Bis 2020 könnte die Zahl der Erwerbspersonen mit abgeschlossener Lehre deutlich zurückgehen

Angesichts der möglichen Entwicklungen im Hinblick auf Umfang und Altersstruktur des zukünftigen Erwerbspersonenpotentials stellt sich auch die Frage, ob Baden-Württemberg in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit einem Fachkräftemangel konfrontiert sein wird. Dazu wurde im Rahmen der aktuellen Erwerbspersonenvorausrechnung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg auch die mögliche Qualifikationsstruktur der Erwerbspersonen für die Jahre 2020 und 2030 berechnet.

16.04.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Dabei wurde angenommen, dass das derzeit erreichte Qualifikationsniveau der jungen, 30- bis unter 35-jährigen Erwerbspersonen, die heute das höchste berufliche Bildungsniveau aller Altersgruppen aufweisen, auch von zukünftigen Generationen erreicht wird. Im Jahr 2020 würde daher die Bildungsstruktur der 30- bis unter 50-Jährigen der der heute 30- bis unter 35-Jährigen entsprechen. Im Jahr 2030 würde die Bildungsstruktur der 30- bis unter 60-Jährigen der der heute 30- bis unter 35-Jährigen entsprechen. Damit ergäbe sich die Situation, dass das berufliche Ausbildungsniveau der Erwerbspersonen in den Jahren 2020 und 2030 insgesamt über dem der heutigen Erwerbspersonen liegen würde.

Bei stagnierender Erwerbsbeteiligung könnte die Zahl der Akademiker auch 2030 noch das heutige Niveau übertreffen

Unter der Vorraussetzung einer konstanten Erwerbsbeteiligung wird das Angebot an Erwerbspersonen mit Fachhochschul- und Hochschulabschluss von heute rund 824 000 Personen auf rund 876 000, also um 52 000 Personen, im Jahr 2020 ansteigen. Bis 2030 ist die Zahl der Akademiker zwar wieder rückläufig, würde aber mit 833 000 immer noch über dem heutigen Niveau liegen. Demgegenüber ist nach der Status-quo-Variante sowohl für die Zahl der Erwerbspersonen mit abgeschlossener Lehre als auch für die mit einem Meister- bzw. Technikerabschluss ein deutliches Minus zu erwarten: Bei den Erwerbspersonen mit abgeschlossener Lehre ist ein Rückgang um nahezu 300 000 Personen bis zum Jahr 2030 zu erwarten, bei den Erwerbspersonen mit Meister- bzw. Technikerabschluss ein Rückgang von heute rund 570 000 auf nur noch 488 000 Personen im Jahr 2030.

Unter der Voraussetzung, dass die Erwerbsbeteiligung der jungen und der älteren Bevölkerung in Zukunft deutlich ansteigt und zudem die Erwerbsbeteiligung der Frauen sich der der Männer angleicht (Veränderungsvariante), ist für Erwerbspersonen aller Ausbildungsabschlüsse (mit Ausnahme der Meister bzw. Techniker) mit einem zunehmenden Angebot zu rechnen. Bis 2020 wird die Zahl der Erwerbspersonen mit abgeschlossener Lehre und mit Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss deutlich ansteigen. Bis 2030 sind dann zwar rückläufige Zahlen zu erwarten, sie bleiben aber bei allen Ausbildungsabschlüssen (mit Ausnahme der Meister bzw. Techniker) über denen von 2005.

Von Fachkräftemangel ist dann zu sprechen, wenn die Nachfrage nach Fachkräften höher ist als das Angebot. Die Nachfrage nach Fachkräften ist jedoch vor allem auch abhängig von der zukünftigen konjunkturellen Entwicklung und der Branchenausrichtung. Falls die baden-württembergische Wirtschaft in den Jahren 2020 und 2030 quantitativ und qualitativ den selben Bedarf an Fachkräften haben wird wie heute, dann wird sie unter der Voraussetzung, dass die Erwerbsbeteiligung auf heutigem Niveau bleibt (Status-quo-Variante), bereits im Jahr 2020 zu wenig Fachkräfte mit abgeschlossener Lehre, sowie Meister und Techniker auf dem Arbeitsmarkt vorfinden. Unter der Voraussetzung, dass die Erwerbsbeteiligung erheblich steigt (Veränderungsvariante) und der Bedarf quantitativ und qualitativ gleich bleibt, wird die baden-württembergische Wirtschaft auch in den Jahren 2020 und 2030 ein quantitativ und qualitativ ausreichendes Angebot an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt vorfinden.

Erwerbspersonen 2005*), 2020 und 2030**) nach beruflichen Ausbildungsabschlüssen
in Baden-Württemberg
nach beruflichen Ausbildungsabschlüssen2005Status-quo-VarianteVeränderungsvariante
2020203020202030
in 1000
*) Ergebnisse des Mikrozensus. **) Ergebnisse der Erwerbspersonenvorausrechnung. 1) Einschließlich Anlernausbildung, berufliches Praktikum, Berufsvorbereitungsjahr, berufsqualifizierender Abschluss an einer Berufsfach-/Kollegschulen sowie einer 1-jährigen Schule des Gesundheitswesens. 2) Einschließlich Fachschulabschluss, Abschluss der Fachschule in der ehemaligen DDR, einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, einer Fachakademie oder einer Berufsakademie sowie einer Verwaltungsfachhochschule. 3) Einschließlich Ingenieurschulabschluss und Promotion.
Insgesamt 5.480 5.350 4.830 6.244 5.689
darunter:
Lehrausbildung1) 2.859 2.846 2.564 3.350 3.049
Meister-/Technikerausbildung2) 571 554 488 627 564
Fachhoch-/Hochschulabschluss3) 824 876 833 1.000 965
Ohne beruflichen bzw. Hochschulabschluss 1.215 1.064 937 1.254 1.102



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