BIBB und VLW für mehr Durchlässigkeit und Transparenz bei kaufmännischer Berufsbildung

Wer heute Kaufmann oder Kauffrau werden will, hat mehrere Möglichkeiten zur Auswahl: Er oder sie kann den Weg über die duale Ausbildung und berufliche Weiterbildung wählen, eine berufliche Vollzeitschule besuchen oder zur (Fach-)Hochschule gehen. Die Bildungsgänge lassen sich auch kombinieren, nur - und hier liegt das Problem - die aufnehmenden Bildungseinrichtungen interessieren sich häufig nicht für die bereits erworbenen Kompetenzen der Bewerber und Bewerberinnen. Angehende Kaufleute stehen somit vor der wenig ermutigenden Tatsache, dass sie grundlegende gleiche Inhalte immer wieder neu lernen müssen.

07.12.2006 Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

"Dieser teilweise doppelte Erwerb von Wissen und die damit verbundene Vergeudung von Lernzeiten und -kapazitäten ist bildungspolitisch und wirtschaftlich nicht mehr tragbar", so Prof. Dr. Reinhold Weiß, Ständiger Vertreter des Präsidenten und Forschungsdirektors des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf einer Fachtagung in Bonn, die sich mit der aktuellen Situation und den Perspektiven der kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufsbildung beschäftigte.

Die vom BIBB gemeinsam mit dem Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW) ausgerichtete Konferenz, an der Expertinnen und Experten aus Schule, Berufsbildung, Hochschule und Forschung teilnahmen, stand unter dem Motto "Innovationen in der kaufmännischen Berufsbildung!?".

In Deutschland, so Prof. Dr. Weiß weiter, müsse weit mehr für die Durchlässigkeit zwischen schulischer, beruflicher und hochschulischer Bildung getan werden. In allen Bildungsbereichen mangele es an transparenten Zulassungsbedingungen und Anrechnungsverfahren für anderweitig erworbene Kompetenzen. "Deutschland braucht ein Bildungssystem, das offen ist für ein Weiterlernen, für Umstiege und Neuorientierungen."

Dr. Wolfgang Kehl, Vorsitzender des VLW (Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen e.V.), mahnte durchdachte Konzepte an, die zur zukunftsgerechten Gestaltung der kaufmännischen Bildung beitragen. "Ziel einer Modernisierung der dualen Ausbildung muss es sein, eine Konkurrenz zu den Bachelor-Abschlüssen herzustellen sowie Karrieren in Unternehmen und den Weg in die Selbstständigkeit zu eröffnen." Im härter werdenden Wettbewerb um Bildungsteilnehmer und -teilnehmerinnen müssten, so Weiß und Kehl übereinstimmend, alle Bildungsanbieter die gleichen Chancen haben, aber auch einheitlichen Qualitätsansprüchen genügen.

BIBB und VLW sprachen sich gegen eine weitere Zersplitterung von kaufmännischen Branchenberufen - mit zum Teil sehr niedrigen Auszubildendenzahlen - aus. Vorgeschlagen wurde stattdessen ein "Leitbild für die kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Berufsbildung", das die Rolle der Kaufleute in einem prozessorientierten Arbeitsumfeld beschreibt und gemeinsame Kernkompetenzen benennt. Es gebe bereits heute innovative Ansätze und Beispiele für eine gemeinsame Basis der kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufe, die zugleich Spielräume für branchen- und betriebsspezifische Anforderungen ermöglichen. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse sollen nun Wege und Möglichkeiten für neue Strukturkonzepte entwickelt, ausprobiert und begleitet werden.

Eine Online-Dokumentation der Fachtagung finden Sie im Internet- Angebot des BIBB unter der unten aufgeführten Internetadresse.

Der Tagungsband "Innovationen in der kaufmännischen Berufsbildung!?" wird in Kürze als Heft 55 innerhalb der Sonderschriftenreihe des VLW erscheinen. Bestellungen richten Sie bitte per E-Mail an vlw-bund( at )vlw.de

Inhaltliche Auskünfte erteilt:
Rainer Brötz, Leiter des Arbeitsbereichs "Kaufmännische Dienstleistungsberufe und Berufe der Medienwirtschaft" im BIBB,
Tel.: 0228 / 107-2421; E-Mail: broetz( at )bibb.de

Weitere Informationen finden Sie unter
www.bibb.de/de/28496.htm


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