Deutsche Berufsausbildung in Europa nicht unter Wert verkaufen!

Vor einer Abwertung deutscher Berufsabschlüsse warnen der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

11.05.2005 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Anlass ist die für heute vorgesehene Abstimmung des Europäischen Parlaments über die Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen.

Die Wirtschaftsverbände kritisieren vor allem die darin vorgesehene Einstufung von Berufen in fünf Qualifikationsniveaus.

Danach würden die qualitativ hochwertigen deutschen Berufsabschlüsse mit ihrem starken Fokus auf berufliche Handlungsfähigkeit völlig ungerechtfertigt in das zweitniedrigste Niveau eingeordnet. Die Folge: Der hochqualifizierte Handwerksmeister würde faktisch einem EU-Arbeiter gleich gestellt, der nur über zwei Jahre Berufserfahrung verfügt.

Über den beschränkten Geltungsbereich dieser Richtlinie hinaus befürchten DIHK, ZDH und BDA eine negative Ausstrahlung auf alle dualen Ausbildungsberufe. So könnte es dazu kommen, dass beispielsweise ein deutscher Mechatroniker in einem anderen EU-Mitgliedstaat nur wie ein Angelernter eingestuft und bezahlt würde.

Die Verabschiedung einer aus den 80er Jahren stammenden, veralteten Niveaustufung, die ausschließlich auf formalen Abschlüssen und Zugangsberechtigungen basiert, wäre außerdem ein Griff in die bildungspolitische Mottenkiste. Nicht allein formale Zugangsregeln, wie zum Beispiel das Abitur, sondern die tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten müssen nach Ansicht der Wirtschaftsverbände für die Qualität und die Einordnung von Abschlüssen entscheidend sein.

Diesen Ansatz hat auch die EU-Kommission unlängst aufgegriffen, indem sie einen europäischen Qualifikationsrahmen zur Einordnung von erworbenen Kompetenzen entwickelt, der sowohl die berufliche als auch die universitäre Bildung umspannt. DIHK, ZDH und BDA unterstützen die EU-Kommission darin und wirken an der Ausgestaltung dieses richtungsweisenden und zukunftsfähigen Ansatzes des Qualifikationsrahmens aktiv mit.

DIHK, ZDH und BDA fordern das Europäische Parlament deshalb auf, das Fünf-Stufen-Schema in der jetzigen Form abzulehnen und stattdessen den notwendigen Paradigmenwechsel hin zu einem kompetenzorientierten Qualifikationsrahmen einzuleiten. Die deutsche Berufsausbildung dürfe in Europa nicht unter Wert verkauft werden.


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