Erfolgsgeschichte des "Hessischen Paktes für Ausbildung" wird fortgesetzt
Die Partner des "Hessischen Paktes für Ausbildung" werden ihre intensiven Anstrengungen zur Verbesserung des hessischen Ausbildungsmarktes mit verstärkten Kräften fortsetzen. Nach der Vereinbarung der Paktjahre 2004 bis 2006, jährlich 2.000 neue Ausbildungsstellen zu schaffen, verpflichtet sich die hessische Wirtschaft für den Zeitraum des neuen Paktes von 2007 bis 2009, mindestens 4.000 neue Ausbildungsstellen pro Jahr zu akquirieren.
20.02.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenDem Pakt gehören die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern, die Arbeitsgemeinschaft Hessischer Handwerkskammern, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, der Verband Freier Berufe in Hessen, die Hessischen Kommunalen Spitzenverbände, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie die Hessische Landesregierung an. "Mit beträchtlichem Engagement ist es den Paktpartnern gelungen, das Angebot an Ausbildungsplätzen in Hessen trotz zunächst schwacher Konjunktur und einer schwierigen Arbeitsmarktlage zu stabilisieren und auszuweiten. Die eingegangenen Verpflichtungen wurden erfüllt und in vielen Bereichen sogar übertroffen. Hierauf können alle Beteiligten zu Recht stolz sein. Jetzt gilt es, in bewährter Zusammenarbeit die verbesserte Wirtschaftslage zu nutzen und mit einem neuen, qualitativ fortentwickelten Pakt für Ausbildung für die Jahre 2007 bis 2009 neue Ziele anzustreben", erklärte der Hessische Ministerpräsident Roland Koch bei Unterzeichnung des neuen Paktes durch alle Partner.
In der aktuellen Nachvermittlung konnte bis Mitte Januar 2007 allen Jugendlichen mindestens ein Angebot unterbreitet werden. Nur 655 konnten oder wollten die Vorschläge der Agenturen für Arbeit in Hessen nicht annehmen. Die Paktpartner riefen daher die noch nicht vermittelten Jugendlichen erneut dazu auf, sich bei den Agenturen vor Ort zu melden und sich nicht selbst die Chancen für den Einstieg in die Arbeitswelt zu erschweren. Noch sei es nicht zu spät, denn die Erfahrung der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass zu diesem Zeitpunkt Jugendliche noch immer mit unbesetzten oder wieder frei gewordenen Ausbildungsplätzen versorgt werden können. Derzeit sind noch 101 Berufsausbildungsstellen aus dem Vorjahr und 197 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung unbesetzt. Zusätzlich stehen in diesem Frühjahr 313 freie Plätze für Altbewerber für eine außerbetriebliche Ausbildung zur Verfügung.
Bilanzen der Paktpartner im Einzelnen
Großen Anteil an der positiven Pakt-Bilanz haben die hessischen IHK-Unternehmen. Sie brachten 2006 insgesamt 6,3% mehr junge Menschen in Ausbildung als im Vorjahr und steigerten damit ihre Ausbildungskapazitäten von 22.765 Lehrverträgen im Jahr 2005 auf 24.195 im Jahr 2006.
Auch das Handwerk in Hessen hat seine schon auf hohem Niveau liegenden Ausbildungskapazitäten nochmals gesteigert. Hier konnten 3,7% mehr und damit insgesamt 10.908 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Diese Steigerung wurde in erster Linie durch die 41 Handwerke, in denen die Meisterprüfung für die Selbstständigkeit ein notwendiger Qualitätsstandard ist, erreicht.
Viel Engagement zeigten auch die Freien Berufe in Hessen. Sie konnten insbesondere das Angebot von Plätzen zur Einstiegsqualifizierung von Jugendlichen (EQJ-Stellen) steigern, von denen viele in einen Ausbildungsvertrag mündeten.
Die erreichte Steigerung der absoluten Zahl von Lehrverträgen konnte im Wesentlichen erreicht werden durch die Schaffung von 4.775 neuen Lehrstellen im Jahr 2004, 9.160 im Jahr 2005 und 9.480 im Jahr 2006.
Die hessischen Gemeinden, Städte und Kreise konnten ebenfalls die Zahl der kommunalen Ausbildungsstellen erhöhen. Trotz angespannter Haushaltslage in den Kommunen steigerten sie ihr Angebot an Lehrstellen in Kernverwaltung, Eigenbetrieben und Eigengesellschaften im Vergleich zum Jahr 2005 von 2.652 auf 3.588.
