"Tag des offenen Denkmals" beschäftigt sich mit Krieg und Frieden

Geschichtlich Interessierte sollten sich den Sonntag, 11. September, vormerken. Im Rahmen des 13. Tag des offenen Denkmals öffnen dann mehr als 350 Denkmäler in Rheinland-Pfalz ihre Pforten. Eindrucksvolle Parkanlagen zählen ebenso dazu wie historische Bauten und Bodendenkmäler. "Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Vergangenheit kennen. Der Tag des offenen Denkmals leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Er lässt die Erinnerung an frühere Zeiten lebendig werden", sagte Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, als er heute gemeinsam mit Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege das Programm zum Tag des offenen Denkmals in Mainz vorstellte.

04.08.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Rheinland-Pfalz ist ein Kernland deutscher Kultur und Geschichte. Wesentliche Teile von Kultur und Geschichte sind über das Territorium des heutigen Rheinland-Pfalz nach Deutschland gekommen. Unsere Burgen, Schlösser, Dome und anderes mehr sind steinerne Zeugen dafür", sagte Zöllner. Sie zu erhalten und den Nachgeborenen zugänglich zu machen, sei eine der vornehmsten Aufgaben der Denkmalpflege und der Kulturpolitik.

Der Tag des offenen Denkmals leiste einen wertvollen Beitrag, dies im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. "Er lädt dazu ein, unsere zahllosen Schätze zu entdecken oder neue Seiten an ihnen kennen zu lernen", meinte der Minister.

Dank sagte er in diesem Zusammenhang den vielen privaten Eigentümern und ehrenamtlich engagierten Denkmalschützerinnen und -schützern: "Ihr Einsatz ist Ausdruck einer aktiven Bürgergesellschaft, die um die Bedeutung ihrer geschichtlichen Wurzeln weiß."

Wie in jedem Jahr informiert auch diesmal wieder eine umfangreiche Broschüre über die Angebote beim Tag des offenen Denkmals - geordnet nach Landkreisen und kreisfreien Städten. Die bebilderte Publikation ist kostenlos in allen Stadt- und Kreisverwaltungen sowie Touristinformationen und Volkshochschulen erhältlich, ebenso direkt beim Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Mainz (Telefon 06131/2016-0).

Die Broschüre trägt dem Schwerpunktthema des Tag des offenen Denkmals in besonderer Weise Rechnung. Während im zweiten Teil alle Aktivitäten aufgeführt sind, finden sich in Teil 1 alle Angebote, die direkten oder indirekten Bezug zum Motto "Krieg und Frieden" haben.

Präsentiert werden befestigte keltische Siedlungen wie die Heidenmauer bei Bad Dürkheim, bei Rheinbrohl ein rekonstruierter römischer Wachturm am Limes, der in seiner gesamten Ausdehnung vor kurzem in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, zahlreiche Stadtbefestigungen des Mittelalters oder Festungsanlagen des 19. Jahrhunderts wie diejenige in Germersheim oder in Koblenz. Hervorzuheben ist die Kinderführung "Türme, Tore, Mauern" in Worms.

Rheinland-Pfalz als Land der Burgen und Schlösser präsentiert selbstverständlich zahlreiche Beispiele dieser Baugattungen. Kriegsbauten wie Kriegsschauplätze sind ebenfalls Thema: Die "Weinheimer Trift" bei Alzey mit künstlichen Wohnräumen zum Schutz vor Fliegerangriffen im Zweiten Weltkrieg, das Kurhaus in Bad Kreuznach, das im Ersten Weltkrieg zeitweise Hauptquartier Wilhelms II. war, oder Führungen in der Sayner Hütte beziehungsweise im Schloss Sayn "Gold gab ich für Eisen oder die Familie Sayn-Wittgenstein im Blickpunkt von Krieg und Frieden".

Zu sehen ist das Bauernkriegshaus in Landau-Nußdorf ebenso wie die neugotische Königskreuzkapelle in Göllheim, errichtet 1836-39 zur Erinnerung an die Schlacht am Hasenbühl, in der Adolf von Nassau am 2. Juli 1298 gefallen ist.

Zahlreiche Städte in Rheinland-Pfalz waren im Zweiten Weltkrieg Ziel von Bombenangriffen. Dem Thema "Zerstörung und Wiederaufbau" widmen sich Ausstellungen und Rundgänge, etwa in Ludwigshafen, Kaiserslautern und Zweibrücken. Informationsveranstaltungen gibt es zu Bunkeranlagen, aber auch zum Westwall, der ab 1936 entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches errichtet wurde. Erst vor wenigen Tagen hat sich Ministerpräsident Kurt Beck für die Erhaltung dieses wichtigen Geschichtszeugnisses ausgesprochen.

In Mainz präsentiert das Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde das ehemalige preußische Proviantmagazin nach erfolgter Umnutzung. Kirchenbauten sind ebenfalls häufig Zeugnis von Zerstörung und Wiederaufbau, wie die 12-Apostel-Kirche in Frankenthal oder die Christuskirche in Mainz. Die 1953-54 erbaute Bernhardskirche in Speyer wurde ganz bewusst als Friedenskirche und Zeichen der Völkerverständigung erbaut.

Von einem lange zurückliegenden Krieg, dem Französischen Erbfolgekrieg 1689, zeugt der Turm der evangelischen Kirche in Wallertheim. Hier hat sich das Gewölbe des ehemaligen Chorraumes im Zustand der Zerstörung von damals erhalten.

Im ganzen Land werden im Rahmen von Führungen Ehrenfriedhöfe, Gedenkstätten sowie Krieger- und Ehrendenkmäler erläutert. Ergänzend ist auf eine Veranstaltung im Mainzer Dom (Samstag, 10. September 2005, 21.30 Uhr) hinzuweisen: Der Dom zu Mainz in Krieg und Frieden mit Musik, Texten und Bildern.

Neben den zahlreichen themenbezogenen Aktivitäten gibt es Einblicke in Kulturdenkmäler aller Gattungen sowie Informationen zu laufenden und abgeschlossenen Restaurierungen. In Ingelheim wird Staatssekretär Roland Härtel die 1996 gefundene Goldmünze Karls des Großen nach einer großen Ausstellungstournee jetzt dauerhaft dem dortigen Museum an der Kaiserpfalz übergeben.

Der Tag des offenen Denkmals findet deutschlandweit zum 13. Mal statt. Er wird zeitgleich in fast allen westeuropäischen Staaten durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden in Rheinland-Pfalz wieder über 100.000 Besucherinnen und Besucher gezählt.

In diesem Jahr findet die offizielle Eröffnung des Tag des offenen Denkmals bereits einen Tag früher statt. Am Samstag, 10. September, 11 Uhr, wird Kulturminister Zöllner im Koblenzer Fort Großfürst Konstantin über das aktuelle Motto referieren. Zu sehen sind dort Präsentationen der verschiedenen Koblenzer Festungsanlagen durch die jeweiligen Fördervereine sowie die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs zum Thema.

Alle Informationen zum Tag des offenen Denkmals 2005 in Rheinland-Pfalz gibt es auch auf der Internetseite des Landesamtes für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz www.landesdenkmalamt.rlp.de


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