Urlaubsflirts sind gut für die Sprachkenntnisse
(bikl.de) Wie war das noch mal nach dem letzten Urlaub? Gab´s da nicht den guten Vorsatz, endlich mal Französisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch oder Schwedisch zu lernen – je nachdem wo das bevorzugte Urlaubsziel liegt? Aber irgendwie bleibt dieser Teil der Reisevorbereitung im Laufe des Jahres bei den meisten Urlaubern auf der Strecke. Erst wenige Wochen vor Reisebeginn nagt dann wieder das schlechte Gewissen. Nichts hat man getan und noch nicht einmal die einfachsten Sprachfetzen wird man verstehen, geschweige denn selbst aussprechen können. Alles zu spät also – oder gibt es doch noch eine Chance, das Versäumte nachzuholen? bildungsklick.de hat Kirsten Warweg vom Münchner Sprachenspezialisten digital publishing nach den besten Tipps zum "Sprachenlernen last minute" befragt und wollte wissen, ob Ferien im Ausland auch für die Sprachkompetenz der Schüler wichtig sind.
10.07.2007 ArtikelGibt es überhaupt Erfolg versprechende Möglichkeiten, sich kurzfristig so kompetent in einer fremden Sprache zu machen, dass es für die notwendige Alltagskommunikation im Urlaub reicht?
Kirsten Warweg: Natürlich kann man eine neue Sprache nicht in ein paar Tagen oder Wochen von Grund auf neu erlernen. Aber um bereits vorhandene, vielleicht etwas angestaubte Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen oder um sich die Basics in einer neuen Sprache anzueignen, gibt es mittlerweile sehr gute Sprachkurse, die direkt und ohne unnötigen Ballast kommunikative Handlungskompetenz vermitteln. Entscheidend ist dabei, dass man sich nicht mit dem Auswendiglernen von langen Vokabellisten oder Grammatikregeln aufhält, sondern stattdessen gleich die wichtigsten Kommunikationssituationen in der Fremdsprache trainiert. Der Ansatz solcher Sprachkurse ist ein anderer als der klassische Sprachenunterricht in der Schule: Der Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz wird bewusst vernachlässigt. Stattdessen werden die wichtigsten Vokabeln und Redewendungen innerhalb authentischer Gesprächssituationen vermittelt, so dass die auf diese Weise erlernten Fremdsprachkenntnisse in der Kommunikation mit Einheimischen am Urlaubsort direkt umgesetzt werden können. Für diese Art des Sprachentrainings, in der es in erster Linie darum geht, sich schnell einen passablen "Urlaubswortschatz" zuzulegen, also einfache Aussagen in der Fremdsprache zu verstehen und selbst formulieren zu können, eignen sich besonders gut Audiokurse, die auf schriftliches Übungsmaterial verzichten und die Lernenden so von Anfang an auf reale Gesprächssituationen vorbereiten.
Tipp: Regionale Zeitungen lesen
Was kann man vor Ort tun, um seine Kenntnisse zu vertiefen?
Kirsten Warweg: Mutig drauflosreden! Fast überall auf der Welt freuen sich die Einheimischen, wenn sich Urlaubsgäste darum bemühen, sich in der Landessprache zu verständigen – und nehmen es einem auch nicht übel, wenn man mal etwas falsch ausspricht oder einen grammatikalisch unmöglichen Satz konstruiert. Und wenn man erst einmal mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommt, werden die eigenen Fremdsprachenkenntnisse sehr schnell besser und vor allem nuancenreicher. Für diejenigen, die eine Fremdsprache schon relativ gut beherrschen und ihre Kenntnisse lediglich auffrischen wollen, eignet sich sicherlich auch beispielsweise der Besuch originalsprachiger Theater- oder Kinovorstellungen oder die Lektüre regionaler Zeitungen statt der importierten Süddeutschen zum Hotelfrühstück.
Nach dem Urlaub: Sprachkenntnisse weiter schulen
Wie können Schüler sprachlich vom Familienurlaub im Ausland profitieren?
Kirsten Warweg: Zum einen stellt die Reise in ein fremdes Land, in einen fremden Sprachraum immer auch einen Anlass und darum eine große Motivation dar, sich bereits im Vorfeld mit der entsprechenden Fremdsprache zu beschäftigen: Ferien im Ausland machen Lust, eine neue Sprache kennenzulernen oder die Schulkenntnisse in Englisch, Französisch oder Spanisch aufzufrischen und um "echte" umgangssprachliche Vokabeln und Redewendungen zu ergänzen. Zum anderen kann man vor Ort die eigenen Fremdsprachenkenntnisse in realen Kommunikationssituationen ausprobieren und vertiefen. Dazu sollten die Schüler möglichst viel Gelegenheit haben, mit Einheimischen ihren Alters ins Gespräch zu kommen. Nicht selten sind es Ferienfreundschaften oder Urlaubsflirts, die den Wunsch auslösen, mehr als nur "eins, zwei, drei" und "Hallo!" sagen zu können. Das sollten Eltern unterstützen. Und schließlich ist es wichtig, sich auch zurück in der Heimat weiter mit der Fremdsprache zu beschäftigen – zum Beispiel einen Sprachkurs für Fortgeschrittene zu machen, eine Brieffreundschaft aufrecht zu erhalten, regelmäßig eine fremdsprachige Zeitschrift zu lesen oder originalsprachige Kinofilme anzuschauen. So festigen sich die in den Ferien neu erworbenen Kenntnisse – und spiegeln sich sicherlich auch in den nächsten Zeugnisnoten wider.
Zur Person
Kirsten Warweg (M.A.) hat Deutsche Philologie, Philosophie und Politikwissenschaft studiert. Seit 2003 betreut sie die Öffentlichkeitsarbeit des Münchner Sprachenspezialisten digital publishing. digital publishing entwickelt mit einem erfahrenen Team aus Sprachexperten, Lehrern, Grafikern und Programmierern maßgeschneiderte Sprachlernprogramme für den Einsatz in der beruflichen Weiterbildung und für Privatkunden. Mit 4,5 Millionen Lernern weltweit und einer Präsenz in mehr als 60 Ländern ist digital publishing heute einer der erfolgreichsten Hersteller für Lernsoftware in Europa. Das Angebot für Privatkunden, Institutionen und Unternehmen reicht von Sprachlernsoftware, Audiokursen und Hörbüchern über gedruckte Lehrbücher und Sprachlernkalender bis hin zu Übersetzungssoftware und elektronischen Wörterbüchern.
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