GEW für Kindernotgipfel
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt und unterstützt die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), einen Kindernotgipfel einzuberufen. "Dieser Gipfel ist notwendig, um das Leid und Elend der Kinder zu beenden und ein 'Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung' zu ermöglichen", sagte Norbert Hocke, Experte für Kinder- und Jugendhilfe der GEW. Die rund 600.000 in der Kinder- und Jugendhilfe Beschäftigten müssten durch ihre Interessenvertretung an dem Gipfel beteiligt sein.
10.12.2007 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft"Die Zeit der falschen Berater muss vorbei sein", unterstrich Hocke. Die fatale Vorgabe eines konservativen Familienbildes und die Kürzungspolitik der vergangenen Jahre trügen eine Mitschuld an der rechtlosen und missachtenden Situation, der viele Kinder in Deutschland ausgesetzt sind. "Der Kindernotgipfel muss ein Signal für den Neubeginn einer Kinder- und Jugendhilfepolitik setzen, die sich an den Kernsätzen des Kinder- und Jugendhilfegesetztes (SGB VIII) orientiert." Eine pauschale Kritik am System der Kinder- und Jugendhilfe, wie sie der Vorsitzende der Kinderschutzhilfe, Georg Ehrmann, geäußert habe, wies Hocke ausdrücklich zurück. Jugendämter müssten wieder zu Anwälten von Kindern, Jugendlichen und jungen Familien werden. Sie dürften nicht zum verlängerten Arm der Finanzminister gemacht werden.
"Die Rechtsstellung von Kindern und Jugendlichen muss gestärkt werden. Sie brauchen ein eigenständiges Antragsrecht gegenüber dem Jugendamt. Jugendhilfeausschüsse müssen ihre Kontrollfunktionen wahrnehmen und dürfen nicht dem Parteienmonopol geopfert werden", sagte der GEW-Experte. Landesjugendämter müssten Kontrolle und Fachberatung übernehmen. Sie dürften nicht weiter zerschlagen werden.
Kinder- und Jugendfreizeitarbeit, Jugendverbandsarbeit sowie ein Ausbau der Hilfen zur Erziehung seien das Gebot der Stunde - nicht die finanzielle Deckelung und die Erhöhung von Fallzahlen in den Jugendämtern. "Es ist ein gesellschaftspolitischer Skandal, dass ein Sozialarbeiter mehrere hundert Fälle zu betreuen hat", hob Hocke hervor.
Deutschland brauche eine Kultur der Wertschätzung gegenüber Kindern, Jugendlichen und jungen Familien. Die Idealisierung der traditionellen Familienpolitik helfe nicht weiter, ein Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung sei notwendig. "Hier muss die Gesellschaft auch finanziell Schwerpunkte setzen", betonte Hocke. "Der gerade verabschiedete Bundeshaushalt ist davon meilenweit entfernt. Wer sich nach wie vor für ein Betreuungsgeld einsetzt, anstatt die Kinder- und Jugendhilfe zu stärken, hat den Ernst der Stunde nicht erkannt."
Keine Kommentare vorhanden