30.000 Grundschulkinder schrieben der Stiftung Lesen ihre "Wunschzettel an Eltern"
Zwei linke Füße beim Kicken, zwei linke Hände beim Kochen? Eltern, die sich in dieser Beschreibung wieder finden, können aufatmen. Sportasse und Spitzenköche sind für deutsche Kinder offenbar nicht die idealen Eltern, sondern solche, denen die Meinung ihrer Kinder wichtig ist – und die sich vor allem auch für ihre Freunde interessieren. Das ist das Fazit einer gemeinsam von der Stiftung Lesen und dem Filmverleih United International Pictures initiierten Umfrage unter deutschen Grundschülern, an der 30.000 Kinder teilnahmen.
26.01.2006 Pressemeldung Stiftung LesenSie ist Teil einer bundesweiten medienpädagogischen Kampagne zum Kinostart der Kinderbuchverfilmung "Eine zauberhafte Nanny" (Filmstart: 2. Februar). Ein Fragebogen mit neun Wünschen deckte ein breites Spektrum von möglichen Elterntugenden ab: von "öfter mal was richtig Leckeres kochen" über "bei den Hausaufgaben helfen" und "Sport machen" bis hin zu "mir zuhören" und "auch mal zugeben, wenn sie was falsch gemacht haben". Die Kinder konnten die Wünsche nach Wichtigkeit ordnen – von "sehr wichtig" bis "gar nicht wichtig".
Die Ergebnisse: Drei von vier Kindern ist es besonders wichtig, dass ihre Freunde zu Hause willkommen sind. Denn der Wunsch "Ich wünsche mir von Eltern, dass sie meine Freunde mal einladen – nicht nur am Geburtstag" wurde von 75,5 Prozent aller Kinder als "sehr wichtig" eingestuft. Dieser Spitzenwert wird dicht gefolgt vom Wunsch nach "Zuhören und ohne Hektik über Sachen reden, die mich interessieren (74,1 Prozent). Dem gegenüber liegen die Wünsche "mit mir zusammen draußen spielen oder Sport machen" und "öfter mal was richtig Leckeres kochen" auf den hinteren Plätzen 7 bzw. 8.
"Die Werbung suggeriert, dass vor allem cooles Verhalten im richtigen Sportdress oder das perfekte Menü auf dem Esstisch bei Kindern zählen", erklärt Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen. "Die Zahlen unserer Umfrage zeigen, dass dieses Bild wenig mit der Realität zu tun hat. Kinder wollen etwas ganz anderes: nämlich Eltern, die Zeit haben, die zuhören – und auch mal einen Fehler zugeben." Allerdings wäre es ein Missverständnis zu glauben, dass Kinder gar nicht verwöhnt oder beim gemeinsamen Herumtoben draußen gefordert werden wollen: Alle neun Wunsch-Möglichkeiten wurden von jeweils über 50 Prozent der Kinder als "sehr wichtig" eingestuft. Und vor allem diejenigen Eltern, die gerade ihren Jahresurlaub planen, können davon ausgehen: Egal wohin die Reise geht – sie selbst sind für ihre Kinder die Urlaubsattraktion schlechthin. Mit 72 Prozent bei den "Sehr wichtig"-Nennungen kam die Aussage "Ich wünsche mir von Eltern, dass sie sich im Urlaub richtig Zeit für mich nehmen" immerhin auf Rang drei. Und nur 5 Prozent der Grundschüler fanden diesen Wunsch "nicht wichtig" – so wenige wie bei keiner anderen Frage.
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