Bildungsmedien

Blick auf digitale Schulbücher

(red) Die Franz Cornelsen Bildungsgruppe hat heute einen [Strategiewechsel](http://bildungsklick.de/pm/84685/strategiewechsel-der-franz-cornelsen-bildungsgruppe/) angekündigt. Sie will auf die digitalen Herausforderungen reagieren und die Cornelsen Schulverlage stärken. Trennen will man sich von den Unternehmensbereichen Nachhilfe und Wissenschaft. "Wir werden eine sehr grundsätzliche Positionierung im Bereich unserer digitalen Angebote vornehmen", erklärt Dr. Alexander Bob, Vorsitzender der Geschäftsführung der Franz Cornelsen Bildungsholding im Interview mit bildungsklick.de.

24.07.2012 Artikel
  • © bikl.de

Strategiewechsel bei der Franz Cornelsen Bildungsgruppe: Heißt das - auf einen Nenner gebracht - Abschied vom Buch, von der Wissenschaft und der Nachhilfe?

Alexander Bob: Nein, auf keinen Fall ist das ein Abschied vom Buch. Gerade in den schulischen Bereichen wird das Buch noch sehr lange das Leitmedium bleiben, weil es für die Schulen eben unvergleichlich unverwüstlich, praktisch und nützlich ist. Aber wir haben uns in der Tat im Rahmen unserer strategischen Neuausrichtung auch Gedanken gemacht, wie wir die aktuelle Entwicklung im stationären Buchhandel einbeziehen. Hier sehen wir die kommenden Flächenverkleinerungen als Zeichen dafür, dass Verlage, die nicht unter den ersten drei sind, es künftig schwerer haben werden, ihr Programm zu verkaufen. Das ist der Grund dafür, dass wir beispielsweise beim Bibliographischen Institut die Bereiche Duden - deutsche Sprache und Nachmittagsmarkt/– Lernhilfen - behalten, während wir das Kinder- und Jugendbuch, das gute Produkte aber keine marktführende Position hat, verkaufen werden. Denn wir sind der Meinung, dass dieser Bereich in einem auf das Kinder- und Jugendbuch spezialisierten Verlag bessere Chancen haben wird.

Bei dem Bereich Wissenschaft verhält es sich so, dass die Positionierung dieses sehr traditionsreichen Unternehmens einerseits gut ist, denn das Unternehmen ist gut aufgestellt, andererseits sehen wir aber auch, dass die großen Wissenschaftsverlage sehr intensiv in Technologie investieren, was uns im Verhältnis zum Umsatz perspektivisch nicht möglich sein wird. Wir wollen diesen Bereich deshalb in Hände geben, die in einer Größenordnung im wissenschaftlichen Bereich unterwegs sind, um diese Investitionen tätigen zu können.

Bezogen auf den Bereich Nachhilfe haben wir feststellen müssen, dass die Synergien zu den übrigen Bereichen der Gruppe, gleichwohl sie auf dem Papier naheliegen, doch in der Praxis sehr viel geringer sind. Und in der Gesamtausrichtung wollen wir sehr viel stärker in den Bereich digitale Geschäftsmodelle als in die Serviceerbringung eines filialisierten Unternehmens investieren. Deshalb wollen wir uns auch von diesem Bereich trennen, um frei werdende Investitionsmittel stärker in die digitalen Geschäftsmodelle zu investieren. Wir schichten sozusagen unsere Investitionsmittel um. Durch diese Maßnahmen wird die Komplexität in unserer Gruppe reduziert, was die Neuausrichtung unterstützt.

Bei Strategiewechsel und Verkauf von Firmenbereichen wird die Öffentlichkeit immer hellhörig, steht also die Digitalisierung nur als Synonym für Verkauf und Personalabbau?

"Die Marke Duden ist ein Goldschatz"

Alexander Bob: Nein, es werden nicht mehr Personen die Verlagsbereiche verlassen, als zu diesem Geschäft dazugehörig sind. Das gilt für die Nachhilfeinstitute und den Wissenschaftsbereich. Beim Bibliographischen Institut ist es sicherlich so, dass nicht alle Kräfte, die heute in Mannheim tätig sind, mit nach Berlin gehen werden. Aber das ist Gegenstand der Gespräche mit der Belegschaft und dem Betriebsrat in den nächsten Wochen.

War der Erwerb des Bibliographischen Instituts denn ein glücklicher Griff für Cornelsen?

Alexander Bob: Die Marke Duden ist natürlich ein Goldschatz in jedem Unternehmensumfeld. Es sind marktführende Produkte wie ´Der Duden` dabei und es hat gleichzeitig die Schulverlage um die Marke Duden bereichert mit dem entsprechenden Programm. Das bringt eine Ausbaufähigkeit für die Zukunft mit, die wir unter der Marke Duden in den schulischen Bereichen haben werden. Aber das Bibliographische Institut hat als Publikumsverlag unter der Entwicklung im Buchhandel stärker zu leiden gehabt als andere Bereiche. Allein der Bereich der Lernhilfen, der Nachmittagsmarkt, hatte in den letzten zwei, drei Jahren zweistellige Marktrückgänge hinzunehmen. Nicht beim BI allein, sondern im gesamten Marktsegment, und das hinterlässt natürlich Spuren und ergibt in der Summe ein gemischtes Bild.

Sind bei der Neuausrichtung unter dem Stichwort Digitalisierung auch beim Duden neue Impulse zu erwarten?

Alexander Bob: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung beispielsweise von duden.de – dort haben wir nach der Startphase nahezu eine Verdoppelung der Reichweite erzielt. Wir gehören damit zu den wenigen namhaften Portalen, die in den letzten 18 Monaten an Reichweite deutlich dazugewonnen haben. Wir bleiben auch mit der Sprachtechnologie in Mannheim, was für den Bereich Rechtschreibung und deutsche Sprache der wesentliche Teil des digitalen Zukunftsgeschäfts sein wird.

Wann ist die Trennung von den Nachhilfeinstituten, dem Wissenschafts- und dem Kinder- und Jugendbuchbereich vorgesehen?

Alexander Bob: Wir haben das heute bekannt gemacht – etwas ungewöhnlich wahrscheinlich, weil wir das nach außen kommunizieren und nicht still und leise im Hintergrund machen. Aber als Teil eines größeren Strategiewechsels wollen wir das zusammenhängend kommunizieren. Das bedeutet, dass die Gespräche mit den Kaufinteressenten in den nächsten Wochen stattfinden.

"Lehrerinnen und Lehrer sollten sich diesen Termin schon einmal vormerken"

Was steckt konkret hinter der Ankündigung eines "Beteiligungsportfolios mit erfolgreichen Bildungsunternehmen im Internet"?

Alexander Bob: Wir sehen im Bildungsbereich endlich auch neue Geschäftsmodelle im Internet. Seien es Marktplätze für Seminaranbieter, seien es Dinge wie Sofatutor mit Lernvideos und ähnlichen Dingen. Wir sehen also eine Chance, an diesen Wachstumsmärkten zu partizipieren. Und gleichzeitig auch für die Kerngeschäfte im Schulbereich, in der Erwachsenenbildung und auch bei den Publikumsverlagen daraus für die Zukunft zu lernen.

Wie sehen die neuen digitalen Schulangebote von Cornelsen aus?

Alexander Bob: Die ersten digitalen Schulbücher von Cornelsen wird es im September schon geben, zum Schulanfang. Aber wir werden speziell zur didacta 2013 in Köln eine sehr grundsätzliche Positionierung im Bereich unserer digitalen Angebote vornehmen. Diesen Termin sollten sich die Lehrerinnen und Lehrer schon einmal vormerken.


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