Nordrhein-Westfalen

Gutachten zur Sicherung der Lehrkräfteversorgung an Berufskolleg übergeben

Eine aktuelle Studie betont die Bedeutung der Berufsschullehrerausbildung für den Industriestandort Nordrhein-Westfalen: "Lehrerinnen und Lehrer an den Berufskollegs sind die zentralen Garanten der dualen Ausbildung in Nordrhein-Westfalen. Sie tragen heute dazu bei, den Fachkräftemangel von morgen zu entspannen. Dabei kann insbesondere eine verstärkte Zusammenarbeit von Fachhochschulen und Universitäten bei den Studienangeboten die Attraktivität des Lehramtsstudiums für das Berufskolleg steigern", fassten Schulministerin Sylvia Löhrmann und Wissenschaftsministerin Svenja Schulze die Ergebnisse zusammen. Die Studie wurde von einer hochkarätigen Expertenkommission unter dem Vorsitz des emeritierten Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz-Elmar Tenorth im Auftrag beider Ministerien erstellt.

13.02.2013 Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Zur Sicherung des Lehrernachwuchses in gewerblich-technischen Fachrichtungen fordert die Studie eine stärkere Landesplanung ein. "Auch hier zeigt sich erneut, dass die Einzelinteressen der Hochschulen nicht zwingend das Gesamtinteresse des Landes sichern", sagte Wissenschaftsministerin Schulze und kündigte einen Dialog mit den Hochschulen zur Verstärkung der Kooperation im Bereich Lehrerausbildung, die weitere Öffnung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte sowie vorbehaltlich der Entscheidung des Haushaltsgesetzgebers mehr Geld für die Berufskollegs-Lehramtsstudiengänge an.

Schulministerin Löhrmann betonte, dass die Vorschläge der Experten Teil des Maßnahmenkatalogs zur Sicherung der Lehrkräfteversorgung an Berufskollegs vom April 2012 sind und wichtige Impulse liefern. "Ich sehe insbesondere in einer intensiveren regionalen Zusammenarbeit der Berufskollegs, der Universitäten, der Fachhochschulen und der Wirtschaft noch viel Potential, die Studiennachfrage und die berufsfeldnahe Ausbildung zu verstärken."

Hintergrund ist ein strukturelles Unterangebot an gewerblich-techni-schen Lehrkräften in den Berufskollegs – insbesondere außerhalb der großen Ballungsgebiete. Gründe für diese Entwicklung sind ein zu geringes Interesse von Abiturientinnen und Abiturienten an einem Lehramtsstudium in den MINT-Fächern, vor allem an den Studiengängen für das Berufskolleg, sowie der Umstand, dass die Berufskollegs mit der Wirtschaft um die Absolventinnen und Absolventen der technischen Fächer konkurrieren. "Nur wenn die Qualität der Ausbildung für das Lehramt an Berufskollegs verbessert wird, nur wenn für diesen Lehrberuf ein eigenständiges Profil erkennbar wird, wird das Interesse von Studieninteressenten und Studierenden zukünftig zunehmen, gerade auch in den Bedarfsfachrichtungen Metall- und Elektrotechnik. Landesregierung und Hochschulen sollten deshalb zukünftig ihre Anstrengungen stärker auf eine strukturelle Neuordnung statt auf notwendige Übergangsmaßnahmen richten", sagte Professor Tenorth bei der Übergabe der Studie.

Das Gutachten und die Liste der Mitglieder der Expertenkommission sind online abrufbar unter: www.msw.nrw.de (PDF)

Die Studie ist Teil eines umfassenden Maßnahmenkatalogs. Zur Sicherung des Lehrernachwuchses am Berufskolleg hat die Landesregierung bisher u.a. folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Lehrerinnen und Lehrer, die bereits am Berufskolleg unterrichten, können sich in technischen Fachrichtungen in Zertifikatskursen weiterqualifizieren. Die Bezirksregierungen richten zu diesem Zweck im Schuljahr 2013/2014 für das Berufskolleg Kurse für Maschinenbau-, Elektro- und Fahrzeugtechnik ein.

  • Mehr als 40 ausgewählte ehemalige Berufskolleg-Lehrkräfte haben sich bereit erklärt, in begrenztem Umfang weiter Unterricht zu erteilen.

  • Bei Abiturientinnen und Abiturien wird gezielt für ein Lehramtsstudium für das Berufskolleg geworben.

  • Die Möglichkeiten von Fachhochschulen und Universitäten zur kooperativen Ausbildung für das Lehramt wurden deutlich erweitert. So hatten im September 2012 die Fachhochschule Gelsenkirchen und die Bergische Universität Wuppertal eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

  • Die Möglichkeiten für ein Studium ohne Allgemeine Hochschulreife wurden ausgeweitet.


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