzept passe sich das Mentoring-Projekt für Künstlerinnen hervorragend ein. Es seien noch eine ganze Reihe von Maßnahmen nötig, um die Chancen von Frauen in der Kunst zu verbessern. Gesetzliche Instrumentarien wie zum Beispiel das Landesgleichstellungsgesetz, das in der öffentlichen Kulturverwaltung Frauenförderpläne vorschreibe oder auch die Vergabepraxis bei Stipendien und Preisen, seien geeignete Mittel. Aber auch das in diesem Jahr vom Frauen- und Kulturministerium Rheinland-Pfalz gemeinsam gestartete Projekt "Mentoring für Bildende Künstlerinnen" sei ein sinnvolles Konzept, junge Frauen, Berufsanfängerinnen oder Neueinsteigerinnen in vielen Arbeitsbereichen zu unterstützen, so Ahnen und Härtel. 13 Mentees hätten jeweils eine Mentorin gefunden und die Zusammenarbeit für zunächst ein Jahr aufgenommen. Mentoring sei eigentlich ein einfaches Prinzip: Eine berufserfahrene Person gibt einer weniger erfahrenen Einblick aus dem eigenen Berufsalltag sowie praxisnahe und handfeste Tipps für die eigene Karriere. Es würden Kontakte geknüpft und Netzwerke ausgebaut. Im Prinzip stelle Mentoring "Hilfe zur Selbsthilfe" dar.

Bei der heute eröffneten Ausstellung präsentierten die Mentorinnen Rita Eller und Gabriele Domay mit ihren Mentees Kathrin Leopolder und Jutta Christina Matzdorf stellvertretend für alle 13 Mentoring-Tandems ihre Werke. Das Repertoire ihrer Arbeiten reicht von Malerei über Collagen bis hin zu plastischen Arbeiten aus handgeschöpftem Papier.

Bis zum Projektabschluss im nächsten Jahr erwartet die Mentoring-Tandems noch eine breite Palette von Aktivitäten. Individuelle Weiterbildungsangebote, verstärkte Unterstützung bei der Vermittlung von Projekt- oder Ausstellungspartnerinnen und -partnern sowie gemeinsame Workshops zum Thema "Kunst am Bau" oder "Die Künstlerin am Kunstmarkt" sind nur einige Beispiele der vielfältigen Aktionen.

Frauenministerin Ahnen und Staatssekretär Härtel freuten sich über das große Interesse an der "Ministeriumsvernissage" und wiesen darauf hin, dass die Ausstellung für die interessierte Öffentlichkeit noch bis zum 27. August 2004, montags bis freitags von 9 Uhr bis 19.30 Uhr zu sehen ist.

Die beteiligten Künstlerinnen:

Gabriele Domay

geboren 1947 in Sinn/Dillkreis,

lebt und arbeitet in Landau.

Nach einem Grafik-Design-Studium arbeitet sie seit 1983 als freischaffende Künstlerin.

Gabriele Domay schöpft und formt Papier selbst, arbeitet mit flüssiger Papiermasse, dem so genannten Pulp. Für den Pulp nutzt sie die verschiedensten Papiere, mit Pigmenten und Stofffarbe wird das Material eingefärbt. Die Farbe dringt in die Faser ein und kann so aus der Tiefe wirken. Diese Technik steht in einer relativ jungen Tradition der Papierkunst des 20. Jahrhunderts, die aus Amerika kommt und in Europa erst Mitte der 80er-Jahre bekannt wurde. Transparente, an chinesische Rollbilder erinnernde, Bildbahnen sind zu einem Markenzeichen von Gabriele Domay geworden. Ihre Arbeiten befinden sich unter anderem in der Kunstsammlung des Landes Rheinland-Pfalz.

Jutta Christine Matzdorf (Mentee)

geboren 1957 in Kaiserslautern,

lebt und arbeitet in Kaiserslautern.

Nach dem Besuch der Kunstschule Stuttgart begann sie 1980 ein Lehrstudium im Atelier ihres Vaters Albert Matzdorf. Ein Studium an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim von 1993 bis 1997 schloss Jutta Christine Matzdorf mit dem Diplom in Grafik-Design ab. 1984 erhielt sie das Burgund-Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz.

Jutta Christine Matzdorf schafft ihre Werke in der Technik der Fotomalerei, auch Lichtmalerei genannt. Bei diesem Verfahren verwirklicht die Künstlerinn ihre Zielsetzung durch das sowohl planvoll als auch spielerisch eingesetzte Zusammenwirken von fotografischen und grafisch-malerischen Techniken. Diese Technik hat ihren Ursprung in einem Verfahren, das als "cliché verre" bezeichnet wird. Das Verfahren wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts angewendet. Zu seinen ersten Meistern gehörte Eugéne Delacroix.

Rita Eller

geboren 1953 in Mülheim-Kärlich,

lebt und arbeitet in Mainz.

Nach vier Jahren Malkursen in der Frauenwerkstatt bei Silvia Willkens und einem Designstudium an der Fachhochschule Wiesbaden lebt Rita Eller seit 1992 freischaffend als Malerin in Mainz, seit 1998 hat sie ein eigenes Atelier.

Die Malerei von Rita Eller enthält stets ein Thema, das die Künstlerin emotional berührt. Oft sind konkrete Texte, Gedichte oder Aphorismen der Ausgangspunkt. Farbflächen werden Schicht auf Schicht übereinander gelegt, teilweise wieder weggekratzt, um tiefer liegende Ebenen freizulegen und durch neuen Farbauftrag mit anderen Schichten zu verbinden.

Kathrin Leopolder (Mentee)

geboren 1957 in Ludwigshafen,

lebt und arbeitet in Karlsruhe und in der Südpfalz.

Nach einem Studium der Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe und einem Malereistudium an der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe arbeitet sie seit 1983 als freischaffende Malerin.

Kathrin Leopolder steht mit ihren Gemälden und Zeichnungen eindeutig in der Tradition des Expressionismus. In den Gemälden treffen großzügige Farbflächen - scheinbar ohne Räumlichkeit - zuweilen schroff aufeinander, bei der Zeichnung sprechen kantige Umrisse und nervöse Schraffuren für diese Tradition.


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