Zahlen, bitte!

Sie ist faszinierend und spannend: Die Welt der Zahlen. Von der Glückszahl über Telefonnummern bis zur Gehaltsabrechnung wird unser Alltag von Zahlen bestimmt. Dass Zahlen nicht langweilig sein müssen, kann jeder in einer großen Ausstellung des Heinz Nixdorf MuseumsForums in Paderborn vom 1. Februar bis 18. Mai 2008 erleben.

09.11.2007 Pressemeldung Heinz Nixdorf MuseumsForum GmbH

Im "Jahr der Mathematik" präsentiert das HNF auf 700 Quadratmetern "Zahlen, bitte! Die wunderbare Welt von null bis unendlich". Die Ausstellung spannt in zehn Bereichen einen breiten Bogen, von der Kulturgeschichte der Zahl über die Vermessung der Welt bis hin zur Geschichte des Glücksspiels. Sie bietet einen Zahlenzirkus und Einblicke in das Können der Zahlenmeister, beantwortet die Frage, ob Tiere rechnen können und erklärt wie bei anderen Völkern gerechnet wird.

"Unsere Ausstellung ist ein wesentlicher Beitrag zum Jahr der Mathematik. Sie war schon länger geplant. Zahlen sind ja elementarer Gegenstand und Grundlage der gesamten Computertechnik," erläutert Norbert Ryska, HNF-Geschäftsführer und Projektleiter von "Zahlen, bitte!".

Weit über 100 Exponate bieten eine informative und unterhaltsame Reise durch die Welt der Zahlen und der Mathematik. Darunter befinden sich Leihgaben aus den USA, Deutschland und Belgien. Mehrere Inszenierungen laden die Besucher zum Mitmachen ein. Multimediale Stationen und Installationen nutzen moderne Präsentationstechniken.

Der Eintritt zu "Zahlen, bitte!" beträgt vier Euro, ermäßigt zwei Euro und ist für Schulklassen nach vorheriger Anmeldung kostenlos. Insgesamt werden über 40.000 Besucher erwartet.

Die Eröffnung findet am 31. Januar statt. Im Rahmen eines Countdowns werden u.a. Hans Magnus Enzensberger, BMBF-Staatssekretär Frieder Meyer-Krahmer, verschiedene Künstler und der international bekannte Mathematiker Don Bernhard Zagier vortragen.

Rundgang durch die Ausstellung

Bevor der Rundgang beginnt, werden die Besucher mit einem akustischen Countdown auf der Rolltreppe zur Ausstellung begleitet. Dort erwartet sie die Collage aus Videobildern "Zahlen in Bewegung", die von einem Forscherteam aus Graz speziell für die Ausstellung mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen wurde.

Im folgenden Zahlenzirkus kommen nicht nur Kinder auf ihre Kosten. Historisches Spielzeug führt vor Augen wie früher Rechnen geübt wurde. Graf Zahl zeigt, wie es heute geht. Wie man durch das Fallenlassen von Mikadostäbchen Pi berechnet oder welche Bedeutung Zahlen in der Musik haben, erfahren die Besucher in diesem Bereich spielerisch. Wer will, kann sich selber messen oder Zahlen malen. Exklusiv für die Ausstellung hat die Karlsruher Künstlerin Patricia Waller eine Schafzählmaschine entwickelt und eine Zahlen-Ananas gehäkelt, die auf die spezifische Verteilung der Schuppen nach der Fibonacci-Folge verweist.

Welchen Umgang mit Zahlen haben Naturvölker? Welche Zahlsysteme gibt es überhaupt? Dies sind nur zwei Fragen, die in dem Bereich Kulturgeschichte der Zahl beantwortet werden. Es können die Entwicklungen der Kulturen nachverfolgt werden, die am meisten zur Entwicklung der Welt der Zahlen beigetragen haben. Das Naturwissenschaftliche Museum in Brüssel hat für das HNF eine detailgenaue Nachbildung des Ishango-Knochens, des vermutlich ältesten mathematischen Objekts der Welt, angefertigt. Das zehn Zentimeter große "Kerbholz" ist vermutlich 20.000 Jahre alt.

Jeder kennt den Satz des Pythagoras. Auch von Archimedes und Gauß haben die meisten schon einmal gehört. Doch was war die besondere Leistung von Leonard Euler? Wer verbirgt sich hinter dem Genie Srinivasa Ramanujan? Die Besucher begegnen in der Galerie der Zahlenmeister zehn Mathematikern und ihren wegweisenden Arbeiten aus der Welt der Zahlen.

In kaum einem anderen Bereich spielen Zahlen eine so bedeutende Rolle wie bei der Vermessung der Welt. Die Ausstellung zeigt Instrumente und Werkzeuge der Landvermessung wie Sextanten und Atlanten. Besonders augenfällig wird die Bedeutung von Zahlen bei See- und Wetterkarten. Die Besucher können sich mit Hilfe eines interaktiven Zahlenfernrohrs als Landvermesser betätigen und Entfernungen in der Ausstellung entlang eines Zahlenstrahls messen. Ein Globus verdeutlicht die Entwicklung und Bedeutung des Koordinatensystems.

