GEW Nordrhein-Westfalen

Weichenstellung für Inklusion mit mehr Personal und Ressourcen

Die GEW begrüßt die Neubesetzung der durch Pensionierung freiwerdenden Stellen zum Schuljahresbeginn. Die Ankündigung Schulministerin Löhrmanns, auch die zusätzlichen Personalstellen für die neuen integrativen Lerngruppen zu besetzen, ist von der GEW mit Genugtuung aufgenommen worden. Die Gewerkschaft sieht außerdem für die neuen Sekundarschulen bessere Startmöglichkeiten, weil die geplanten Fortbildungsmaßnahmen auch jetzt rasch umgesetzt werden sollen.

27.03.2012 Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen

"Es ist gut, dass die jungen Lehrerinnen und Lehrer und die Schulen jetzt eine klare Perspektive für den Schuljahresbeginn haben. Mehr Personal und mehr Fortbildung ist wichtig im Blick auf die enorme Herausforderung durch den Ausbau integrativer Schulangebote", sagte heute GEW-Landes-vorsitzende Dorothea Schäfer aus Anlass der heutigen Pressekonferenz von Schulministerin Löhrmann zu den Auswirkungen der vorläufigen Haushaltsführung auf den Haushalt des Ministeriums für Schule und Weiterbildung. Die GEW-Landesvorsitzende erklärte weiter: "Die Ressourcenfrage ist der Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Bildungspolitik. Umso unverständlicher ist, dass die CDU Stellenkürzungen vorschlägt." Ohne ausreichende personelle und sächliche Mittel sei der Umbau zu einem inklusiven Schulsystem nicht möglich. Schäfer wörtlich: "Das Projekt darf nicht auf dem Rücken der Kinder und der Lehrkräfte umgesetzt werden."

Schäfer bedauerte zugleich, dass die im Haushaltsentwurf der rot-grünen Landesregierung vorgesehenen strukturellen Verbesserungen wie die Aufstockung der Leitungszeit für Schulleiter/innen größerer Schulen, zusätzliche Ressourcen für den Erhalt kleiner Grundschulen sowie die Absenkung des Klassenfrequenzrichtwertes in den Grundschulen nicht zum Zuge kommen, da der Haushaltsentwurf im Landtag keine Mehrheit gefunden hat.

Die GEW hält den schrittweisen Ausbau integrativer Schulangebote grundsätzlich für den richtigen Weg, ein inklusives Schulsystem in NRW zu verwirklichen. Sie fordert, die Klassengröße integrativ arbeitender Klassen auf 20 Kinder zu beschränken bei maximal 5 Schüler/Schülerinnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Der Unterricht soll dabei durchgehend in Doppelbesetzung durch eine Regel- und eine Förderschullehrkraft erfolgen. Für erforderlich hält die GEW zudem eine vorlaufende Qualifizierungsoffensive für die Lehrkräfte unter Anrechnung auf die Unterrichtszeit.

Mit Blick auf die in der letzten Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichen Studie zur Finanzierung eines inklusiven Schulsystems in Deutschland und den für NRW vergleichsweise günstigen personellen Umbaukosten übte Schäfer Kritik an der Berechnung des Lehrerbedarfs und forderte: "Die erhebliche demografische Rendite, von der wegen sinkenden Schülerzahlen die Rede ist, darf nicht nur für Inklusion, sondern muss auch für andere, dringend notwendige Verbesserungen in den Schulen verwendet werden."

Für die GEW stellt der zusätzliche Bedarf an ausgebildeten Sonderpädagogen und fachlich fortgebildeten Lehrkräften ein ganz besonderes Problem dar. An den Hochschulen müssen, so Schäfer, dringend zusätzliche Studierende des Lehramtes Sonderpädagogik ausgebildet werden und dafür Kapazitäten geschaffen werden. Außerdem fehle es an einer langfristigen Koordination des immensen Fortbildungsbedarfs. Schäfer abschließend: "Die dringlich eingeschätzte breite Fortbildungsinitiative kann nur mit einem neuen Landesinstitut für Bildung vernünftig koordiniert und fachlich durchgeführt werden."


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