Weiterentwicklung des Thüringer Bildungsplans transparenter Prozess

Thüringens Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler verweist anlässlich der Behauptungen der CDU-Fraktion zur Weiterentwicklung des Thüringer Bildungsplans auf die Fakten: "Der Vorwurf der CDU-Fraktion, die Weiterentwicklung des Thüringer Bildungsplanes sei intransparent, kann nur als hanebüchen bezeichnet werden."

06.08.2015 Pressemeldung Thüringer Kultusministerium

"Seit 2011 läuft der Prozess der Erarbeitung des Bildungsplanes. Eingebunden sind Wissenschaftler, Verbände und Vereine. 150 Praxispartner haben mitgewirkt. 30 Vertreter von Bildungseinrichtungen und -vereinen, der Landeselternvertretung sowie viele andere Partner haben den Prozess in einem Fachbeirat begleitet. Auf einer eigens eingerichteten Internetseite konnte jederzeit transparent nachvollzogen werden, in welchem Stadium sich der Bildungsplan befindet, wann wichtige öffentliche Termine stattfinden und welche Ergebnisse bei den Arbeitstreffen erzielt worden sind. Diese Angebote wurde von den Bildungsexperten aus Wissenschaft und Praxis auch intensiv genutzt. Dass nicht jeder diese Möglichkeiten wahrnimmt, hat mit mangelnder Transparenz jedenfalls nichts zu tun."

Ohler verweist darauf, dass der Bildungsplan grundsätzlich keine neue Idee sei. Alle Bundesländer haben ähnliche Konzepte. "In Thüringen geht es jetzt darum, den 2008 fertig gestellten Bildungsplan bis 10 Jahre auf die gesamte Zeit des Aufwachsens zu erweitern", so Ohler. "Im Übrigen gibt es sehr viele Parallelen zwischen dem damaligen Verfahren und dem aktuellen Prozess. Damals wurden zahlreiche Experten einbezogen. Eine breite Debatte fand statt. Das ist heute nicht anders, inklusive des Internetangebotes, welches die Arbeitsschritte transparent darstellt."

Die Bildungsstaatssekretärin kündigte an, dass eine Veröffentlichung des Bildungsplans längst in Planung sei: "Im Anschluss an die rechtliche Prüfung wird gedruckt."

Hintergrund

2002 beschloss der Landtag die Einsetzung einer Enquetekommission "Erziehung und Bildung in Thüringen", die sich aus zehn Mitgliedern des Thüringer Landtages zusammensetzte. Im März 2004 legte diese Kommission ihren Abschlussbericht dem Thüringer Landtag mit der Empfehlung vor "einen verbindlichen Bildungsrahmenplan für den Elementarbereich zu entwickeln."

Ein wissenschaftliches Konsortium wurde beauftragt den Bildungsplan zu entwerfen, nach einer Erprobung durch 111 Praxispartner erfolgten eine Überarbeitung des Entwurfes sowie dessen rechtliche Prüfung. Die Konzeption des Bildungsplanes wurde auf den Elementarbereich (Grundschule) erweitert, um den Übergang von der frühkindlichen Bildung zur Grundschulbildung zu erfassen. Den Prozess begleitete ein Beirat, dem 30 Vertreterinnen und Vertreter einschlägiger Institutionen, Verbände und Organisationen angehörten. Die Fertigstellung des Bildungsplanes erfolgte 2008.

Insbesondere für den Übergang zur Schule brachte der "Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre" positive Erfahrungen. So zeigte sich, dass die wissenschaftlich fundierte Gestaltung von Übergängen und Schnittstellen zwischen Bildungsbereichen von Vorteil für die pädagogische Praxis ist. Deshalb beauftragte das Thüringer Bildungsministerium 2011 erneut eine Expertengruppe mit der Fortschreibung des Bildungsplanes nun bis zum Alter von 18 Jahren. Grundgedanke dieser Entscheidung war auch die Gestaltung von Übergängen im schulischen und zu außerschulischen Bildungsbereichen in ein pädagogisches Konzept zu fassen. Naturgemäß wurden mit der Erweiterung des Bildungsplanes auf das Jugendalter die Themenbereiche ergänzt. Auch ganz neue Aspekte, wie die Medienbildung, kamen hinzu.

Beim Verfahren der Entwicklung des erweiterten Bildungsplanes wurde auf die Erfahrungen des ersten Bildungsplanes zurückgegriffen. Fast exakt die identischen Institutionen wurden beteiligt. Das Konsortium setzt sich aus neun Professorinnen und Professoren zusammen. Im Fachbeirat begleiteten über 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Bildungsinstitutionen, Verbänden und Elternschaft die Erarbeitung des Bildungsplanes. Über 150 Praxispartner aus den unterschiedlichsten pädagogischen Bereichen haben in der Evaluationsphase wichtige Impulse geliefert.

Inzwischen liegt die Entwurfsfassung eines "Thüringer Bildungsplans für Kinder bis 18 Jahre" dem Bildungsministerium vor. Diese Fassung wird – wie von Anfang an geplant – nach der rechtlichen Prüfung im Herbst 2015 veröffentlicht.