Ihre Verpflichtung mehr als erfüllt hat auch die Landesverwaltung: Das Paktziel, in jedem Paktjahr mindestens 835 Auszubildende einzustellen, übertraf das Land schon 2005 um 2,4% und bot damit 854 Jugendlichen eine Ausbildungsstelle an. Selbst im Jahr 2006, in dem durch die Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg 48 Ausbildungsplätze aus der Anrechnung für das Land entfielen, hielt das Land nicht nur seine Zusage von 835 Plätzen ein, sondern konnte das Angebot an Lehrstellen in der Verwaltung auf 858 steigern.
Im vollen Umfang setzten auch das Hessische Wirtschaftsministerium und das Hessische Sozialministerium alle acht Programme zur Förderung des Angebots an Ausbildungsplätzen und zur Berufsvorbereitung um. Auf dieses Weise konnten knapp 3.500 Ausbildungsplätze mit einem finanziellen Volumen von rund 27,2 Mio. Euro sowie gut 5.500 Teilnehmer in Programmen zur Berufsvorbereitung mit knapp 24 Mio. Euro gefördert werden. Sehr positiv auch die Bilanz des Hessischen Kultusministeriums: Im Schuljahr 2004/2005 erreichten mehr Hauptschüler ihren Abschluss. Nur noch 14% verließen die Hauptschule ohne Abschluss statt 21% im Schuljahr 2000/2001 und dieser erfreuliche Trend hält an.
Neuer Ausbildungspakt 2007 bis 2009 - Erneuter Appell an die Gewerkschaften
Auf Grund der bisher gemeinsam erzielten Ergebnisse sind sich die Paktpartner einig, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Kommunen, Arbeitsagenturen und dem Land für mehr Lehrstellenangebote bewährt hat und fortgesetzt werden muss. Die Paktpartner haben sich daher auf einen neuen "Hessischen Ausbildungspakt" für den Zeitraum 2007 bis 2009 verständigt, der heute unterzeichnet wurde Zugleich appellierten sie erneut auch an die Gewerkschaften, ihren Handlungsspielraum zu nutzen: "Die betriebliche Ausbildung würde sicher davon profitieren, wenn sich die Gewerkschaften an der Entwicklung einer langfristigen Strategie aktiv beteiligten. Wir laden die Gewerkschaften daher nochmals ein, durch eine Beteiligung am hessischen Ausbildungspakt Mitverantwortung zu übernehmen", so die Paktpartner. Positive Beispiele aus verschiedenen Branchen zeigten, dass es hier beträchtliche Spielräume gebe, die im Interesse der jungen Generation auch genutzt werden sollten.
Quantitative Ziele der Partner im neuen Pakt
Die hessische Wirtschaft hat ihre Verpflichtung zum Schaffen neuer Lehrstellen im neuen Ausbildungspakt verdoppelt: Statt bisher 2.000 neuer Ausbildungsplätze pro Jahr verpflichten sich die Unternehmen in den nächsten drei Jahren jährlich 4.000 neue Lehrstellen zu akquirieren. Außerdem geht das Einwerben von jährlich mindestens 1.500 EQJ-Plätzen auf unvermindert hohem Niveau weiter.
Wie im ersten Pakt verpflichtet sich das Land auch für die zweite Paktlaufzeit, das deutlich über den Eigenbedarf hinausgehende Niveau an Einstellungen von jährlich 835 Auszubildenden zu halten. Darüber hinaus wird für 2007 angestrebt, weitere 100 zusätzliche Ausbildungsplätze im Wege der Verbund¬ausbildung zu schaffen.
Das Land Hessen sagt zu, seine Förderprogramme auch im neuen Pakt ungeschmälert fortzuführen. Im Rahmen der Ausbildungsoffensive 2007 sollen durch das Hessische Wirtschaftsministerium zusätzliche 1.400 Ausbildungsplätze gefördert werden. Rund 1.000 dieser Plätze sollen den Jugendlichen zugute kommen, die die allgemein bildenden Schulen in früheren Jahren verlassen haben (Altbewerber). Darüber hinaus sollen junge Unternehmen (Existenzgründer) durch eine Förderung verstärkt zur Ausbildung von Jugendlichen geworben werden. Für diesen Zweck sollen ca. 400 zusätzliche Plätze gefördert werden. Insgesamt werden durch das Wirtschaftsministerium im Jahr 2007 rund 4.000 Ausbildungsplätze unterstützt. Für diese und weitere Maßnahmen zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze werden vom Land 17 Mio. Euro zusätzliche Mittel bereit gestellt.