Auch in der Natur spielen Zahlen eine bedeutende Rolle. Offensichtlich wird dies bei einigen Kristallen, den einzigen natürlich vorkommenden platonischen Körpern. Das Aussehen der Blüten von Sonnenblumen, Tannenzapfen oder Blumenkohl wird von einer mathematischen Folge, der so genannten Fibonacci-Folge, bestimmt. Sie bildet die Grundlage des Goldenen Schnitts, der nicht nur antiken Gebäuden, sondern auch dem Gehäuse des Nautilus zugrunde liegt. Aber auch bei anderen Tieren haben Zahlen ihre Bedeutung wie nicht nur Bienenwaben und Facettenaugen von Insekten zeigen.

In dem Bereich Theorie der Zahl wird die Struktur des Zahlsystems vorgestellt. Es geht um die Entdeckung der Null, die rätselhaftesten Zahlen – die Primzahlen – und natürlich darf auch Pi nicht fehlen. Dabei erfahren die Besucher einige überraschende Tatsachen aus der Welt der Zahlen. Denn wer weiß schon, dass es erstaunlich viele Methoden gibt, um Pi zu bestimmen, dass die größte bekannte Primzahl vier Millionen Stellen hat und Insekten zu ihrem Schutz Primzahlen nutzen? Ein kurioses Exponat ist ein "mechanisches Zahlensieb" aus Fahrradketten, mit dem man Gleichungen lösen kann. Erfunden hat es der US-amerikanische Zahlentheoretiker Derrick Lehmer 1926. Das Computer History Museum in Kalifornien hat dem HNF seinen Nachbau zur Verfügung gestellt.

Wohl kaum ein anderes Gebiet aus der Welt der Zahlen übt eine solche Faszination aus wie die Glückszahlen. Im Mittelpunkt des Bereichs steht ein Roulettekessel. Hier findet sich auch einer der ersten "Wearable Computer", der 1955 von Edward Thorp und Claude Shannon entwickelt wurde, um die Rotation und den Kugellauf beim Roulette zu analysieren. Es ist eine bedeutende Würfelsammlung von Westlotto zu sehen, aber auch eine Auswahl historischer Würfelmaschinen. Das beliebteste Glücksspiel der Deutschen wird umfangreich gewürdigt. Historische Lottoziehungsgeräte stehen neben einer Maschine des Hessischen Rundfunks. Die Besucher erhalten Tipps für eine erfolgreichere Auswahl der Lottozahlen. Die Wahrscheinlichkeit für sechs Richtige (mit Superzahl) beträgt etwa 1:160.000.000 – genauso unwahrscheinlich ist es, einen Tresor mit Zahlenschloss zufällig zu öffnen, was die Besucher gleich selbst ausprobieren können. Dass "echte" Zufallszahlen nur in der Natur vorkommen und zwar beim radioaktiven Zerfall, zeigt ein Gerät, das die natürliche Radioaktivität im Raum misst.

Zahlzeichen gehören zu den ältesten Spuren menschlicher Schrift. Schon in der Altsteinzeit finden wir sie als Kerben in Knochen. Viele Kulturen und Naturvölker kamen mit einem reduzierten Zahlensystem aus. So rechneten manche Völker der Südsee mit Werten von maximal zehn. Im Bereich Völkerkunde der Zahl wird gezeigt, wie die Eipo auf Neuguinea mit ihrem Körper Zahlen anzeigen. Aber auch das "händische Zählen" im Mittelalter wird verdeutlicht. Eine interaktive Installation von Tobias Grewenig stellt den heutigen Menschen in Zahlen dar.

Wir sind umgeben von Zahlen: Vom Verkehrsschild über die Uhr bis zum Telefon. Zahlen im Alltag ist daher ein Bereich überschrieben. Die Videoinstallation "Watch Berlin" besteht aus einer typologischen Sammlung unterschiedlicher Zahldarstellungen des Berliner Alltags; Fotos und Videos bilden eine Digitaluhr, die ständig neu zusammengestellt wird. Wer nicht glaubt, dass es Radiosender gibt, auf denen nur Zahlen zu hören sind, kann sich selbst überzeugen. Eine "Zählerwand" illustriert die Vielfalt von Mess- und Zählgeräten.

Tiere wie Delphine, Menschenaffen oder Kolkraben entwickeln ein Gefühl für Zahlenverhältnisse. Doch auch wenn andere Tiere nicht rechnen können, haben sie oft etwas mit Zahlen zu tun, wie die liebevollen Bilder der Berliner Illustratorin Nadia Budde zeigen. Und auch der Avatar Max aus der Dauerausstellung lernt für die Sonderausstellung rechnen. So wird er Primzahlen erläutern und den Besuchern ihre persönliche Lottozahl nennen.

Im Ausgangsbereich der Ausstellung begegnen die Besucher einer "Unendlichkeitsmaschine", einem beeindruckenden Beispiel mechanisch veranschaulichter Mathematik: Während sich das erste Zahnrad mit 200 Umdrehungen pro Minute dreht, hat sich innerhalb einer Umdrehung des letzten Zahnrades das Alter des Universums verhundertfacht. Das HNF hat diese Idee des US-amerikanischen Künstleringenieurs Robert Ganson nachgebaut.

Zum Abschluss verblüfft die Besucher das "Hilbert-Hotel", die Inszenierung eines Paradoxons über die Unendlichkeit.


Weiterführende Links

  • Homepage 'Zahlen, bitte!' (HNF)

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