Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung
Ein neuer Report des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) identifiziert vier unterschiedliche Segmente der beruflichen Bildung. Die Analyse von 338 dualen und schulischen Ausbildungsberufen zeigt: Je nach Segment unterscheiden sich die Ausbildungsrealitäten deutlich.
29.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Die Unterschiede liegen etwa darin, wie eng Betriebe Auszubildende an sich binden, wer Zugang findet und wie stabil Ausbildungsverhältnisse sind.
Für die Einteilung der Ausbildungsberufe hat das BIBB erstmals deren Fähigkeitsprofile systematisch miteinander verglichen. Berücksichtigt wurde, wie berufsspezifisch die vermittelten Fähigkeiten sind, wie stark Ausbildungsinhalte an betriebliche Anforderungen angepasst werden können und welches kognitive Anforderungsniveau ein Beruf aufweist. Daraus ergeben sich vier Segmente: zwei mit stärker berufsspezifischen Fähigkeiten und unterschiedlichen kognitiven Anforderungen, ein stärker betriebsspezifisch geprägtes Segment sowie ein Segment mit eher allgemeinen Fähigkeiten und hohen kognitiven Anforderungen.
Die Segmente unterscheiden sich auch darin, wie stark Betriebe in den dualen Berufen auf eine längerfristige Bindung ihrer Auszubildenden setzen. In den beiden Segmenten mit hohen kognitiven Anforderungen verfolgen Betriebe häufiger eine investitionsorientierte Ausbildungsstrategie. Auch das soziale Ansehen der Berufe ist in diesen Segmenten überdurchschnittlich. Bei der Vergütung zeigt sich allerdings ein unterschiedliches Bild: Im berufsspezifischen Segment mit hohen kognitiven Anforderungen fällt sie im Durchschnitt besonders hoch aus, im Segment mit eher allgemeinen Fähigkeiten und hohen kognitiven Anforderungen dagegen besonders niedrig.
Auch die Geschlechterzusammensetzung variiert zwischen den vier Segmenten. In drei Segmenten ist ein großer Teil der Berufe deutlich männer- oder frauendominiert. Im Segment mit eher allgemeinen Fähigkeiten und hohen kognitiven Anforderungen sind dagegen mehr als die Hälfte der Berufe geschlechtergemischt. Den höchsten Frauenanteil unter den Auszubildenden weist das berufsspezifische Segment mit hohen kognitiven Anforderungen auf.
Unterschiede zeigen sich zudem bei den Zugangschancen. Jugendliche ohne oder mit geringeren Schulabschlüssen sind häufiger in den beiden Segmenten vertreten, die durch stark berufs- beziehungsweise betriebsspezifische Fähigkeiten geprägt sind. Ausbildungsvergütung und berufliches Ansehen liegen dort - je nach Segment - unter oder etwa im Durchschnitt aller Ausbildungsberufe. In den Segmenten mit höheren kognitiven Anforderungen finden sich dagegen häufiger Auszubildende mit mittleren und vor allem höheren Schulabschlüssen.
Besonders deutlich sind die Unterschiede bei der Stabilität der Ausbildungsverhältnisse. In den untersuchten dualen Berufen beträgt die durchschnittliche Vertragslösungsquote im berufsspezifischen Segment mit geringen bis mittleren kognitiven Anforderungen 32,3 Prozent. Im betriebsspezifischen Segment liegt sie bei 26,8 Prozent. In den beiden Segmenten mit hohen kognitiven Anforderungen beträgt sie jeweils 16,4 Prozent. Vorzeitige Vertragslösungen sind dabei nicht mit Ausbildungsabbrüchen gleichzusetzen; sie können unterschiedliche Ursachen haben und beispielsweise auch mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs verbunden sein.
"Die Ergebnisse sprechen dafür, die berufliche Bildung differenzierter zu betrachten als nur entlang der bekannten Unterscheidung zwischen dualer und schulischer Ausbildung", sagt BIBB-Forschungsdirektor Prof. Dr. Hubert Ertl. "Die vier Segmente machen Unterschiede bei Zugangschancen und Ausbildungsbedingungen systematisch sichtbar und können helfen, Bereiche mit besonderen Herausforderungen genauer zu identifizieren. Zugleich bieten sie einen Ansatzpunkt für weitere Forschung - etwa dazu, wie sich die unterschiedlichen Bedingungen beim Übergang in Beschäftigung, bei Höherqualifizierungen und in späteren Berufsverläufen auswirken."
Aus Lebensverlaufsperspektive deuten die Befunde darauf hin, dass sich Vor- und Nachteile entlang der Ausbildungssegmente verstärken können. Die Betrachtung von Ausbildungssegmenten ergänzt damit Untersuchungen einzelner Berufe und eröffnet einen zusätzlichen Blick auf Unterschiede innerhalb der beruflichen Bildung.
Die den Analysen zugrunde liegenden Daten zu den Fähigkeitsprofilen stehen auf der BIBB-Website als Public Use File zur Verfügung.
Weitere Informationen:
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BIBB Report 3/2026: "Fähigkeitsprofile und berufliche Ausbildungssegmente. Eine Typisierung zur Analyse dualer und schulischer Berufsbildung"
- BIBB-Projekt: "Heterogenität der Ausbildungsberufe - Segmente in der beruflichen Ausbildung"
- Themencluster: Berufliche Segmentierung in der Ausbildung
- Digitale Assistentin für das Ausbildungs- und Prüfungspersonal: Frag Lea!
- Berufsorientierung: Kompass statt Katalog
- Risikofaktor psychische Belastung: Mentale Gesundheit von Azubis stärken
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