Ebling: Projekt "Zeugen der Zeit" verleiht Geschichte Gesichter

Vor allem der Geschichts- und Sozialkundeunterricht, aber auch der Unterricht in anderen Fächern, soll in den Schulen in Rheinland-Pfalz vom kommenden Schuljahr an verstärkt durch lebendige Schilderungen und Erfahrungsberichte von Menschen bereichert werden, die als Zeitzeugen bestimmte Ereignisse selbst miterlebt haben oder die sich intensiv mit historisch bedeutsamen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit beschäftigen. "Bundesweit erstmals wird mit dem Projekt ,Zeugen der Zeit´ in einem Bundesland eine Vermittlungs- und Beratungsstelle eingerichtet, die die Schulen bei einer solchen Erweiterung ihres Unterrichtsangebots unterstützt", kündigte der Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Michael Ebling, heute in Mainz an. "Gerade in diesem Jahr, in dem das Land Rheinland-Pfalz mit sein 60-jähriges Bestehen feiert, zeigen viele Ausstellungen und Wettbewerbe, wie spannend und interessant insbesondere die jüngere Vergangenheit sein kann, und wie engagiert sich Kinder und Jugendliche mit Geschichte auseinandersetzen, wenn sie anschaulich gemacht wird."

22.06.2007 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Das Projekt "Zeugen der Zeit", das auch von der Staatskanzlei des Landes finanziell unterstützt wird, wolle dies nutzen und dauerhaft verankern, indem es Ereignissen und Alltagserfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit ein Gesicht gebe, betonte Ebling. Dabei könnten die Schulen sich auf einer eigens geschaffenen Homepage (www.zeitzeugen.bildung-rp.de), die zum Beginn des kommenden Schuljahrs freigeschaltet wird, eine Übersicht über das regional vorhandene Angebot an Zeitzeugen und deren Themen verschaffen. Eine Koordinierungsstelle im Pädagogischen Zentrum des Landes (PZ) biete den Schulen zudem weitere Informationen sowie Hilfestellungen und vermittle den Kontakt zwischen den Schulen und den Zeitzeugen, organisiere zudem gemeinsam mit dem Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) Fortbildungen für Lehrkräfte, die Zeitzeugen im Unterricht einsetzen wollten, und halte Materialien zur Planung und Organisation von Zeitzeugengesprächen bereit. "Schon jetzt gibt es einen Grundstock an Zeitzeugen, die für eine Vermittlung in Frage kommen", hielt Ebling fest und ergänzte: "Ich bin aber überzeugt, dass es landesweit noch sehr viele, bislang unbekannte Menschen gibt, die als Zeitzeugen in den Schulen eingesetzt werden könnten und dazu auch bereit wären. Alle Hinweise auf solche Menschen sind der Koordinierungsstelle im PZ daher hochwillkommen."

Der Vorsitzende des Geschichtslehrerverbandes Rheinland-Pfalz, Dr. Ralph Erbar, der maßgeblich an der Entwicklung des neuen Projektes beteiligt war, unterstrich: "Gespräche mit Zeitzeugen im Unterricht können die Beschäftigung mit schriftlichen Aufzeichnungen, Dokumenten, Karten und anderen Arbeitsmaterialien nicht ersetzen, sie bereichern den Unterricht aber um eine Dimension, die ansonsten nie erreicht werden könnte, nämlich um den direkten menschlichen Kontakt und die Erfahrungen von Menschen." Das Spektrum der Themen für Gespräche mit Zeitzeugen sei dabei sehr breit: Die Zeit des Nationalsozialismus, der demokratische Aufbau Deutschlands nach 1945, die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, die historische Entwicklung der Immigration, die 68-er Studentenrevolte, die Friedensbewegung und natürlich die deutsche Teilung und Wiedervereinigung kämen dafür in Frage. "Aber auch schon in der Grundschule sind bei der Beschäftigung mit Themen wie beispielsweise ,Arbeit in Landwirtschaft, Handwerk und Industrie früher und heute´ oder ,Wie leben Gastarbeiter in einem fremden Land?´ Gespräche mit Zeitzeugen eine tolle Bereicherung des Unterrichts."

Kontakt zur Koordinierungsstelle des Projekts "Zeugen der Zeit" erhalten Sie über folgende E-Mail-Adressen: Steffens( at )pz.bildung-rp.de und Eymann( at )pz.bildung-rp.de


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