Die Regionaldirektion Hessen der BA hat sich als Ziel gesetzt, die Zahl der nicht versorgten Jugendlichen jeweils um mindestens 5% im Vergleich zum Vorjahr zu reduzieren. Die Agenturen für Arbeit in Hessen werden wie in den letzten Jahren jedem Jugendlichen, der ausbildungsfähig und -willig ist, ein Angebot unterbreiten und durch den gezielten Einsatz der Dienstleistungs- und Maßnahmenangebote dazu beitragen, die Paktziele zu erreichen.
Die Gemeinden, Städte und Kreise werden auch weiterhin die angebotenen Förderprogramme nutzen und den ausbildungswilligen jungen Menschen eine attraktive Perspektive zur Mitarbeit in modernen Kommunalverwaltungen und kommunalen Betrieben anbieten. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Sozialministerium und der Regionaldirektion Hessen werden sie sich insbesondere verstärkt um einen besseren Übergang von der Schule in die Berufsausbildung bemühen.
Neuer Pakt setzt neue Qualitätsziele
Der neue Ausbildungspakt ist nicht einfach eine Verlängerung des alten Paktes, sondern nutzt dessen Erkenntnisse. Daher geht es beim neuen Pakt nicht nur um das Erreichen quantitativer Ziele, sondern auch um eine qualitative Weiterentwicklung der Berufsausbildung in Hessen. Zudem sollen auch die Qualifikationen von Schulabgängern stärker an den Erfordernissen des Lehrstellenmarktes ausgerichtet werden. Derzeit bleiben laut Paktbilanz Lehrstellen auch mangels geeigneter Bewerber unbesetzt. Dies betrifft den Statistiken zufolge nicht nur die typischen Abiturientenberufe wie Fachinformatiker oder Bankkaufmann, sondern auch Berufsfelder wie Restaurantfachmann, Weinküfer oder Fachkraft für Lagerlogistik.
Bei der Berufsorientierung setzt das Hessische Kultusministerium auf die notwendige Unterstützung der allgemein bildenden und der beruflichen Schulen durch die Wirtschaft – bei Praktika und Praxistagen sowie generell beim Übergang von der Schule in den Beruf. Um die Ausbildungsreife zu verbessern, sollen an allen Schulformen der Sekundarstufe Konzepte zur Integration der Berufsorientierung in den Unterricht ab Jahrgangsstufe 7 eingeführt werden. Ab dieser Klasse wird in Kooperation mit Wirtschaft und Handwerk landesweit ein Berufswahlpass eingeführt. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die Hessens allgemein bildende Schulen nicht mindestens mit dem Hauptschulabschluss verlassen, soll ab 2008 deutlich unter fünf Prozent liegen. Weiterer qualitativer Aspekt des neuen Paktes: Das Wirtschaftsministerium sensibilisiert kleine und mittelständische Unternehmen, stärker von dualen Studiengängen Gebrauch zu machen und diese Studiengänge auch nach den Bedürfnissen der Wirtschaft zu gestalten.
Für das Land Hessen, die kommunalen Gebietskörperschaften sowie für die Regionaldirektion Hessen der BA stehen die im neuen Pakt zugesagten finanziellen Leistungen selbstverständlich unter dem Vorbehalt entsprechender Entscheidungen der Haushaltsgesetzgeber.
Den neuen "Hessischen Pakt für Ausbildung" für die Jahre 2007 bis 2009 unterzeichneten:
- Wolfgang Forell, Geschäftsführer der Regionaldirektion Hessen der Bundesanstalt für Arbeit,
- Dr. Joachim von Harbou, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern,
- Gerhard Repp, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern,
- Dr. Lutz R. Raettig, Vizepräsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände,
- Hans-Peter Benckendorff, Präsident des Verbandes Freier Berufe in Hessen,
- Robert Becker, Vizepräsident des Hessischen Landkreistages,
- Dieter Schlempp, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städtetages,
- Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer, Vizepräsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, und
- Roland Koch, Ministerpräsident des Landes Hessen.
Keine Kommentare vorhanden