Ausländische MINT-Fachkräfte im Südwesten: Jung und hoch qualifiziert
Zur Jahresmitte 2011 waren in Baden-Württemberg gut 448 000 Fachkräfte in MINT-Berufen1) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit mitteilt, besaßen unter den MINT-Fachkräften gut 421 000 die deutsche Staatsangehörigkeit und knapp 27 000 eine ausländische Nationalität. Allein in den letzten 10 Jahren ist die Zahl der deutschen Beschäftigten in MINT-Berufen um fast 31 000 bzw. 8 Prozent und die der Ausländer um 8 100 bzw. 43 Prozent gestiegen.
11.04.2012 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-WürttembergObwohl der zahlenmäßige Zuwachs der ausländischen MINT-Fachkräfte nur etwa ein Viertel des Beschäftigungsanstiegs der deutschen Fachkräfte ausmacht, spiegelt die starke prozentuale Zunahme ausländischer Beschäftigter in MINT-Berufen den großen Bedarf an ausgebildeten Fachkräften und damit die guten Beschäftigungsmöglichkeiten im Land wider. Diese Ergebnisse stellten heute auf einer Pressekonferenz die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, vor.
Die ausländischen MINT-Fachkräfte sind höher qualifiziert und jünger als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen. So hatten gemessen an den ausländischen bzw. deutschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in MINT-Berufen, für die eine Angabe zur Berufsausbildung vorliegt, 62 Prozent der ausländischen, aber lediglich 47 Prozent der deutschen MINT-Fachkräfte eine akademische Ausbildung. Damit war aktuell bei den ausländischen MINT-Fachkräften die Akademikerquote um 15 Prozentpunkte höher als bei den deutschen Fachkräften. Deutsche MINT-Fachkräfte konnten demgegenüber häufiger einen abgeschlossenen Lehrberuf vorweisen. 49 Prozent der deutschen und nur 31 Prozent der ausländischen Beschäftigten in MINT-Berufen hatten aktuell eine abgeschlossene Lehrausbildung. Im Jahr 2011 waren die ausländischen MINT-Fachkräfte im Durchschnitt 37,7 Jahre alt und damit durchschnittlich 4,5 Jahre jünger als ihre deutschen Kollegen (42,2 Jahre). 45 Prozent der MINT-Fachkräfte mit ausländischer Nationalität hatten 2011 die Altersgrenze von 35 Jahren noch nicht erreicht, lediglich 7 Prozent waren bereits 55 Jahre und älter. Bei den deutschen Fachkräften war die Quote der jüngeren Beschäftigten unter 35 Jahren mit 27 Prozent deutlich geringer. Gleichzeitig war bei den deutschen Fachkräften der Anteil der älteren Kollegen über 55 Jahren mit 14 Prozent doppelt so hoch wie bei den ausländischen Beschäftigten in MINT-Berufen. Insgesamt waren in Baden-Württemberg im Jahr 2011 über 60 000 Beschäftigte in MINT-Berufen bereits 55 Jahre oder älter. Davon hatten gut 58 000 MINT-Fachkräfte die deutsche Staatsangehörigkeit, rund 2 000 Beschäftigte besaßen eine ausländische Nationalität. Diese älteren Arbeitnehmer werden voraussichtlich im Laufe der nächsten 10 Jahre wegen Erreichens der Altersgrenze aus dem aktiven Erwerbsleben ausscheiden und damit dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen.
Die ausländischen Beschäftigten in MINT-Berufen, die 2011 in Baden-Württemberg arbeiteten, stammen aus allen Teilen der Welt. Knapp 21 000 Fachkräfte (77 Prozent) und damit die mit Abstand größte Gruppe kamen aus dem europäischen Ausland, allen voran aus Frankreich (3 400 MINT-Fachkräfte), Italien (2 500 MINT-Fachkräfte) und der Türkei (2 400 MINT-Fachkräfte). Diese drei Länder zählen auch zu den zehn stärksten Nationalitätengruppen im Südwesten. Aus Österreich, Kroatien, Griechenland und Spanien stammten jeweils mehr als 1 000 MINT-Fachkräfte und damit ähnlich viele wie aus China und Indien. In den letzten 10 Jahren nahm die Zahl der MINT-Fachkräfte aus dem Nachbarland Frankreich zahlenmäßig am stärksten zu (+773 MINT-Fachkräfte bzw. +29 Prozent), gefolgt von Indien (+765 Beschäftigte bzw. +295 Prozent), Italien (+719 Beschäftigte bzw. +41 Prozent) und China (+685 Beschäftigte bzw. +164 Prozent). Ebenfalls vergleichsweise hohe Zuwächse an MINT-Fachkräften gab es aber auch aus EU-Ländern wie beispielsweise Spanien, das von hoher Arbeitslosigkeit betroffen ist, oder aus den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten, so z.B. aus Polen oder Bulgarien.
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