Auch bei E-Learning: Soziale Kontakte sind wichtig

(Eigenbericht) Auch für E-Learning – also das Lernen am PC – gilt, was die gesamte IT-Branche in den letzten Jahren schmerzlich lernen musste: die Zeit der großen Euphorie ist vorbei. Visionäre Vorstellungen wie die des amerikanischen Wissenschaftlers Louis Perelmann, der Anfang der neunziger Jahre noch prophezeite, dass die traditionelle Schule ihrem baldigen Ende entgegenginge, weil mehr und mehr online gelernt werde, sind längst einem nüchternen Blick auf die Realität gewichen.

18.04.2004 Artikel

Zwar sind hierzulande nahezu alle Schulen mit Computer und Internet ausgestattet, trotzdem spielt E-Learning dort eine mehr als untergeordnete Rolle. Und auch das online Lernen am häuslichen Schülerschreibtisch hat sich bislang nicht durchgesetzt. Kostenpflichtige Lernplattformen im Internet wurden wieder geschlossen: zu wenige Eltern und Schüler waren bereit, für die virtuelle Nachhilfe zu zahlen.

Wachstum oder wenigstens Konsolidierung verspricht man sich in einem anderen Bereich, nämlich in der Weiterbildung. Experten behaupten, dass in den nächsten Jahren in Europa 80 Prozent aller Beschäftigten beziehungsweise aller Erwerbsfähigen ihr Wissen erweitern müssen. Dafür gilt es, die passenden Unterrichtsformen zu finden, bei denen es möglichst unerheblich ist, wo die Lernenden wohnen und arbeiten und wann sie Zeit zum Lernen haben.

In Betrieben: E-Learning kostengünstiger

Erste Ergebnisse in kleinen und mittleren Unternehmen sowie in Großkonzernen zeigen, dass elektronische Fortbildung kostengünstiger sein kann. In den USA hält man E-Learning schon längst für eine ideale Möglichkeit, um Kosten im Weiterbildungsbereich zu sparen, ohne auf ein qualifiziertes Angebot für die Mitarbeiter verzichten zu müssen.

Etwa die Hälfte aller größeren Unternehmen in Deutschland setzt bereits E-Learning ein. Bei den meisten dieser Kurse geht es um IT Inhalte, das heißt, die Mitarbeiter werden in Word oder Excel geschult. Daneben hat E-Learning in den vergangenen Jahren in einem weiteren Bereich ganz entscheidend an Bedeutung gewonnen: beim Sprachenlernen. Denn mit PC, Kopfhörer und Mikrofon lassen sich beinahe alle wichtigen Situationen im Berufsleben simulieren. Lernen können die Mitarbeiter am betrieblichen oder privaten PC – aber auch mit Buch, Heft und Stift.

Wichtig: Die soziale Komponente

Doch egal was sich Wirtschaft und Politik von neuen Lernmethoden versprechen: Entscheidend für deren Erfolg ist die Akzeptanz durch die Lernenden. 75 Prozent der "E-Learner", so hat eine Untersuchung der Unternehmensberatung Mummert + Partner im Jahr 2002 gezeigt, schätzen an der elektronischen Fortbildung, dass sie ortsunabhängig lernen können, 69 Prozent begrüßen die zeitliche Freiheit. Eines aber ist den Lernenden trotz aller Technologie weiterhin wichtig: der direkte Kontakt zu den Mitlernenden. Fast jeder zweite erklärte nämlich, ihm fehlten Lehrer und Mitschüler.

Das heißt: Lernen funktioniert wohl am ehesten in einer Mischung aus Methoden und Medien, bei der PC und Internet ebenso eine Rolle spielen wie Buch, Heft und der gemeinsame Unterricht vor Ort. Auch, wenn der nicht mehr so häufig stattfinden muss. Wichtig ist, dass die Schüler in bestimmten zeitlichen Abständen auch gemeinsam lernen. Diese soziale Komponente wird in neuen E-Learning-Konzepten berücksichtigt. Für diesen viel versprechenden Lernmix gibt es bereits einen Fachbegriff: Blended Learning. Und das ist letztendlich nichts anderes als die Verbindung von alten und neuen Lernmethoden und Medien.

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Weiterführende Links:

www.blended-learning-network.de
www.clt-net.de
www.elearning-expo.de
www.lehrer-online.de


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