Viele Lehrstellen bleiben ohne Not unbesetzt
Immer mehr Jugendliche treten ihren Ausbildungsplatz erst gar nicht an. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor.
25.09.2007 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und HandelskammertagDabei gaben 30 Prozent der Industrie- und Handelskammern (IHKs) an, dass die Zahl der nicht angetretenen Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr zugenommen habe – 14 Prozent sagten sogar, die Zahl sei deutlich gestiegen.
Die Hauptgründe: Viele Jugendliche schließen Doppelverträge ab. So unterzeichnen sie zunächst einen Vertrag, um sicher zu gehen. Finden sie später einen attraktiveren Ausbildungsplatz, schließen sie einfach einen weiteren Vertrag ab. Andere entscheiden sich doch noch für ein Studium oder eine weiterführende Schulausbildung.
Problem: Die meisten dieser Jugendlichen geben den Unternehmen nicht rechtzeitig Bescheid, dass sie sich anders entschieden haben.
DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun: "Die Folgen sind für Unternehmen wie Jugendliche gleichermaßen unerfreulich. Die Unternehmen denken, sie haben ihren Platz besetzt, und stehen zu Beginn des Ausbildungsjahres plötzlich ohne Azubi da. Sie werden dann nur noch schwer einen guten Azubi finden – viele versuchen es auch erst gar nicht mehr. Die Stellen bleiben letztlich vielfach unbesetzt. Schlecht für Schulabgänger, die keine so große Auswahl hatten: Ihnen werden Chancen auf einen Platz verbaut."
Braun appelliert an Jugendliche wie Unternehmen: "Fairness ist wichtig, damit es Chancen für alle gibt. Deshalb appelliere ich an die Jugendlichen, Verträge ernst zu nehmen. Wenn sie sich dennoch umentscheiden, dann sollten sie zumindest sofort den ersten Vertrag kündigen.
Unternehmen rate ich, sich nicht nur auf den Vertrag zu verlassen, sondern sich gleichzeitig die Lohnsteuerkarte geben zu lassen. Das verpflichtet die Jugendlichen stärker."
In der Region Stuttgart stellt sich die Situation laut IHK-Präsident Günter Baumann ähnlich dar. Ursache sei das gestiegene Angebot an Ausbildungsplätzen. "Auf dem Ausbildungsmarkt ist mehr Bewegung, mit dem Nachteil für manche Betriebe, dass Lehrlinge nicht antreten", so der IHK-Präsident. Er rät den Betrieben, zwischen Vertragsabschluss und Ausbildungsbeginn den Kontakt zu den Jugendlichen zu halten.
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