Ebling: Jugendschützer durchforsten erfolgreich das Internet
"Internet-Anbieter müssen dem Jugendschutz deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken und zugleich gilt es, auf allen Ebenen die Unterstützung zur Verbesserung der Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Eltern auszubauen." Diese Folgerungen zieht der rheinland-pfälzische Jugendstaatssekretär Michael Ebling aus der jetzt vorgelegten Jahresbilanz der in Mainz ansässigen Zentralstelle der Länder für den Jugendschutz im Internet, jugendschutz.net, die vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz federführend für alle Obersten Landesjugendbehörden betreut wird. Allein 2006 habe jugendschutz.net Maßnahmen gegen 2.625 Internet-Angebote mit pornografischen, rechtsextremen oder gewaltverherrlichenden Inhalten ergriffen, berichtete Ebling. Dies sei die bisher höchste Zahl an festgestellten Verstößen innerhalb eines Jahres.
25.06.2007 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzMit der zunehmenden Verbreitung von Web2.0-Angeboten, Chat-Diensten und mobilen Internetzugängen werde die Mediennutzung weiter individualisiert und zunehmend der elterlichen Kontrolle entzogen, stellen die Jugendschützer in ihrer Jahresbilanz fest. "Anbieter haben hier eine besonders große Verantwortung und müssen Eltern bei der Medienerziehung ihrer Kinder besser unterstützen", folgerte Michael Ebling. Der Staatssekretär verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das Land Rheinland-Pfalz mit dem 10-Punkte-Programm "Medienkompetenz macht Schule" in den kommenden vier Jahren zehn Millionen Euro zusätzlich einsetze, um neben der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften auch den Informationsstand von Eltern über neue Medien zu verbessern.
Insgesamt hat jugendschutz.net im Jahr 2006 mehr als 7.500 Beschwerden und Anfragen zum Jugendschutz im Internet bearbeitet. 1.235 Verstöße wurden auf in Deutschland angebotenen Internetseiten registriert. Zwei Drittel davon konnte jugendschutz.net durch Beanstandungen beim Anbieter schnell beseitigen. In 140 Fällen wurde die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) eingeschaltet.
jugendschutz.net hat auch 2006 seine Aktivitäten auf internationaler Ebene weiter verstärkt. Neben der langjährigen Mitgliedschaft in den internationalen Netzwerken gegen Kinderpornografie (INHOPE) und Rassismus (INACH) ist jugendschutz.net seit 2006 auch im Beirat des europäischen Filtertest-Projektes "SIP-Bench" vertreten. Um ausländische Angebote zu sperren oder Betreibern die Plattform zu entziehen, schaltete jugendschutz.net in 341 Fällen das Bundeskriminalamt (BKA) ein, kooperierte mit Bezahlsystemen (in 38 Fällen) sowie mit Partner-Meldestellen im Ausland (in 517 Fällen). Als besonders Erfolg versprechend erwies sich die Kooperation mit Host-Providern, die den Speicherplatz im Internet zur Verfügung stellen. In 78 Prozent der dabei aufgegriffenen Fälle hätten die Provider beanstandete unzulässige Inhalte entfernt, stellt jugendschutz.net fest.
jugendschutz.net recherchiert ein großes Spektrum von Gefährdungen im Internet. So waren die Verherrlichung von Selbsttötungen und Magersucht 2006 Gegenstand intensiver Kontrollen, ebenso die stark professionalisierte Nutzung des Internets durch rechtsextreme Gruppen. jugendschutz.net recherchierte verstärkt beeinträchtigende Darstellungen, die auch auf großen Internetportalen zu finden sind. Geprüft wurden die Risiken von Chats, Handys und onlinefähigen Spielekonsolen sowie erstmals auch die Wirksamkeit von Filtersystemen. jugendschutz.net informierte Betreiber über die Rechercheergebnisse, unterbreitete Vorschläge, wie der Kinder- und Jugendschutz besser berücksichtigt werden kann und erarbeitete Materialen zur sicheren Nutzung des Internets. Um Kinder zu guten Seiten zu führen, wurden mehr als 1.300 empfehlenswerte Seiten gesichtet und mit einer Kinderredaktion bewertet.
Im Rahmen einer dreijährigen Beanstandungskampagne ist die Zentralstelle der Länder 2006 gegen insgesamt 750 Websites im Vorfeld der Kinderpornografie vorgegangen, die Minderjährige auf so genannten "Teen-Model-Sites" in aufreizenden Posen präsentieren. Das Fazit der Jugendschützer: Das seit 2003 in Deutschland gültige Verbot von Posenangeboten ist weitgehend durchgesetzt worden. Gegen Anbieter, die sich uneinsichtig zeigten, hat jugendschutz.net Aufsichtsverfahren durch die KJM eingeleitet, die mit hohen Geldbußen endeten. Auch im Ausland konnte jugendschutz.net auf diesem Gebiet wichtige Erfolge erzielen und der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Zusammenarbeit mit Kreditkartenunternehmen die finanzielle Basis entziehen.
jugendschutz.net wurde 1997 als gemeinsame Einrichtung von den Jugendministerinnen und Jugendministern der Länder gegründet und ist an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden. Die länderübergreifende Stelle hat den Auftrag, jugendgefährdende und entwicklungsbeeinträchtigende Angebote im Internet zu überprüfen und auf deren Veränderung oder Herausnahme zu drängen. Ziel ist ein vergleichbarer Jugendschutz wie in den traditionellen Medien.
Mehr Details bietet die beigefügte Kurzfassung des Jahresberichts von jugendschutz.net (siehe rechte Spalte, oben)
Kontakt für weitere Informationen:
jugendschutz.net – Jugendschutz in Telemedien
Wallstraße 11
55122 Mainz
Tel.: 06131/328520; Fax: 06131/328522
E-Mail: buero( at )jugendschutz.net
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