Härtel verlieh Martha-Saalfeld-Förderpreis für den literarischen Nachwuchs

Roland Härtel, Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, hat heute bei einer Festveranstaltung in Mainz die Nachwuchsautoren Alexis Bug, Jasmin L. Hermann, Jasna Mittler und Sabine Schiffner mit dem Martha-Saalfeld-Förderpreis ausgezeichnet.

01.10.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Der zum zehnten Mal vergebene Förderpreis ist mit insgesamt 12.400 Euro dotiert und nach der aus der Pfalz stammenden Naturlyrikerin und Romanautorin Martha Saalfeld ("Die Judengasse") benannt. Vergeben wird er für literarische Projekte, die noch im Entstehen sind.

"Die Jury hat sich in diesem Jahr für drei Autorinnen und einen Autor entschieden, die zwei Dinge gemeinsam haben: sie sind noch jung und stehen kurz vor dem literarischen Durchbruch. Wobei es in Wirklichkeit aber ein drittes Gemeinsames war, was die Jury zu ihrer Entscheidung führte: sie haben alle vier sehr gute Manuskripte vorgelegt", sagte Härtel.

In seiner Festansprache betonte er die Notwendigkeit von Literaturförderung: "In einer Zeit, da in allen Medien die Literatur eine immer geringere Rolle spielt und die deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller immer weniger Chancen haben, wahrgenommen zu werden, sind Stipendien, Preise und Künstlerhäuser notwendiger denn je." Dass die junge deutsche Literatur zurzeit so hoch im Kurs stehe, sei auch darauf zurückzuführen, "dass wir den Autorinnen und Autoren ein wenig mehr Zeit zum Schreiben verschaffen können - zum Beispiel mit den Martha-Saalfeld-Förderpreisen", so Härtel. Unter den bislang 40 Preisträgerinnen und Preisträgern nähmen inzwischen viele eine herausragende Position in der deutschen Gegenwartsliteratur ein, etwa Thomas Lehr, Christoph Peters, Tobias Hülswitt, Jörg Matheis, Norman Ohler und Anke Velmeke.

Premiere feierte bei der Preisverleihung eine neue Buchreihe, die im Rhein-Mosel-Verlag mit Sitz in Alf an der Mosel erscheinende "Edition Schrittmacher". Sie soll der rheinland-pfälzischen Literatur ein neues Forum bieten. Mit einer Anthologie und dem Lyrik-Debüt von Katharina Schultens, das von keinem geringeren als dem Büchner-Preisträger Arnold Stadler ausführlich gewürdigt wird, beginnt diese Reihe, von der künftig vier Publikationen jährlich zu erwarten sind. "Auch wenn das finanzielle Risiko durch eine Beteiligung des Landes abgefedert ist, so bleibt doch immer noch ein großes verlegerisches Risiko, eine solche anspruchsvolle Edition in der Öffentlichkeit durchzusetzen", würdigte Härtel.

Infos zu den Preisträgern:

Alexis Bug wurde 1973 in Speyer geboren; nach dem Abitur in Schifferstadt und dem Studium an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum lebt er als freier Schriftsteller und Schauspieler in Berlin. Er ist Autor mehrerer Theaterstücke, die in München, Tübingen und Berlin aufgeführt wurden sowie Verfasser von Filmdrehbüchern. Einige Stücke wurden in den Verlagen Merlin und S. Fischer veröffentlicht. Für die Arbeit an seinem Theaterstück "Getrennte Zimmer, der Schmerz und die Erinnerung" über die Frage nach den Maßstäben, unter denen die Generation der Dreißigjährigen ihre Lebensentscheidungen trifft, hat ihm die Jury einen der Förderpreise zugesprochen.

Jasmin L. Hermann wurde 1973 in Siegen geboren und ging in Betzdorf-Kirchen zur Schule; Studium der Germanistik, Theater- und Filmwissenschaft sowie Philosophie in Köln und Berlin, danach ein Regiestudium in Dänemark und Potsdam-Babelsberg; sie hat mehrere Filme gedreht, die international ausgezeichnet und im Fernsehen gesendet wurden. Den Preis erhält sie für die Arbeit an ihrem ersten Prosaband "tage aus NAcht", in dem es einmal um "gedachte" Beziehungen zweier junger Frauen geht, ein anderes Mal um den alltäglichen Wahnsinn einer bürgerlichen Familie. Heute lebt sie in Berlin.

Jasna Mittler wurde 1975 in Neuwied geboren. Nach dem Abitur in Andernach studierte sie an der Universität Hildesheim unter anderem Kreatives Schreiben bei Hanns-Josef Ortheil. Die Autorin, die jetzt in Köln lebt, arbeitet an einer Sammlung von Erzählungen unter dem Titel "Fremde Freunde", denen die Themen Einsamkeit und Sehnsucht zu Grunde liegen.

Sabine Schiffner wurde 1965 in Bremen geboren; nach dem Studium der Germanistik und der Theater- und Filmwissenschaften war sie Regieassistentin und Schauspielerin am Schauspielhaus Köln, wo sie heute lebt. Sie hat Gedichte veröffentlicht ("Besteck im Kopf" 1994) und arbeitet zurzeit an ihrem Roman "Kindbettfieber", der im kommenden Jahr bei S. Fischer erscheinen wird. Den Förderpreis erhält sie für ihren Gedichtzyklus "im tiefen thal", der innerhalb des Kunst-Projektes "Gärten" des Bildhauers Erwin Wortelkamp in Hasselbach im Westerwald entstanden ist und sich mit der Natur, der Kunst und den Menschen dieser Landschaft auseinander setzt.

Der Jury gehörten an: die Schriftstellerinnen Annegret Held und Gabriele Weingartner, der Fernsehredakteur Alexander Wasner sowie der Literaturreferent des Kulturministeriums Sigfrid Gauch.


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