Von seinem Status her ist der Bildungsplan kein Lehrplan, kein Gesetz und keine Verordnung. Er ist ein pädagogischer Orientierungsrahmen, der auf wissenschaftlicher Basis beruht. Insbesondere im frühkindlichen Bereich gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine pädagogischen Leitdokumente mit diesem Anspruch. Der "Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre" erwies sich in der Praxis – auch aufgrund eines intensiven Implementierungskonzeptes – als großer Erfolg.

Der erweiterte Bildungsplan richtet sich an alle im Bereich Pädagogik und Erziehung Tätigen. Im Bereich der Kindergärten gibt der Bildungsplan einen Rahmen vor. Das hat der Landtag 2005 entschieden.

Für die Schulen gilt: Zentral für die inhaltliche Ausgestaltung des Unterrichts und rechtlich verbindlich sind und bleiben die Thüringer Lehrpläne. Hier werden Lernziele und Kompetenzbereiche ausgewiesen, die für das spätere Leben der Kinder und Jugendlichen wichtig und notwendig sind. Mit anderen Worten: In Form der Lehrpläne werden die gesellschaftlichen Erwartungen an Schule und somit an die Schülerinnen und Schüler zum Ausdruck gebracht. Der Thüringer Bildungsplan betont umgekehrt die Perspektive jedes Kindes bzw. jedes Jugendlichen und ihre Erwartungen an Schule und Bildung, auch mit dem Fokus auf ihre individuellen Bedürfnisse und Entwicklungslagen. In diesem Sinn ergänzt der Bildungsplan die Lehrpläne sinnvoll; er unterstützt die Arbeit der Thüringer Lehrerinnen und Lehrer. Dies gilt insbesondere dann, wenn Schulen mit außerschulischen Einrichtungen (Bildungsträgern, Kindertagesstätten usw.) zusammenarbeiten, was oft der Fall ist. Eine gemeinsame Perspektive auf Kinder und ein abgestimmtes pädagogisches Verständnis erleichtern die Zusammenarbeit.

Die Implementierung des "Thüringer Bildungsplanes bis 18 Jahre" ist als langfristiger Prozess angelegt, in dem unterschiedliche, aufeinander aufbauende Ziele verfolgt werden. Klar ist, dass eine solche Implementation nur schrittweise und über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen kann. Eine flächendeckende Einführung des Bildungsplans zum neuen Schuljahr 2015/16 war zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.

Vom Mai 2014 bis Februar 2015 lief die Praxisphase. In dieser Zeit wurden Lesbarkeit, praktische Relevanz und weitere Kriterien mit einer Auswahl von Praxispartnern geprüft. Die gesammelten Erfahren mündeten in einen überarbeiteten Entwurf des Bildungsplanes, dessen Erstellung bis zum Juni 2015 erfolgte.

Derzeit erfolgt eine Bewertungsphase, in welcher der überarbeitete Entwurf durch die Fachreferate des Bildungsministeriums analysiert wird. Inhaltlich stehen dabei zwei Aspekte im Vordergrund. Zum einen erfolgt durch die Ausweitung der Bezugsgruppe auf Jugendliche bis 18 Jahre eine Ausweitung der betroffenen Akteursgruppen bzw. Bildungseinrichtungen. Neben den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen werden nun auch weiterführende Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe adressiert. Zum anderen erfolgten durch die Ausdifferenzierung des Kapitels "Soziokulturelle, moralische und religiöse Bildung" in drei eigenständige Bildungsbereiche (Philosophisch-weltanschauliche Bildung, Religiöse Bildung, Zivilgesellschaftliche Bildung) sowie durch die Erarbeitung eines eigenständigen Kapitels zur Medienbildung Änderungen in den bisherigen Ausführungen. Die Bewertungsphase soll bis zum Herbst 2015 abgeschlossen sein.

Dem schließt sich ab Ende 2015 bis 2017 eine Informationsphase an, in der durch zielgruppenspezifische Fortbildungen und Veranstaltungen zentrale Akteure der Unterstützungs-, Beratungs- und Informationssysteme in Thüringen erreicht werden. Gemeinsam mit diesen Akteuren der Bildungspolitik (Fachberatung für Kita und Schule, Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Schulämter, LIGA und Landesjugendhilfeausschuss) wird die Überführung des Bildungsplanes in die Praxis vorbereitet. So ist etwa die Erarbeitung zusätzlicher Materialien vorgesehen und die Eruierung von Fortbildungsbedarfen geplant. Gleichzeitig wird in den jeweiligen Bereichen der Akteure eine stetig wachsende Zahl an Personen und Einrichtungen über den "Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre" informieren.

Ab 2017 startet dann die Transferphase. Aufgabe der Transferphase ist es, für eine nachhaltige Verankerung des "Thüringer Bildungsplanes bis 18 Jahre" in der schulischen und außerschulischen Praxis zu sorgen.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden