Böger verstärkt Jugendsozialarbeit an Hauptschulen

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport fördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) Projekte der Jugendsozialarbeit an Berliner Hauptschulen. Gemeinsame Projekte der Hauptschulen mit freien Trägern der Jugendhilfe werden durch mindestens eine/n Sozialpädagogen/in unterstützt. Heute findet die erste Informationsveranstaltung für Hauptschulen, Freie Träger und Jugendämter statt.

26.01.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Bildungssenator Klaus Böger betonte: "PISA 2003 zeigte erneut, dass die Leistungen vieler Hauptschüler nicht ausreichend ist. Dort ballen sich eine Vielzahl von sozialen Problemen. Deshalb müssen wir die Arbeit an den 58 Berliner Hauptschulen stärken. Dazu wollen wir freie Träger der Jugendhilfe einbinden, die Erfahrung mit der Arbeit an Schulen haben. Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Schulen und Jugendarbeit zu verbessern. Wir müssen leistungsschwache und benachteiligte Schülerinnen und Schüler frühzeitiger als bisher fördern – bevor es zu spät ist. Mit diesem Projekt nehmen wir einen weiteren wichtigen Schritt in der Umsetzung des Berliner Arbeitsprogramms Hauptschulen."

Aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) stellt die Bildungsverwaltung im Einstiegsjahr 2006 500.000 Euro zur Verfügung. Damit lassen sich zunächst ca. 15 Sozialpädagogen/innen finanzieren. Ab dem Jahr 2007 sind jährlich Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro geplant.

Auf Basis konkreter Kooperationsvereinbarungen können geeignete freie Träger ab sofort über die Programmagentur des Sozialpädagogischen Instituts Berlin (SPI) eine Förderung beantragen.

Ziel des Programms "Jugendsozialarbeit an Berliner Hauptschulen" ist es, dass die zusätzlichen Erzieherinnen und Erzieher in Zusammenarbeit mit konkreten Partnerlehrerinnen und -lehrern die bestehenden Ansätze und Kooperationen der Kinder- und Jugendhilfe in der Hauptschule unterstützen und ergänzen sollen. So soll insbesondere erreicht werden,

  • vorhandene Kooperationsbeziehungen zu stärken,
  • die bestehenden Konzepte - bezogen auf die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Hauptschulen – ergänzt und inhaltlich zu unterstützen,
  • durch den Einsatz eines/einer zusätzlichen Sozialpädagogen/in die weitere Ausgrenzung von weniger "regelkonformen" Schülern und Schülerinnen zu verhindern,
  • Alternativen und Antworten und damit Hilfe bei persönlichen und sozialen Problemlagen anzubieten,
  • durch Übernahme von Verantwortung die Selbst- und Gestaltungskompetenzen (weiter) zu entwickeln,
  • Lösungsmöglichkeiten für Belastungssituationen (z. B. häusliche Gewalt, Überforderung und/oder Lernschwierigkeiten) gemeinsam zu erarbeiten, zu erlernen und einzuüben.

Die Entwicklung und Schulkarriere der Schülerinnen und Schüler ist oftmals gekennzeichnet von Misserfolg und geringem Selbstwertgefühl, fehlender Unterstützungskompetenz und Bereitschaft aus dem familiären Hintergrund, einer relativen Bildungsferne der Familien, der Eltern, geringer Lernmotivation, hohes Konflikt-/Gewaltpotential, Schulmüdigkeit, Schuldistanz, Schulverweigerung und wenig ausgeprägten sozialen Schlüsselkompetenzen. Hinzu kommen gerade bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund massive sprachliche Defizite, die auch auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundkompetenzen ausstrahlen und insgesamt die Perspektive dieser Hauptschüler/innen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verschlechtern.

Dies kann die Schule allein nicht erreichen. Deswegen die Einbindung in ein Gesamtkonzept eines freien Trägers, der Schule und des örtlichen Jugendamtes. Erfolgreiche Praxismodelle, die Schulmüdigkeit, Schulverweigerung und Schulabbruch verhindern bzw. auffangen, haben eines gemeinsam: Sie beginnen möglichst früh (präventiver Ansatz), sie fördern individuell, sie ermöglichen Erfolgserlebnisse und sie öffnen sich der Lebenssituation der Schüler/innen und deren Eltern. Außerschulische Lernorte und Partner müssen die Bildungsarbeit an Schulen ergänzen, Kommunikations-, Erfahrungs- und Experimentierräume mit interessanten und für Jugendliche attraktiven Angeboten sind notwendig. Schulmüdigkeit und Schulverweigerung entstehen nicht durch einen Einzelanlass, sie sind meistens das Ergebnis zunehmender Entfremdung von der Schule. Zu den Ursachen gehören familiäre Probleme, fehlende Ansprache in der Schule, Über- oder Unterforderung der Schüler, Leistungsmisserfolge und Schulwechsel. Präventive Angebote können daher nur greifen, wenn sie in eine Gesamtstrategie eingebunden sind und wenn sie von Anfang an Eltern, Schüler und Lehrer einbeziehen.

Kontakt:

Stiftung SPI
Programmagentur "Jugendsozialarbeit an Berliner Hauptschulen"
Müllerstr. 74, 13349 Berlin-Wedding
Tel. 030-4597930
Fax 030-45979366
E-Mail
Web www.hauptschulen.stiftung-spi.de


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