Digitales Lernen

Kurzschluss!

Das „Festival für digitale Bildung“ gefährdet unsere Kinder – und ist kein Grund zum Feiern! Gemeinsame Stellungnahme vom Bündnis für humane Bildung und der Allianz ELIANT.

28.06.2018 Bundesweit Pressemeldung Bündnis für humane Bildung
  • © www.pixabay.com

Das „Festival für digitale Bildung“ setzt ein völlig falsches Zeichen: „Sein Motto ‚Bildung ist Zukunft und Zukunft ist digital` läuft auf einen gedanklichen Kurzschluss hinaus“, sagt Prof. Ralf Lankau vom Bündnis für humane Bildung. Der Grund: „Unsere Zukunft ist hoffentlich nicht digital, sondern human und demokratisch.“ Bildung müsse immer Menschen in den Mittelpunkt stellen – und auf keinen Fall technische Systeme.

Das „Festival für digitale Bildung“ findet am 4. Juli 2018 in Heidelberg statt, organisiert von der Landesregierung Baden-Württemberg. „Eigentlich ist es eine Werbeveranstaltung der IT-Branche, um sich das Geschäftsfeld Schule zu sichern“, kritisiert das Bündnis für humane Bildung und die Allianz ELIANT.

Prof. Lankau: „Die Bildungspolitik muss sich endlich von ihrer Fixierung auf den Fetisch Digitaltechnik lösen.“ Dieses Festival konzentriere sich einseitig auf digitale Medien für alle Altersgruppen - und ignoriere wesentliche Erkenntnisse moderner Entwicklungspsychologie. „Lehrer müssen selbst entscheiden, ob und wann sie digitale Medien im Unterricht sinnvoll einsetzen“, so Prof. Lankau, „immer passend zur kognitiven Entwicklung der Kinder.“ Daher fordert sein Bündnis mit der Allianz ELIANT, in Europa die Wahlmöglichkeit für digitalfreie Kindergärten und Grundschulen zu erhalten.

„Wir haben europaweit in 38 Sprachen eine Petition zu diesem Thema gestartet“, erläutert Dr. Michaela Glöckler, Kinderärztin und Präsidentin von ELIANT. „Natürlich sehen wir auch die Notwendigkeit, dass Schulen umfassend digitale Kompetenzen vermitteln - aber alles zu seiner Zeit!“ Es gäbe so viele kreative Alternativen fürs Lernen, „damit Kinder vor allem realweltliche Bildungserfahrungen machen, wie sie für eine gesunde Gehirnentwicklung das Beste sind.“, so Dr. Glöckler. „Kinder haben ein Recht auf altersgerechtes Lernen und die Entwicklung des komplexen Zusammenspiels von Kopf, Herz und Hand“, sagt die Präsidentin von ELIANT. Vielfältige Sinneseindrücke in der realen Welt und reiche motorische Erfahrungen seien die entscheidenden Grundlagen, damit Strukturen im Großhirn ungestört reifen.

„Digitale Medien sind Entwicklungs- und Zeitfresser. Sie erzwingen Anpassungsprozesse, die einer authentischen Selbstwirksamkeit zuwiderlaufen“, so die Kinderärztin. Selbstständiges Denken und unternehmerisches Handeln seien jedoch die Voraussetzung, damit Jugendliche später gut mit digitalen Medien arbeiten. „Schüler in der Grundschule brauchen keine Tablets, sondern Anregungen zum eigenständigen Beobachten und Tun – in der Natur, durch Kunst, Sport und handwerkliches Arbeiten“, so die Präsidentin von ELIANT.

Kein Wunder, so Prof. Lankau, dass gerade IT-Pioniere mit dem Thema in ihren Familien anders umgehen: „Steve Jobs gab strenge Regeln vor – und Bill Gates erlaubte seinen Kindern erst mit 14 Jahren ein eigenes Handy!“

Zur Petition: www.aufwach-s-en.de/2018/03/petition-eliant-und-buendnis-fuer-humane-bildung/#more-1085

Über das Bündnis für humane Bildung

„Bündnis für humane Bildung“: Hochschullehrer, Wissenschaftler und engagierte Bürger gründeten 2017 das „Bündnis für humane Bildung“, um zukunftsfähige Alternativen zur „digital gesteuerten Lernfabrik 4.0“ zu entwickeln. Ihre Überzeugung lautet: Bildung lässt sich nicht digitalisieren! Digitale Instrumente können Bildungsprozesse nur unterstützen. Website: www.aufwach-s-en.de

Über ELIANT

Allianz ELIANT: 2006 gründeten zehn europaweit tätige Dachorganisationen die „Europäischen Allianz von Initiativen angewandter Anthroposophie“ (ELIANT). Die Allianz setzt sich auf verschiedenen Lebensgebieten und Arbeitsfeldern für mehr Lebensqualität und kulturelle Vielfalt in Europa ein. Website: https://eliant.eu/home


Mehr zum Thema


Schlagworte

Ein Kommentar vorhanden

  • Joseph Lorenz 20.08.2018 15:41 Uhr
    "Kinder haben ein Recht auf altersgerechtes Lernen" (Michaela Glöckler)

    Frau Glöckler ist die führende esoterische "Medizinerin" in Deutschland. Den Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner verehrt sie als einen "Propheten", der in die Zukunft sehen konnte. Ihre medizinische Karriere basiert auf Pseudowissenschaft, Karma und Reinkarnation. Und genau das meint sie auch, wenn sie von "altersgerechtem Lernen" spricht: Der Mensch reinkarniert in Jahrsiebt-Schritten, also darf nur gelehrt werden, was zum aktuellen Wiedergeburts-Status des Kindes passt. Krankheiten (auch Linkshändigkeit!) basieren generell auf Verfehlungen aus den letzen vier vorherigen Leben. Das uns mehr liest man in Ihrem Bestseller "Kindersprechstunde".

    Dass Frau Glöckler mit Händen und Füssen gegen alles Digitale kämpft, ist ihrer Karriere in der Anthroposophie geschuldet. Sogar Fernsehen, so Glöckler, führt Kinder in die Drogensucht.

    Wie man mit Kleinkindern umgeht, die nachts "Theater machen", weiß Glöckler auch: Sicherung herausdrehen und das Kind konsequent alleine einsperren, notfalls mit einem Besenstiel, der unter die Türklinke geklemmt wird. (Kindersprechstunde im Verlag Urachhaus, Kapitel Einschlafprobleme, Seiten 508-509).

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden