Kinderrechte in der Familie stärken!
"Kinderrechte dürfen nicht allein als Schutzrechte gegen Eltern definiert werden." Diese Meinung vertrat Professor Jörg M. Fegert, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm, in seiner Laudatio aus Anlass der Verleihung des Ravensburger Medienpreises. Mit einem Preisgeld von 15.000 € zeichnete zuvor Dorothee Hess-Maier, Vorsitzende der Stiftung Ravensburger Verlag, am Montagabend in der Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg sechs Journalist/innen für ihre Wettbewerbsbeiträge zum Ravensburger Medienpreis 2006 für Bildung und Erziehung in der Familie aus (wie berichtet).
29.11.2006 Pressemeldung Gemeinnützige Stiftung Ravensburger VerlagDer Mediziner Professor Fegert, der Bundes- und Landesregierungen in Sachen Kinderschutz berät, widmete sich der Frage "Sichert Familie Kindern ihr Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung?" Die aktuell bekannt gewordenen Fälle von massiver Kindesvernachlässigung und von Missbrauch seien extreme Beispiele dafür, dass Familien überfordert sein könnten. Eltern hätten ein natürliches Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder innerhalb der Familie; andererseits müsse die staatliche Gemeinschaft lauf Artikel 6 des Grundgesetzes ihr Wächteramt ausüben, um Kindern notfalls Schutz zu gewähren – eine schwierige Balance.
Mehr Prävention in "prekären" Situationen
Eine Verfassungsänderung, wie sie derzeit in der politischen Diskussion ist, betrachtet der Kinder- und Jugendpsychiater kritisch: "Eine Änderung in Artikel 6 Grundgesetz mit eigenständigen Kinderrechten würde signalisieren, dass im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, im Binnenverhältnis von Familie grundsätzlich etwas nicht mehr stimmt und dass die Balance verändert werden müsse." Stattdessen ginge es darum,
- die Bindung zwischen Eltern und Kind gerade in "prekären" Umständen zu fördern (Steigerung der elterlichen Feinfühligkeit). Bewährt hat sich laut Fegert etwa die Methode, Alltagssituationen wie das Stillen und Wickeln eines Babys auf Video aufzunehmen, die im anschließenden Elterngespräch mehr bewirken könnten als "moralisch getönte Kommentare und Erziehungsberatung".
- das Wächteramt durch effektive interdisziplinäre Vernetzung zu stärken, indem z. B. Gesundheitsinstitutionen wie Ärzte, Hebammen, Krankenhäuser mit Sozialeinrichtungen und Jugendhilfe kooperieren, "und zwar lange bevor familiäre Situationen entgleisen und Kinder massiv gefährdet sind".
Sogar die Folgen des demografischen Wandels könnten beeinflusst werden, wenn junge potenzielle Eltern sich mit dem "Risiko Kind" und ihrer Verantwortung nicht allein gelassen fühlen müssten. "Die Balance von Erziehungs- und Beziehungskompetenz in der Familie und von ausgleichenden Hilfen und Rahmenbedingungen wird künftig für die Entfaltungsmöglichkeiten unserer Kinder stärkere Bedeutung haben", sagte Fegert. Es sei eine gemeinschaftliche Aufgabe der Familie und der Gesellschaft, Kindern einen guten Start ins Leben und ihre Entfaltungschancen zu ermöglichen.
Die Preisträger/innen
- Erster Preis (TV, 5.000 €): Luzia Schmid (Köln, 3sat/ZDF)
- Zweiter Preis (TV, 3.000 €): Barbara Trottnow (Essenheim /Mainz, 3sat/ZDF)
- Dritter Preis (Print, 2.000 €): Ismene Poulakos (Köln, Kölner Stadt-Anzeiger)
- Vierter Preis (Serie, 2.000 €): Tobias Schönpflug (Berlin, Welt am Sonntag)
- Fünfter Preis (Hörfunk, 2.000 €): Michael Lissek (Berlin, RBB Kulturradio)
- Sechster Preis (Redaktion, 1.000 €): Dr. Wolfgang Bok (Heilbronn, Heilbronner Stimme)
Weitere Informationen
Andrea Reidt, Stiftung Ravensburger Verlag, Projektleitung und Öffentlichkeitsarbeit (Telefon 0611/2046365).
Auf Wunsch Zusendung von Kopien der prämierten Beiträge:
Nähere Informationen über die Stiftungsarbeit, Wortlaut der Laudatio und "Ulmer Aufruf zum Kinderschutz" finden Sie unter www.stiftung.ravensburger.de.
Ansprechpartner
Gemeinnützige Stiftung Ravensburger VerlagPostfach 1860
88188 Ravensburg
Web: http://www.stiftung.ravensburger.de
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