Neues Programm zur Berufsorientierung in Berlin: Bessere Voraussetzungen für die Berufswahl

Durch das "Berliner Programm zur vertieften Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler" können pro Jahr bis zu 6000 Schülerinnen und Schüler aus allgemein bildenden weiterführenden Schulen an Projekten der vertieften Berufsorientierung teilnehmen. Der Schwerpunkt der Projekte liegt zum einen auf der Vermittlung vertiefter berufs- und betriebskund-licher Kenntnisse und Erfahrungen in der Arbeitswelt, einer vertieften Eignungsfeststellung sowie einer verbesserten Nutzung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten zur Berufswegeplanung und Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. Die Projekte des Berliner Programms Vertiefte Berufs-orientierung für Schülerinnen und Schüler starten im Oktober 2007.

12.10.2007 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Ziel des Programms ist, durch gezielte Maßnahmen eine bessere Berufs- und Studienwahl-kompetenz der Schülerinnen und Schüler zu bewirken. Dazu werden die schulischen An-gebote durch bedarfsgerechte Projekte ergänzt. Das Programm berücksichtigt bereits exis-tierende Maßnahmen und Angebote: Weitere bedarfsgerechte Angebote werden neu entwickelt. Um eine breite Palette von Berufsfeldern vorzuhalten und damit den Praxisbezug zu gewährleisten ist eine Vernetzung der Projektträger Bedingung. Ebenso ist Bedingung, dass die Maßnahmen in das schulische Berufsorientierungscurriculum eingebunden wird.

Die Angebote des Programms sind zusätzlich zum Unterrichtsangebot und die Teilnahme daran ist freiwillig. Berufsorientierung bedeutet allerdings auch Studienorientierung. Deshalb beteiligen sich auch Gymnasien im Programm. Vor allem aber soll durch einen hohen Praxisanteil gewähr-leistet werden, dass Schülerinnen und Schüler Berufsfelder durch praktisches Lernen erleben und ihre Neigungen und Fähigkeiten ausprobieren können. Dies soll durch Werkstatttage und Be-triebspraktika ermöglicht werden. Der Berufswahlpass ist das Leitmedium und dient der Strukturierung, Reflexion, Lernplanung und Dokumentation des individuellen Berufsorientierungs-prozesses.

16 Projekte mit ca. 3200 Teilnehmenden sind bereits bewilligt, neun hiervon starten im Oktober. Acht weitere Projekte sind im Bewilligungsverfahren und werden geprüft. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Gesamtzahl von 6000 Teilnehmenden bis Mitte November erreicht sein wird. Die Auswahl wird durch eine Lenkungsgruppe vorgenommen, die sich aus Vertretern der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der Senatver-waltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie der Agenturen für Arbeit zusammensetzt. Zur Unterstützung des Programms wird ein Beirat als Beratungs- und Informationsgremium unter Be-teiligung von Vertretern der Wirtschaft (Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter) der Kammern, der Bezirksämter u.a. berufen.

Berufsorientierung erfolgt in den Schulen einerseits in den Unterrichtsfächern z. B. Arbeitslehre (Pflicht- und Wahlpflichtfach in Haupt-, Real- und Gesamtschulen), Deutsch (Bewerbungstraining; Journalistenberuf), Naturwissenschaften (Ingenieurausbildung, Wissenschaftler), Sport (Trainer, Übungsleiter) andererseits auch in Projekten (Assessment Center, Zielorientierungsseminare).

Die Mittel werden durch die Agenturen für Arbeit in Berlin bereitgestellt. Die einzelnen Projekte müssen mit mindestens 50 Prozent außerdem durch einen Dritten (Land oder Kommune) ko-finanziert werden. Das Land Berlin übernimmt durch Bereitstellung von ca. 1.377.000 Euro aus ESF-Mitteln für diese Projekte die Kofinanzierung. Für das Schuljahr 2007/2008 wurden ESF-Mittel der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales bereitgestellt, ab dem Schuljahr 2008/09 werden Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) durch die Bildungsverwaltung bereitgestellt.

Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Mit diesem Programm wollen wir die Chancen für die Schülerinnen und Schüler auf dem Ausbildungs- und Stellenmarkt verbessern. Für die Schulen ist die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Arbeits- und Berufswelt ein gesetzlicher Auftrag. Diese Berufsorientierung zu verstärken, ist ein wichtiger Programmpunkt in der Koalitionsvereinbarung: Darin ist auch die Entwicklung eines Berufswahlpasses auch für den Übergang in Ausbildung und Studium festgeschrieben worden. Entscheidend ist es, dass die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen in Berufsfeldern machen und sich ausprobieren. Deswegen räumen wir dem praktischen Lernen (Praktika, Werkstatttage, Erkundungen, "Schnupperstudium") im neuen Programm einen großen Stellenwert ein."

Margit Haupt-Koopmann (Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit – Regionaldirektion Berlin-Brandenburg): "Wenn Schüler realistische Berufswünsche entwickeln, ver-bessern sich ihre Chancen am Ausbildungsstellenmarkt. Deshalb ist eine systematische Berufs-orientierung und Berufswegplanung für junge Menschen unabdingbar. Das neue Programm zur vertieften Berufsorientierung in Berlin, an dem sich die Berliner Arbeitsagenturen beteiligen, nimmt sich dieser Aufgabe konkret an. Es unterstützt Schülerinnen und Schüler durch eine breite Palette praxisnaher Angebote, Projekte und Informationen bei der Planung ihrer Berufslaufbahn."

Arbeitssenatorin Dr. Heidi Knake-Werner: "Auf der einen Seite beklagen Unternehmen den Fachkräftemangel und es gibt offene Ausbildungsplätze, andererseits finden viele Jugendliche kei-nen Ausbildungsplatz. Das finde ich nicht akzeptabel und deshalb tun wir etwas dagegen. Mit der vertieften Berufsorientierung wollen wir jungen Menschen schon frühzeitig eine Orientierung für eine angemessene Berufswahlentscheidung geben. Sie sollen die eigenen Fähigkeiten und Inte-ressen besser einschätzen können. Denn die Bedingungen in der Berufs- und Arbeitswelt ent-wickeln sich ständig: Neue Berufsbilder kommen hinzu, Anforderungsprofile werden komplexer, der Konkurrenzdruck unter den Bewerberinnen und Bewerbern wächst. Zudem sollen gezielte An-gebote stereotypen Berufsvorstellungen von Jungen und Mädchen entgegenwirken. Der Innovationskreis berufliche Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat in seinen Leitlinien zur Modernisierung und Strukturverbesserung der beruflichen Bildung empfohlen, die Berufsorientierung zu stärken und den Übergang von Schule zur Ausbildung zu unterstützen. Berlin stellt sich dieser Herausforderung. Ich begrüße deshalb die gemeinsame Initiative, das Berliner Programm der vertieften Berufsorientierung an den Berliner Schulen zu installieren."


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