Studie

Lehrkräftemangel setzt Bildungssysteme im OECD-Raum unter Druck

Die Bildungssysteme des OECD-Raums sind in unterschiedlichem Maße vom Lehrkräftemangel betroffen. In den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften sowie in ländlichen, abgelegenen und benachteiligten Gemeinden sind die Rekrutierungsschwierigkeiten besonders akut, so eine aktuelle OECD-Studie.

29.09.2026 Bundesweit Pressemeldung OECD Centre Berlin
  • Buchstabenplättchen ergeben das Wort Lehrer:in. © www.pexels.com Die aktuelle OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2026 befasst sich dieses Jahr schwerpunktmäßig mit dem Lehrkräftemangel.

Bildung auf einen Blick 2026, das jährlich erscheinende Kompendium der OECD mit vergleichbaren nationalen Statistiken zur weltweiten Bildungssituation, befasst sich dieses Jahr schwerpunktmäßig mit dem Lehrkräftemangel. Das zunehmende Durchschnittsalter des Lehrpersonals dürfte diesen Druck in den kommenden Jahren noch verschärfen.

„Heute ist es zunehmend schwierig, qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen, zu halten und dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden“, sagte Generalsekretär Mathias Cormann bei der Vorstellung der Studie. „Schulsysteme müssen vorausschauend planen, bereits im Schuldienst tätige Lehrkräfte halten, den Nachwuchs an Lehrkräften sichern und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Standards gewahrt bleiben.“

Offizielle Angaben zu unbesetzten Stellen geben nur einen Teil der Realität wieder. In allen 20 Bildungssystemen, für die Daten vorliegen, lag der Anteil unbesetzter Stellen am gesamten Lehrpersonal im Primar- und Sekundarbereich im Zeitraum 2024–2025 bei weniger als 4 %. Allerdings zeigt sich der Lehrkräftemangel häufig konzentriert in bestimmten Fächern, Schulen und Regionen. Von den 16 Ländern und Volkswirtschaften mit verfügbaren Daten bekundeten 11 einen Mangel an voll qualifizierten Lehrkräften im Sekundarbereich, die Mathematik oder naturwissenschaftliche Fächer unterrichten.

Qualifikationen sind eine besondere Herausforderung. Im Durchschnitt der OECD-Länder waren im Schuljahr 2024–2025 9 % der Lehrkräfte im Primar- und Sekundarbereich nicht voll qualifiziert. In Chile, Dänemark, Deutschland und Estland lag dieser Anteil bei über 18 %; in Japan und Korea dagegen müssen Lehrkräfte vor dem Berufseinstieg vollständig qualifiziert sein.

Im OECD-Raum sind 25 % der Lehrkräfte im Sekundarbereich mindestens 55 Jahre alt, was den Rekrutierungsdruck in den kommenden Jahren erhöhen dürfte.

85 % der Lehrkräfte sind eigenen Angaben zufolge mit ihrer Arbeit zufrieden, doch nur 22 % sind der Auffassung, dass der Lehrberuf von der Gesellschaft wertgeschätzt wird.

Die Bezahlung spielt zwar eine Rolle, ist aber nicht der einzige Bestimmungsfaktor für die Einstellung und Bindung von Lehrkräften. Im Durchschnitt der OECD-Länder verdienen Lehrkräfte zwischen 87 % und 95 % des Erwerbseinkommens anderer Arbeitskräfte mit einem Abschluss im Tertiärbereich; die Anfangsgehälter von Lehrkräften im Sekundarbereich I liegen im Durchschnitt bei 61 % des Erwerbseinkommens von Arbeitskräften mit vergleichbarem Bildungsniveau. Ein zu bewältigendes Arbeitspensum, berufliche Autonomie, eine effektive Schulleitung, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und die öffentliche Anerkennung prägen die Attraktivität des Lehrberufs ebenfalls.

Der Lehrkräftemangel ist auch auf einen allgemeinen Fachkräftemangel in der Wirtschaft zurückzuführen, da die Bildungssysteme mit anderen Sektoren um hochqualifiziertes Personal konkurrieren.

Bildungssysteme können personellen Engpässen begegnen, indem sie vorhandene Lehrkapazitäten besser nutzen, die Zugangswege in den Lehrberuf verbreitern und zugleich sicherstellen, dass bestehende Standards eingehalten werden. Bürokratische Lasten ließen sich durch Technologie, einschließlich künstlicher Intelligenz, und spezialisierte Hilfskräfte verringern. Lehrkräfte hätten so mehr Zeit für den Unterricht, die Betreuung ihrer Schüler*innen und ihre berufliche Weiterbildung.

Der demografische Wandel bietet die Chance, für eine effizientere Allokation von Lehrkräften und Ressourcen zu sorgen. Im OECD-Raum wird die Zahl der Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren zwischen 2024 und 2033 voraussichtlich um 9 % zurückgehen. Dieser Rückgang dürfte in den einzelnen Gemeinden jedoch uneinheitlich ausfallen. Politikverantwortliche haben Spielraum, Lehrkräfte und Ressourcen gezielt in den Schulen, Fächern und Gemeinden einzusetzen, in denen die Engpässe besonders akut sind.

Bildung auf einen Blick 2026 analysiert die Bildungssysteme der 38 OECD-Mitgliedsländer sowie von Argentinien, Brasilien, Bulgarien, China, Indien, Indonesien, Kroatien, Peru, Rumänien, Saudi-Arabien, Südafrika und Thailand. Die Studie, deren Fokus 2026 auf dem Lehrkräftemangel liegt, stellt internationale Vergleichsdaten bereit, die den Bildungsstand, die Bildungsbeteiligung sowie die Finanzierung und Organisation von Bildungssystemen weltweit abdecken.

Auf der OECD-Website finden Sie weitere Informationen zu Bildung auf einen Blick 2026 mit zentralen Erkenntnissen und Charts (dieser Link kann in Medienberichten verwendet werden). Ländernotizen für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Ansprechpartner

OECD Centre Berlin

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