Leseförderung mit digitalen Kinderbüchern?
(red) Bilderbuch ja - Computer nein, diese einfache Formel zieht nicht mehr, seitdem auch die Bilderbücher auf den digitalen Lesegeräten eine Heimat gefunden haben. Eine vorübergehende Modeerscheinung oder ein Konzept mit Zukunft? Wir haben Experten dazu befragt.
13.04.2012 ArtikelDer Oetinger Verlag gehörte zu den ersten Kinderbuchverlagen, die sich an Bilderbuch-Apps wagten. Er präsentierte vor zwei Jahren auf der Frankfurter Buchmesse die Olchis in dem modernen Format. "Mittlerweile haben wir diverse Erstlesetitel oder auch Bilderbücher als App umgesetzt", berichtet Pressesprecherin Judith Kaiser. "Wir haben die Tradition, Geschichten zu erzählen, und die sollte man auch auf anderen Kanälen zugänglich machen." Ganz aktuell beispielsweise gibt es den bekannten Kinderbuchtitel "Der kleine Pirat" von Kirsten Boie als App.
Auch die Stiftung Lesen kümmert sich längst nicht mehr nur um Kinder- oder Jugendbücher in gedruckter Form, sondern immer häufiger um deren digitale Ableger, erklärt Dr. Dirk Zorn, der bei der Stiftung den Programmbereich Kindertagesstätte leitet. "Wir verfolgen diesen Trend sehr interessiert. Und wir sehen da grundsätzlich sehr viel Potenzial, Leseförderung auch mit anderen Mitteln zu betreiben. Auch um Kinder anzusprechen, die sich vielleicht auf das klassische Buchformat nicht einlassen."
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Motivation für Kinder, die sich mit dem Lesen schwer tun
Traditionell wurden auch in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis vorgestellt. Noch handelte es sich dabei ausschließlich um Bücher in gedruckter Form. Aber das muss nicht unbedingt so bleiben, meint die Vorsitzende der Kritikerjury, Dr. Susanne Helene Becker. "Ich finde jede Idee gut, die einen neuen Anreiz zum Lesen gibt. Es gibt ja Kinder und Jugendliche, die sich mit dem Lesen schwer tun und ich glaube, dass dieses Medium eine Motivation dafür sein könnte, sich doch einmal ein Buch durchzulesen. Ich kann mir auch vorstellen, dass man das, was das digitale Medium bietet, sowohl für die Freizeit als auch didaktisch nutzen kann."
Anders als das gedruckte Buch kommen die digitalen Kinderbücher meist als komplettes Unterhaltungspaket daher: mit Text, Zeichnungen, Animationen, Spielen und als Hörbuch. Dazu kommt noch ein weiteres Tool mit einer ganz besonderen Attraktivität, meint Dirk Zorn. "Es gibt Apps, die die Möglichkeit bieten, die Geschichte vorlesen zu lassen. Wir finden aber die Varianten besser, bei denen zum Beispiel ein Vater die Geschichte einmal liest und dabei seine Stimme aufnimmt. Und das Kind kann sich hinterher die Geschichte mit der Stimme des Vaters vorlesen lassen. Denn wir wissen natürlich auch, dass sich die Berufswelt verändert und dass Eltern nicht immer diesem Anspruch gerecht werden können, die Geschichten gemeinsam mit ihren Kindern zu betrachten. Dann sagen wir: Es ist eine tolle Ergänzung in dem breiten Spektrum an Möglichkeiten, Geschichten mit Kindern zu erleben."
Lesen in jedem Medium
Noch ist der Markt für digitale Kinderbücher in Deutschland mehr als bescheiden. So sind beispielsweise unter den rund 35.000 deutschen Buchtiteln im iBook Store weniger als 200 zu finden, die sich dem Stichwort Kinderbuch zuordnen lassen. Aber immerhin: Auf der Leipziger Buchmesse 2012 luden etliche Kinderbuchverlage die Besucher auch zum Ausprobieren von Bilderbuch-Apps und zum Stöbern in digitalen Kinderbüchern ein. Zwar empfahl der in diesem Jahr von der Stiftung Lesen und der Leipziger Buchmesse ins Leben gerufene Lesekompass ausschließlich die traditionellen gedruckten Werke - unter den 30 Titeln der Liste gab es lediglich eine DVD und ein Hörbuch. Aber schon 2013 könnte es anders aussehen, bestätigt der Geschäftsführer der Stiftung Lesen, Dr. Jörg Maas. "Wir denken in der Tat gerade darüber nach, Apps zu bewerten. Denn es gibt zunehmend interessante Lese-Apps oder Vorlese-Apps. Denn es geht im Wesentlichen darum, nicht nur in Büchern zu lesen, sondern in jedem Medium zu lesen und zum Vorlesen anzuregen."
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