"Kompetenzen entwickeln - Chancen eröffnen"
Fachkräftemangel, lebenslanges Lernen, Inklusion, Kompetenzmessung, und Internationalität der Ausbildung - das Spektrum der Themen auf dem 6. Berufsbildungskongress des BIBB - des Bundesinstituts für Berufliche Bildung - in Berlin war weit gesteckt. Ein Bericht von [www.didacta-bildungsklick.tv](http://www.didacta-bildungsklick.tv)
09.10.2011 ArtikelEröffnet wurde die Tagung von Bundespräsident Christian Wulff, der in seiner Rede den hohen Stellenwert der beruflichen Bildung in Deutschland würdigte und gleichzeitig den Mut für neue Wege einforderte. Seine Anregungen: Jetzt darüber nachzudenken, Jugendlichen aus Spanien, die zuhause derzeit kaum eine Perspektive haben, neue Türen zu öffnen. Oder Austauschprogramme für die Hoffnungsträger des nordafrikanischen Aufbruchs auf die Beine zu stellen, damit diese dann in ihrer Heimat zum Aufschwung der jungen Demokratien beitragen könnten.
In fünf Foren und 21 Arbeitskreisen setzten sich die 1200 Expertinnen und Experten zwei Tage lang intensiv mit den Kongressthemen auseinander, die allesamt unter dem Motto "Kompetenzen entwickeln - Chancen eröffnen" standen. Dabei waren, so BIBB-Präsident Professor Friedrich Hubert Esser "unsere Fragestellungen zunächst mal vor dem Hintergrund - der Konstellation Fachkräftesicherung aufgrund des demografischen Wandels und auch der Internationalisierung dann selbstredend die Anpassung der beruflichen Bildung insbesondere des dualen Systems an die neuen Herausforderungen. Beispielsweise die Entwicklung eines Deutschen Qualifikationsrahmens, um Anschluss an die europäischen Bildungssysteme zu bekommen. Zweites großes Thema ist die Förderung der Durchlässigkeit, das heißt die Verbindung von beruflicher Bildung und akademischer Bildung."
Gerade die Diskussion um den Qualifikationsrahmen, dessen Ausgestaltung letztlich auch eng mit der Durchlässigkeit verknüpft ist, so BIBB-Forschungsdirektor Prof. Reinhold Weiß, sei jetzt in einer ganz entscheidenden Phase. Es gehe darum, die einzelnen Abschlüsse den Stufen des Qualifikationsrahmens zuzuordnen. "Die strittige Frage ist die, wie wird beispielsweise das Abitur eingestuft? Wir plädieren dafür, dass die beruflichen Abschlüsse in den anerkannten Ausbildungsberufen auf der gleichen Stufe eingestuft werden wie das Abitur nämlich Stufe 4" , so Weiß. In diesem Punkt ausgesprochen optimistisch zeigte sich Bildungsministerium Schavan auf dem Kongress.
"Die Übersetzung des europäischen Qualifikationsrahmens in Deutschland ist die große Chance Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung zu dokumentieren. Deshalb gehört für mich zu den unverzichtbaren Eckpunkten: Das Abitur gehört auf die gleiche Stufe wie eine Vielzahl von Ausbildungsberufen: Der Meister gehört auf die gleiche Stufe wie der erste akademische Abschluss. Das ist ein großer Fortschritt." Gleichwohl räumte sie ein: "Es gibt große Einigkeit zwischen den Sozialpartnern, der Bundesregierung und den Wirtschaftsministern der Länder und es gibt noch einige Debatten in der KMK von denen ich hoffe, dass sie bald positiv zu Ende gehen."
Ganz praktische Antworten auf die zweite große Fragestellung des Kongresses, nämlich wie man dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann, hatten die Gewinner des "Hermann-Schmidt-Preises 2011". Etwa die Firma Weidmüller Interface aus Detmold, die in Kooperation mit örtlichen Schulen und anderen Bildungsinstitutionen ein beispielhaftes Berufsorientierungskonzept entwickelt hat. Oder eine Unternehmerinitiative zur Qualitätssicherung und -entwicklung in den "Grünen Berufen" aus Süddeutschland, an der sich bundesweit zurzeit 52 Betriebe beteiligen. Beispielhaft auch die AOK Rheinland/Hamburg, die ihre ausbildenden Fachkräfte professionalisiert, um sie fit machen für die individuelle Förderung der Auszubildenden. Und schließlich zeigte die SMA Solar Technology - ein Unternehmen aus Nordhessen, wie sie gezielt Jugendliche mit schwachen Hauptschulabschlüssen fördert: Die Firma beschäftigt einen Sozialpädagogen und stellt jährlich 15 bis 18 Ausbildungsplätze für Elektroanlagenmonteure zur Verfügung stellt. Das Besondere: Sechs dieser Ausbildungsplätze werden von den Schulen in Eigenregie besetzt.
Der Preis, benannt nach dem früheren Präsidenten des Instituts, Prof. Dr. Hermann Schmidt, wurde in diesem Jahr bereits zum 15. Mal vergeben.
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