Auftaktsymposium zur Stärkung der Demokratie nicht nur Sache für Lehrer

Zu der morgigen Veranstaltung an der Martin-Luther-Universität in Halle, die nach Aussage der Staatskanzlei zum Ziel hat, Sozialkundelehrerinnen und -lehrer, die keine Lehrbefähigung haben, "nachzuqualifizieren", erklärte der GEW-Landesvorsitzende, Thomas Lippmann: "Die Annahme, dass Kolleginnen und Kollegen ohne grundständige Ausbildung, die von ihren Schulleitungen als sogenannte "Neigungslehrer" in anderen als den von ihnen studierten Fächern eingesetzt werden, keinen qualifizierten Unterricht erteilen könnten, entbehrt jeder Grundlage. Der fachfremde Einsatz der Lehrkräfte gehört bei entsprechender Notwendigkeit seit Jahr und Tag zum pädagogischen Alltag in den Schulen."

26.02.2008 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Es sei im Übrigen eine völlig aus der Luft gegriffenen Behauptung, dass Demokratiedefizite bei den Schülerinnen und Schülern – wer auch immer diese festgestellt haben will – unmittelbar etwas mit der Qualifikation der Lehrkräfte zu tun hätten. Wenn es Demokratiedefizite bei unseren Jugendlichen gibt, dann wird auch die jetzt inszenierte "Nachqualifikation" von Sozialkundelehrern daran kaum etwas ändern. Den bei PISA nachgewiesenen Defiziten unserer Schülerinnen und Schüler im Lesen und in der Mathematik sei man ja auch nicht durch Nachqualifikation der Lehrkräfte, die ohne entsprechende Lehrbefähigung diese Fächer unterrichten, zu Leibe gerückt. Demokratie zu stärken sei Aufgabe für die ganze Gesellschaft und keine spezielle der Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen.

Nichts spräche gegen qualifizierte Fortbildungsangebote an die Lehrkräfte, ob aber Ministerpräsident Böhmer nach seinen offensichtlichen Missgriffen mit Geschichtsvergleichen der geeignete Hauptreferent ist, um Sozialkundelehrern ein besseres Rüstzeug für ihren Unterricht mit auf den Weg zu geben, erscheine mehr als fraglich. "Mangelndes Demokratieverständnis bei unseren Jugendlichen mit der fehlenden Qualifikation von Sozialkundelehrern zu begründen ist ein genau so hilfloser und unzutreffender Erklärungsversuch, wie die Kindstötungen in den östlichen Bundesländern mit der Abtreibungspraxis in der DDR in Verbindung zu bringen.

"Ministerpräsident Böhmer sollte sich erst einmal in `politische Quarantäne` begeben und den Kolleginnen und Kollegen morgen seine Anwesenheit ersparen", fügte Lippmann hinzu.

Im Übrigen trage der Ministerpräsident selbst die politische Verantwortung dafür, dass seit Jahren keine Weiterbildungsstudiengänge für Sozialkunde mehr angeboten und Hochschulabsolventen mit diesem Fach nicht einmal ins Referendariat aufgenommen wurden.

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GEW Sachsen-Anhalt

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