Wenn das A und O im Alltag fehlt – Hilfe für Analphabeten
Zum Welttag der Alphabetisierung am 8. September 2012 erklärt Kultusministerin Brunhild Kurth: "Sicher schreiben und lesen zu können, ist die Voraussetzung um sozial, beruflich und kulturell am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Darum gehen wir das Problem in Sachsen offensiv an."
08.09.2012 Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für KultusIn Sachsen leben nach einer Studie aus dem Jahr 2006 schätzungsweise 200.000 funktionale Analphabeten. Deutschlandweit sind es rund 7,5 Millionen Menschen. Funktionale Analphabeten verfügen über geringere Lese- und Schreibkenntnisse. Bereits einfache Alltagssituationen, z. B. das Lesen von Warnhinweisen, Fahrplänen oder auch Elternbriefen der Schule sind von den Betroffenen kaum zu bewältigen. "Das Thema ist immer noch ein Tabu. Wir müssen die Öffentlichkeit für das Problem Analphabetismus noch mehr sensibilisieren", so Kurth.
Hilfe finden die Betroffenen beispielsweise in den sächsischen Volkshochschulen, die seit den 90er Jahren Kurse für funktionale Analphabeten anbieten. Zusätzlich zu den Lernmöglichkeiten an den Volkshochschulen wurden seit 2007 zahlreiche Kurse für Analphabeten angeboten, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Land Sachsen finanziert werden. Insgesamt konnten seit 2007 ca. 1.800 Teilnehmer in ESF-Alphabetisierungskursen unterstützt werden. Diese Kurse laufen meistens über ein Jahr und umfassen bis zu 30 Unterrichtsstunden in der Woche. In den Kursen erfolgt eine umfangreiche sozialpädagogische Betreuung der Teilnehmer. Im ESF-Förderzeitraum 2007 bis 2013 stehen ca. 15,1 Millionen Euro für die Alphabetisierung zur Verfügung.
Seit März 2010 gibt es außerdem in Plauen, Dresden, Leipzig und Chemnitz die regionalen Standorte der Koordinierungsstelle Alphabetisierung koalpha in Projektträgerschaft der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gemeinnützige Gesellschaft mbH. Koalpha wurde ins Leben gerufen, um Betroffene und deren Umfeld intensiv und zielgerichtet zu beraten und die Vermittlung in regionale Alphabetisierungskurse zu unterstützen. Daneben bietet sie Fachveranstaltungen für Multiplikatoren, wie z. B. Arbeits- und Sozialverwaltungen und Bildungsträger an, arbeitet in Netzwerken mit und informiert die Öffentlichkeit in Sachsen zum funktionalen Analphabetismus. Mit der Arbeitsaufnahme von koalpha konnte die Alphabetisierungsarbeit intensiviert werden. Die Koalpha-Mitarbeiterinnen sind für eine kompetente und diskrete Beratung sachsenweit unter der Telefonnummer 0800 3377100 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz) zu erreichen. Auch die Finanzierung der Koordinierungsstelle Alphabetisierung erfolgt über einen Zeitraum von 4 Jahren durch Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds und Landesmittel zur Kofinanzierung.
Hinweis an die Redaktionen:
Zum Weltalphabetisierungstag 2012 möchte koalpha mit verschiedenen Aktionen das Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und gemeinsam mit Netzwerkpartnern über regionale Hilfsangebote informieren. Das Alphabetisierungsnetzwerk Chemnitz möchte gemeinsam mit koalpha am Mittwoch, 12. September von 15 bis 17 Uhr auf dem Chemnitzer Neumarkt mit Passanten zur Situation in Sachsen ins Gespräch kommen. Hier laden Mitmachspiele und Rätsel mit den laufenden Riesenbuchstaben ein. Lern- und Hilfsangebote in der Region werden vorgestellt. Am 21. September 2012 lädt das Netzwerk Grundbildung Vogtland mit koalpha von 13 bis 16 Uhr anlässlich des Weiterbildungstages auf dem Altmarkt Plauen zum Gespräch über die verschiedenen Hilfsmöglichkeiten und zu Spielen mit den Riesenbuchstaben.
Kontakt zur Koordinierungsstelle:
koalpha - Koordinierungsstelle Alphabetisierung im Freistaat Sachsen
c/o Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH
Projektkoordinatorin Frau Ingrid Ficker
L.-F.-Schönherr-Straße 3208523 Plauen
Telefon: 03741 71940-414
E-Mail: ; www.koalpha.de
Hintergrund UNESCO-Welttag der Alphabetisierung:
Seit 1966 wird jedes Jahr mit dem Weltalphabetisierungstag am 8. September von der UNESCO an die Problematik des Analphabetismus erinnert. Weltweit können nach offiziellen Schätzungen der UNESCO rund 780 Millionen der erwachsenen Menschen weder lesen noch schreiben. Auch in hochindustrialisierten Ländern wie Deutschland haben etliche Erwachsene große Probleme mit dem Lesen und Schreiben.
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