Alfred-Kerr-Preis 2009 für Gregor Dotzauer
Der Literaturredakteur Gregor Dotzauer ist heute mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2009 ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand während der Leipziger Buchmesse statt. In seiner Laudatio kokettierte der Verleger Wolfgang Hörner: "An jedes neue Buch scheint er mit erschreckend neuer Unvoreingenommenheit heranzutreten. Er hält sich an kein Verlagsprofil, bespricht sowohl Lyrik als auch Prosa, Zeitschriften und Sachbücher, Krimis, hohes und niederes, komisches und Philosophie."
12.03.2009 Pressemeldung Börsenverein des Deutschen BuchhandelsMan könne ihm mit gutem Gewissen kein Buch unaufgefordert zuschicken, denn man wüsste nicht, was passiert. "Dotzauers Respekt vor dem Text lässt sich in der Sorgfalt sehen, mit der er Bücher liest und überdenkt, wie er Strukturen erforscht, dem Bau der Sätze nachfühlt, sie abklopft und dabei prüft, wie dicht ein Text gefügt, wie sorgfältig er motivisch verarbeitet, wie gut er metaphorisch verfugt ist. Dies alles ruhig, konzentriert, beharrlich, und mit der Glut der stillen Leidenschaft, die auch noch den reflexivsten seiner Texte durchzieht", so Hörner.
In seiner Dankesrede hob Gregor Dotzauer die besondere Bedeutung der Literaturkritik vor. Sie sei ein besonderer Indikator dafür, wie und in welchem Maß eine Gesellschaft über sich nachdenkt. "Nirgendwo sonst beschäftigt sich das Wort, das allen multimedialen Fluten zum Trotz noch immer unserer Kultur zugrunde liegt, so intim mit dem Wort und die Schrift mit der Schrift", sagte Dotzauer. Er kritisierte, dass der Stellenwert der Literaturkritik in den Feuilletons immer weiter sinkt. Dies hätte zur Folge, dass sie ihrer zentralen Funktionen nicht mehr ausreichend nachkommen könne, Öffentlichkeit herzustellen und ein Umschlagplatz für Ideen zu sein.
Gregor Dotzauer ist seit 1999 Literaturredakteur des Berliner "Tagesspiegels". Zuvor arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Süddeutsche Zeitung" und die "ZEIT" in den Bereichen Literatur und Film.
Der Jury gehören an: Maria Gazzetti (Leiterin Literaturhaus Frankfurt), Peter Härtling (Autor), Michael Lemling (Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl), Klaus Reichert (Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung), Klaus Schöffling (Verleger) und Torsten Casimir (Chefredakteur Börsenblatt).
Mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik zeichnet das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel seit 1977 literaturkritisches Wirken aus. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert. Frühere Preisträger sind unter anderem Burkhard Müller, Hubert Winkels, Meike Feßmann, Hubert Spiegel, Elmar Krekeler, Felicitas von Lovenberg, Maike Albath, Ulrich Weinzierl, Lothar Müller und Andreas Nentwich.
Ansprechpartner
Börsenverein des Deutschen BuchhandelsGroßer Hirschgraben 17-21
60311 Frankfurt am Main
Web: http://www.boersenverein.de
Weiterführende Links
- Laudatio von Wolfgang Hörner
- Rede von Gregor Dotzauer
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