Rheinland-Pfalz unterstützt gezielt Spitzenleistungen in der Forschung und Nachwuchsförderung

Mit insgesamt rund 10,5 Millionen Euro fördert das Land Rheinland-Pfalz in diesem und im nächsten Jahr herausragende Leistungen in der Forschung und der Nachwuchsförderung. In den Genuss dieser Mittel kommen Projekte aus der Medizin, den Geowissenschaften, der Mathematik/Informatik, den Geisteswissenschaften, der Physik/Chemie und den Sozialwissenschaften.

05.07.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Eine hochkarätig besetzte internationale Expertengruppe hatte sich unter den 21 eingereichten Bewerbungen für sie entschieden. "Dieses Wettbewerbsprogramm gibt dem Wissenschafts- und Forschungsstandort Rheinland-Pfalz einen beträchtlichen Innovationsschub", freute sich Ministerpräsident Kurt Beck. Gemeinsam mit Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, gab er heute bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei die zu fördernden Projekte bekannt.

Beck verwies darauf, dass Investitionen in Wissenschaft und Forschung nicht nur den Hochschulen und Forschungseinrichtungen zugute kämen, sondern Grundlage für die Leistungsfähigkeit des ganzen Landes seien. Gut ausgebildete Menschen seien das A und O für die Stärke eines Landes. Die Politik habe die Aufgabe, wissenschaftliche Leistungen zu ermöglichen, die in Weg weisende Ideen zur Lösung von Problemen und in die Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren mündeten. Im Ergebnis würden damit bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen, argumentierte der Ministerpräsident.

"Genau dies ist die Philosophie unseres Hochschulprogramms Wissen schafft Zukunft, mit dem wir unseren Universitäten und Fachhochschulen bis zum Jahr 2009 125 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen", erklärte Beck. "Wir investieren in diesen Bereich nicht deshalb so viel Geld, damit einige vermeintlich weltabgewandte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihren Vorlieben frönen können, sondern weil wir damit die rheinland-pfälzische Infrastruktur und Wirtschaftskraft nachhaltig stärken", so der Ministerpräsident.

Bezeichnend sei, dass Rheinland-Pfalz in Sachen Spitzenförderung bereits gehandelt habe, als das gleich lautende Ansinnen einer Initiative von Bund und Ländern über Monate hinweg der Obstruktion einiger weniger Ministerpräsidenten von CDU/CSU zum Opfer gefallen sei. "Dieses Bund-Länder-Programm kann erst nach einem rund anderthalb Jahre dauernden Diskussionsprozess starten. Erst vor wenigen Tagen hat nun auch die Union ihren endgültigen Segen dazu gegeben. Zu diesem Zeitpunkt sind bei uns im Land bereits die Entscheidungen gefallen, welche zukunftsträchtigen Ansätze wir fördern werden", sagte Beck.

Wissenschaftsminister Zöllner erläuterte, dass das Programm Wissen schafft Zukunft sowohl der Breiten- wie der Spitzenförderung diene. Das eine sei ohne das andere nicht machbar. Das weiträumige Feld solider zukunftsträchtiger Forschung sei die Grundlage für eine quantitativ und qualitativ gute Ernte.

Während im Hochschulprogramm Wissen schafft Zukunft die Breitenförderung Ansätze enthalte, um die Studienbedingungen zu optimieren, das Lehrangebot zu verbessern und die Übergänge von einem Bildungssystem ins nächste zu erleichtern, orientiere sich die Mittelvergabe innerhalb des Förderblocks "Profilbildung und Spitzenförderung" an dem Ziel, die Qualität in Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung weiter anzuheben und das Profil im Bereich des Wissenstransfers zu schärfen.

Die Förderung von Kooperationsverbünden von Hochschulen und externen Forschungseinrichtungen (Exzellenzcluster) sei ebenso ein Schwerpunkt dieses Bereichs wie der Aufbau so genannter Graduiertenzentren der Exzellenz, in denen besonders begabte Doktoranden gezielt unterstützt werden.

Diese Ansätze seien deckungsgleich mit zwei der drei Säulen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. "Indem wir unserem Programm die gleichen Wettbewerbsbedingungen zugrunde gelegt haben, verschaffen wir den rheinland-pfälzischen Hochschulen einen deutlichen Vorteil im Kampf um die Mittel aus dem Bund-Länder-Programm", sagte Zöllner.

Insgesamt verbessere sich die Lage der Einrichtungen, die in den Genuss der rheinland-pfälzischen Förderung und eventuell der Bund-Länder-Initiative kämen, erheblich. "Sie können damit ihre internationale Spitzenklasse, die sie jetzt schon haben, in klar umrissenen Themengebieten festigen oder sogar ausbauen", meinte der Minister.

Sichergestellt sei auch die Weiterführung dieser Förderung über das Jahr 2006 hinaus. Sie werde sich dann in einer Größenordnung von rund neun Millionen Euro pro Jahr bewegen.

