Ausbildungsreport 2007: Gastronomiebranche auf den letzten Plätzen
(bikl.de/pm) In Deutschland gibt es nicht nur zu wenig Ausbildungsplätze, sondern auch ein massives Qualitätsproblem bei der Berufsausbildung in den Betrieben. Das belegt der DGB-Ausbildungsreport 2007, für den mehr als 4000 Auszubildende in den 25 wichtigsten Ausbildungsberufen befragt wurden.
23.09.2007 Artikel"Mit dem Report wollen wir zeigen, dass es messbare Kriterien für eine gute Ausbildung gibt und man sich nicht mit einer schlechten Ausbildung abfinden sollte," sagte stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hat am Freitag in Berlin bei der Vorstellung des Berichts. "Denn es geht um die Berufs- und Lebenschancen jedes Einzelnen. Das Motto ´Besser als nichts' taugt nicht für Arbeitsplätze und erst recht nicht für Ausbildung".
Berufliche Persepktiven nur für wenige
Sehrbrock verwies auf deutliche Verschlechterungen im Vergleich zum Vorjahr. "42 Prozent der Auszubildenden geben an, regelmäßig Überstunden zu machen, im vergangenen Jahr sagten dies ´nur' 34,5 Prozent. Gleichzeitig können nur knapp 17 Prozent der Jugendlichen sicher sein, nach der Ausbildung übernommen zu werden, 2006 waren dies noch 22 Prozent", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.
Der wirtschaftliche Aufschnung wirkt nicht positiv
"Der wirtschaftliche Aufschwung scheint sich nicht positiv auf die Situation der Auszubildenden auszuwirken: Sie müssen mehr arbeiten und ihre Zukunftsperspektiven bleiben ungewiss", warnte Sehrbrock die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Qualität der Arbeit aus den Augen zu verlieren. Nach wie vor stagniere die Zahl der ausbildungsbereiten Unternehmen bei 23 Prozent, so Sehrbrock.
Der DGB sieht durch immer mehr Überstunden die Ausbildungsqualität gefährdet: Viele meinen, "wenn es wirtschaftlich brummt, müssen auch die Auszubildenden mitziehen", erklärte Sehrbrock. "Das machen sie in der Regel auch. Aber Auszubildende sind nicht dazu da, Ausbildungsspitzen abzufangen" warnte Sehrbrock vor der zunehmenden Tendenz, die Vermittlung von Ausbildungsinhalten zu vernachlässigen. Darum ist es bereits jetzt in vielen Betrieben schlecht bestellt: Fast ein Drittel der befragten Auszubildenden hat 2007 angegeben, nur "manchmal, "selten" oder "nie" angeleitet zu werden.
Industriemechaniker: gute Ausbildungsbedingungen
Spitzenreiter bei der Beurteilung sind die Industriemechaniker. Nach Aussage der Befragten stimmen fachliche Anleitung, Ausbildungsinhalte und Vergütung. Dies trifft auch auf die kaufmännischen Berufe zu. Überraschungen gab es bei den IT-Systemspezialisten, Fachinformatikern und Elektronikern. 2006 noch an der Spitze des Rankings, landeten sie in diesem Jahr nur im Mittelfeld. Vor allem die Fachinformatiker klagen über mangelnde fachliche Anleitung. Schlusslichter sind Gastronomieberufe, Gärtner und Maler. Die Auszubildenden kritisieren mangelnde fachliche Anleitung, ausbildungsfremde Tätigkeiten sowie viele Überstunden.
Qualifizierungspflicht für Ausbilder
Der DGB sieht vor allem "auf den letzten Plätzen" erheblichen Verbesserungsbedarf. Von zentraler Bedeutung seien dabei kompetente Ausbilderinnen und Ausbilder. Sehrbrock forderte, die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) und damit die Pflicht, sich als Ausbilder zu qualifizieren, umgehend wieder in Kraft zu setzen. Sie war vor vier Jahren ausgesetzt worden, in der Hoffnung auf mehr Ausbildungsplätze. Ausbilden kann seitdem jeder, der einen Berufsabschluss hat. "Das halten wir für unverantwortlich," so Sehrbrock. "Ausbilderinnen und Ausbilder müssen mehr können als ihren Beruf."
Weiterführende Links
- Ausbildungsreport 2007 (pdf)
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