Böger und Flierl eröffnen Geschichtspfad zur Historischen Kommentierung des Böger und Flierl eröffnen Geschichtspfad zur Historischen Kommentierung des Olympiageländes

Vor 70 Jahren, im August 1936, fanden die Olympischen Spiele in Berlin statt. Aus diesem Anlass haben heute Sportsenator Klaus Böger und Kultursenator Thomas Flierl den Geschichtspfad über 45 Stationen mit zweisprachigen Informationstafeln zur Historischen Kommentierung des Olympiageländes eröffnet.

18.08.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Die Senatssportverwaltung erwartet ein großes Besucherinteresse und beabsichtigt, als zusätzliches Angebot für Besucher Führungen zur Geschichte des "Reichssportfeldes" anzubieten. Ab Anfang September wird zusätzlich jedermann die Möglichkeit haben gegen ein geringes Entgelt (1 Euro) den Olympiapark zu besichtigen und auch die innen liegenden Stationen des Rundgangs anzuschauen.

Das ehemalige "Reichssportfeld" in Berlin-Charlottenburg ist für die Olympischen Sommerspiele von 1936 erbaut worden. Als fast vollständig erhaltenes "Gesamtkunstwerk" ist die Sportanlage das einzig fertig gestellte Großbauprojekt aus den Anfangsjahren des Nationalsozialismus. Daher gilt das ehemalige "Reichssportfeld" international als eines der bedeutendsten Zeugnisse der nationalsozialistischen Bau- und Kunstpolitik und als Garten- und Baudenkmal von europäischem Rang. Darüber hinaus dokumentiert die Anlage ein Jahrhundert Sportgeschehen und Sportpolitik in Berlin.

Im Zuge der Planungen zur Grundsanierung des Olympiageländes verfolgt das Land das Ziel, Besucherinnen und Besucher des ehemaligen "Reichssportfelds" über die Entstehungsgeschichte der Sportanlage zu informieren und ihnen eine reflektierte Auseinandersetzung mit den historischen Kunstwerken und Baulichkeiten sowie den politischen Hintergründen ihrer Entstehung zu ermöglichen.

Der erste Teil des Geschichtspfades

Der erste Teil der Historischen Kommentierung (nämlich des Konzessionsgeländes des Olympiastadions) ist bereits im Sommer 2005 fertiggestellt worden: Der Geschichtspfad führt die Besucher zu 26 Stationen, an denen Tafeln mit historischen Fotos und knappen, zweisprachigen Erläuterungstexten (deutsch/englisch) über die Geschichte des Stadions, seine baulichen Besonderheiten und den erhaltenen Skulpturenschmuck informieren. Ergänzend werden mittels einer Multimedia-Darstellung auf Monitoren in der Lichtsäule auf dem Olympischen Platz (Architekten Zerr-Hapke-Nieländer) vertiefende Informationen und ein Gesamtüberblick angeboten.

Der zweite Teil des Geschichtspfades

Zur Vollendung der Historischen Kommentierung war der zweite Teil des Geschichtspfades wichtig, der die Besucher und Besucherinnen z. B. durch das Schwimmbad, das Maifeld, das Sportforum, die ehemalige Villa des "Reichssportführers" und die Waldbühne führt. Bereits zur FIFA WM waren alle Erläuterungstafeln aufgestellt worden, wenn auch wegen der Sicherheitsmaßnahmen während der WM noch kein kompletter Rundgang für die Besucher des Stadions möglich war. Die 19 Tafeln des zweiten Teils "Olympiapark" stehen an folgenden Standorten:

1.a+b Deutsches Sportforum (2x)
2. Haus des Deutschen Sports
3. Friesenhof
4. Jahnplatz
5. Pfeilerhalle mit "Zehnkämpfer" und "Siegerin"
6. Arzthaus
7. Sportflächen an der Friedrich-Friesen-Allee
8. Hockey- und Tennisstadion
9. Faustkämpfer (Statue im Familienbad)
10. Schwimmstadion
11. Annaheim
12. Dienstvilla des Reichssportführers
13. Maifeld
14. Waldbühne
15. Reliefs am Eingang Waldbühne
16. Glockenturm und Langemarckhalle
17. Reiterstadion
18. Coubertinplatz

Projektkoordination und wissenschaftliche Vorbereitung

Die Projektkoordination und die wissenschaftliche Vorbereitung lag beim Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V.. Beide Teile des Geschichtspfades waren von vornherein nach demselben Konzept geplant, sodass im Ergebnis die Historische Kommentierung des Olympiageländes als einheitlicher Geschichtspfad einen stimmigen Gesamteindruck ergibt.

Finanzierung

Der erste Teil des Geschichtspfades ist durch Kunst-am-Bau-Mitteln des Landes Berlin in Höhe von 200.000 Euro finanziert worden. Die Komplettierung des Rundgangs wurde ermöglicht durch eine großzügige Förderung (68.000 Euro) seitens des Deutschen Fußball-Bundes, der sich über die Nationale DFB Kulturstiftung an der Finanzierung des Projekts zur Hälfte beteiligte. Die andere Hälfte wurde anteilig aus dem Hauptstadtkulturfonds (26.000 Euro) sowie aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (42.000 Euro) finanziert.

Senator Klaus Böger: "Für die Berlinerinnen und Berliner sowie für unsere Gäste ist der Olympiapark ein Highlight. Die bauliche Hinterlassenschaft des ehemaligen "Reichssportfelds" mit dem Olympiastadion im Zentrum und einer Vielzahl erhaltener Skulpturen bietet eine einmalige Chance geschichtliche Prozesse, zu verstehen."

Senator Dr. Thomas Flierl: "Die XI. Olympischen Sommerspiele von 1936 waren lange vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten an das demokratische Deutschland vergeben worden, das Dritte Reich konnte sie dann veranstalten und propagandistisch zur Aufwertung des eigenen Regimes nutzen. Mit der jetzt allen Besuchern zugänglichen Darstellung der realen Geschichte des Olympiageländes im Geschichtspfad und der Ausstellung an der Langemarckhalle hat die Demokratie sich dieses Areal endgültig zurückerobert."

Berlin, 17. August 2006

Anlage

Historische Kommentierung des Berliner Olympiageländes:

45 Informationstafeln zur Geschichte der Sportanlagen im Auftrag des Landes Berlin vertreten durch die Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Sport Wissenschaft, Forschung und Kultur Stadtentwicklung

19 Informationstafeln und ein zweisprachiger Infoflyer wurden gefördert durch die Nationale DFB-Kulturstiftung WM 2006 gemeinnützige GmbH, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin sowie den Hauptstadtkulturfonds

Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V.
Berlin 2005/06

Konzeption, Recherche, Text und Redaktion
Prof. Dr. Stefanie Endlich
Monica Geyler-von Bernus (Projektleitung)
Beate Rossié

Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Hans-Ernst Mittig, Berlin
Prof. Dr. Reinhard Rürup, Berlin (Vorsitz)
Prof. Dr. Wolfgang Schäche, Berlin
Dipl. Ing. Arch. Helga Schmidt-Thomsen, Berlin
Prof. Dr. Hans Joachim Teichler, Potsdam

Übersetzung
Robin Benson, Berlin
Don Mac Coitir

Gestaltung
Atelier Berthold Weidner, Stuttgart


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden