Didacta-Themendienst

Fachkräftemangel: Ausbildungsberufe in der Krise

In immer mehr Berufsbranchen fehlt der Nachwuchs. Jeder fünfte Betrieb meldete 2021 einen Mangel an Fachkräften, viele Ausbildungsplätze bleiben frei. Durch den demografischen Wandel wird die Lage noch erschwert.

07.12.2021 Bundesweit Artikel Felizia Schug
  • © www.pixabay.com Junge Menschen möchten ein modernes und angenehmes Arbeitsumfeld, gute Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten und Anerkennung für ihre Leistungen.

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Bis zum Jahr 2040 könnten in Deutschland knapp vier Millionen Fachkräfte fehlen, prognostiziert das Basler Forschungsinstitut Prognos – derzeit sind es 1,2 Millionen. Besonders betroffen sind kleine und mittelständige Unternehmen; die Branchen reichen von der Elektroindustrie über das Handwerk bis zur Pflege – oft sind es klassische Ausbildungsberufe. „Eine vakante Stelle in der Pflege bleibt heute im Schnitt circa 240 Tage unbesetzt“, so die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, im „Ärzteblatt“. Schon heute fehlen rund 200.000 Pflegekräfte, während die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um eine satte Million steigt. Doch Besserung ist nicht in Sicht, denn es fehlt an Auszubildenden. Die Hälfte aller Betriebe sieht im Nachwuchsmangel die größte Gefahr für ihren Fortbestand. „Die Jugendlichen, die heute nicht ausgebildet werden, die fehlen uns in drei Jahren als Fachkräfte“, bilanziert Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Ausbildungen attraktiver gestalten

Auch wenn viele Ausbildungsberufe krisensicher und relevant sind, haben diese allgemein an Attraktivität eingebüßt. Es herrsche „ein Bild in der Öffentlichkeit von einfachen, schlecht verdienenden, ausgebrannten Berufsangehörigen ohne Einflussmöglichkeiten“, sagte Vogler gegenüber „Springer Pflege“. Junge Menschen möchten jedoch ein modernes und angenehmes Arbeitsumfeld, gute Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten und Anerkennung für ihre Leistungen. Hier sind Politik und Wirtschaft gefragt – und das schon seit Jahren.

Die steigende Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen und der zunehmende Mangel an Fachkräften zeigen allerdings den mäßigen Erfolg bisheriger Maßnahmen. Insbesondere kleine Betriebe müssten finanziell mehr unterstützt werden, um ihren Auszubildenden professionelle Lehrangebote und eine angemessene Bezahlung bieten zu können. Der Didacta Verband fordert die neue Bundesregierung explizit auf, beispielsweise das duale Berufsausbildungssystem wieder attraktiver zu gestalten. Und auch die Unternehmen sind gefordert, die Berufsausbildung für junge Menschen zeitgemäß und ansprechend zu gestalten: mit guten Kommunikationsstrukturen und zeitgemäßer Lehre.

Denn auch nach Kita und Schule endet der digitale Bildungsweg nicht. Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung, zeichnet allerdings ein ernüchterndes Bild. An berufsbildenden Schulen fehle es an Breitbandanschlüssen, Lehrpersonal und finanziellen Mitteln, um die Digitalisierung voranzutreiben. „Wir brauchen Lehrkräfte, die auf der Klaviatur des Digitalen perfekt spielen können“, so Maiß. Und das in zweifacher Hinsicht: Zum einen gehe es um die technische Ausstattung in Berufsschulen, zum anderen um die Vermittlung von „Modern Skills“, die mehr und mehr in der Wirtschaft gefordert würden.

© Statistik der BA Die Grafik finden Sie hier: www.bmbf.de/SharedDocs/Downloads/de/2021/berufsbildungsbericht-2021.pdf;jsessionid=D53524186D24798C7CDB6A9D25D9E38C.live721?__blob=publicationFile&v=4

Digitale Zukunft

Digitaler wird auch die Suche nach Auszubildenden und Ausbildungsplätzen: Unternehmen setzen dabei nicht nur auf Facebook, Instagram und Co. Die 2020 gegründete Plattform „Azufi – der Azubifinder“ vernetzt beispielsweise Ausbildungsstätten und Interessierte im Raum Köln. Die Website und die dazugehörige App wurden von Lehrkräften entwickelt, um ihre Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen. Jugendliche erfahren über Azufi, wo Stellen frei sind; Firmen können sich die anonymisierten Profile der Schülerinnen und Schüler anschauen und sie über die Plattform kontaktieren. Azufi kooperiert unter anderem mit der Bundesagentur für Arbeit, der IHK und der Handwerkskammer.

Eines ist klar: Nur, wenn die Berufsausbildung attraktiver wird und es Firmen besser gelingt, sich mit ihren zukünftigen Auszubildenden zu vernetzen, werden sich wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung entscheiden. Denn Fachkräftesicherung ist Zukunftssicherung.


Vom 07. bis 11. Juni 2022 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Köln zusammen.

Im Rahmen der didacta 2022 finden Sie viele interessante Veranstaltungen und ein hochkarätiges Eventprogramm aus Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden, die derzeit neu terminiert werden. Wir informieren Sie zeitnah, sobald das neue Programm steht.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2022 finden Sie unter https://www.didacta-koeln.de/die-messe/didacta und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Videos, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2022 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de.



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