Studie

Auszubildenden bewerten ihre Ausbildungsberufe und ihre Ausbildung: von sehr gut bis mangelhaft

Die 320 Ausbildungsberufe werden nach dem im Berufsbildungsgesetz festgelegten Regeln entwickelt und – wenn sie veraltet sind – modernisiert. In ihrer Attraktivität und Qualität liegen sie nach der Einschätzung von 3000 Auszubildenden meilenweit auseinander. Dazu legte das IBB der Universität Bremen jetzt eine Studie vor.

11.05.2016 Bundesweit Pressemeldung FG Berufsbildungsforschung (i:BB) Universität Bremen
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Unerwartet hoch ist ihre berufliche Identität  -  die Identifizierung der Auszubildenden mit „ihrem“ Beruf: Sie überragt deutlich die emotionale Bindung an ihren Ausbildungsbetrieb. Die Studie kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die subjektive Bedeutung einen Beruf zu erlernen und sich mit diesem zu identifizieren – trotz oder gerade wegen der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes – zugenommen hat: „Meinen Beruf kann ich beim Wechsel in ein anderes Unternehmen mitnehmen – meinen Ausbildungsbetrieb nicht.“

Berufliche Identität begründet berufliches Engagement, Qualität-und Verantwortungsbewusstsein.  „Für die Unternehmen ist dies eine notwendige Voraussetzung zur Einführung schlanker Organisationsstrukturen und den Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit“, so der Studienleiter Professor Felix Rauner.  „Auf die Verlagerung von Kompetenzen und Verantwortung in die direkt wertschöpfenden Prozesse kommt ich es also an.“
Eine große Zahl der Ausbildungsberufe verfügt jedoch nicht über die Attraktivität, die ausreicht, um sich mit ihnen zu identifizieren. Ein niedriges Identifikationspotenzial lässt sich auch durch eine gute Ausbildung nur begrenzt kompensieren. Das zeigen die Ergebnisse der insgesamt 80 untersuchten Berufe. Für eine moderne Beruflichkeit, so eine der vielen Schlussfolgerungen der Studie, bedarf es der Einführung von Gütekriterien.

Die Studie zeigt weiter, dass die Attraktivität der Berufsausbildung auch eine hohe Ausbildungsqualität voraussetzt. Diese liegt in den untersuchten Berufen überraschend weit auseinander. Eine hohe Qualität bescheinigen die Auszubildenden ihrer Ausbildung nur, wenn sie lernen, ihre Tätigkeiten in die betrieblichen Geschäftsprozesse einzuordnen. Es überrascht daher nicht, dass das lehrgangsförmliche Lernen in Lehrwerkstätten die Qualität der betrieblichen Berufsausbildung mindert. Zudem wird von den Auszubildenden durchgängig die mangelnde Zusammenarbeit zwischen den beiden Lernorten Betrieb und Schule benannt.

Die Studie zeichnet aus, dass sie nicht nur Analyseergebnisse vorlegt, sondern daraus auch  Handlungsempfehlungen ableitet. Dazu zählt der Vorschlag, eine berufsorientierende Bildung von Kindergarten bis zum Schulabschluss einzuführen, damit Schüler ihre Fähigkeiten und die Ausbildungsmöglichkeiten ihrer Region kennen lernen. Des Weiteren sollte die Struktur der Lernortkooperation  auf der Grundlage rechtlich verbindlicher Regelungen die Voraussetzungen schaffen für die Weiterentwicklung der dualen zu einer dual-kooperativen Berufsausbildung.

Die Studie steht als Download auf der Homepage www.ibb.uni-bremen.de zur Verfügung.


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