Dank sagte Zöllner den Mitgliedern der internationalen Expertengruppe, die er für diese Aufgabe habe gewinnen können. "Dass sich diese viel gefragten Persönlichkeiten der Zeit raubenden Aufgabe angenommen haben, die eingegangenen Anträge zu prüfen, macht mich stolz, weil es eine Anerkennung für die Qualität der bei uns im Land betriebenen Wissenschaft und Forschung ist", sagte Zöllner.

Der Expertengruppe gehörten die ehemalige Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats, Professor Dr. Amélie Mummendey von der Universität Jena, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professor Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, Professor Dr. Günter Stock, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, Forschungsvorstand der Schering AG und künftiger Leiter der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der BMW-Aufsichtsratsvorsitzende Professor Dr. Joachim Milberg, Professor Dr. Manfred Broy (TU München), Professor Dr. Ulrich Herbert (Universität Freiburg), Professor Dr. Hans-Rudolf Ott (ETH Zürich) und Professor Dr. Ekkehard Ramm (TU Stuttgart) an.

Gefördert werden folgende Exzellenzcluster:

1) Immunointervention/Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Das Verständnis der Grundprinzipien des Immunsystems und seiner Fehlsteuerung als Ursache von Erkrankungen soll dazu genutzt werden, Einfluss auf das Immunsystem zu nehmen. Ziel ist die bessere Behandlung von Krankheiten wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, Infektionen und Krebs.

2) Geocycles: Time and Space in the Earth Sciences/Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Max-Planck-Institut für Chemie, Römisch-Germanisches Zentralmuseum

Das System Erde in Zeit und Raum soll interdisziplinär untersucht werden. Ziel ist das Verständnis der Zusammensetzung und der Entwicklung der Erdkruste, der Prozesse in der Atmosphäre und in unserem Klimasystem, Klimaveränderungen in der Geschichte der Erde und der Einfluss der Menschheit auf dieses Zusammenspiel.

3) Dependable Adaptive Systems and Mathematical Modeling/TU Kaiserslautern, Fraunhofer-Institute

Die Entwicklung leistungsfähiger Computer erzeugt eine stärkere Abhängigkeit der Gesellschaft vom Computereinsatz und erfordert auf der anderen Seite größere Zuverlässigkeit der Rechner und ihrer Netze. Dazu werden autonome und selbstlernende Softwaresysteme benötigt, die sich auf mathematische Modelle stützen.

4) Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke. Historische Forschung und Gegenwartsanalyse zu Chancen und Risiken einer sozialen Beziehungsform/Universität Trier

Zeitgenössischer sozialer und wirtschaftlicher Wandel beruht auf Strukturbrüchen in der Gesellschaft, der Kultur und der Politik sowie auf Transformationsprozessen. Globalisierung ist dabei nur ein Aspekt dieser vielfältigen Umwandlung. Es wird untersucht, wie der Neuaufbau von Wirtschaftsräumen die Neuverteilung von sozialen Chancen und damit auch Bedrohungsängste auslöst.

Gefördert werden folgende Graduiertenzentren der Exzellenz:

1) Strongly Correlated Quantum Systems: Experiments and Simulations on molecules, Ultra cold Quantum gases and Materials with Strong Electronic Correleations/Johannes Gutenberg-Universität Mainz, TU Kaiserslautern, Max-Planck-Institut für Polymerforschung

In einem interdisziplinären Ansatz von Physik, Chemie und Materialwissenschaften sollen sehr verschiedene Formen von Materie und deren interessante Anwendungsmöglichkeiten untersucht werden. Um neues Material mit gewünschten Eigenschaften zu gestalten, müssen die Materialzusammenhänge auf der Ebene der Moleküle verstanden werden.

2) Polymers in Advanced Materials/Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Die Synthese und die Charakterisierung von polymerem Material soll dazu genutzt werden, um neue, möglichst neueste Technologien unterstützende Materialien zu schaffen. Dabei sollen alle Aspekte des Einsatzes von Kunststoffen an Oberflächen in neuen Anwendungen oder in Polymersystemen beachtet werden.

3) The Design of efficient Labour Market Institutions in Europe/Universität Trier, Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Gemeinschaft (IAAEG)

Arbeitsmarkt-Institutionen sollen darauf untersucht werden, wie sie den Arbeitsmarkt in Europa effizienter gestalten können - auch im Sinne einer Europäisierung des Arbeitsmarkts. Dies beinhaltet auch das Arbeitsrecht und das damit verbundene Sozialrecht sowie die Beobachtung des Wettbewerbs unter den Staaten und die Politik multinationaler Konzerne.

4) Teaching processes/Universität Koblenz-Landau

Durch die Zusammenarbeit von Psychologie, Pädagogik und Didaktik soll die Qualität der Fachdidaktik für die Schulen verbessert werden. Praxisnahe Unterrichts- und Bildungsforschung soll in die Ausbildung von Lehrkräften integriert werden.

Abschließend appellierte Zöllner an die Universitäten des Landes, sich an der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zu beteiligen. Wer sich bewerben wolle, sollte der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis zum 1. August sein Interesse an der Beteiligung an den drei Förderlinien mitteilen. Die endgültigen Anträge mit ausführlichen Angaben über das Thema und die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen im September gestellt werden.


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