Ein Jahr "Allianz für die Familie"

Ein Jahr nach der Gründung der ''Allianz für die Familie'' zogen die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, und der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Ludwig Georg Braun, zusammen mit der Bertelsmann Stiftung eine erste positive Zwischenbilanz der Kooperation. Sie zeigten die bislang erzielten Erfolge in der Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft für mehr Familienfreundlichkeit auf und stellten weitere Schritte auf dem Weg der Zusammenarbeit vor. Außerdem präsentierten sie das Buch zur Allianz ''Familie bringt Gewinn'', das von Bundesministerin Renate Schmidt und der stellvertretenden Vorsitzenden des Präsidiums der Bertelsmann Stiftung, Liz Mohn, herausgegeben wird. Prominente Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Gesellschaft räumen darin dem familienpolitischen Engagement von Politik und Unternehmen einen hohen Stellenwert für die Wirtschaftskraft Deutschlands ein.

01.06.2004 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, erklärte: ''Die Allianz für Familie steht für eine neuartige Familienpolitik. Unsere Leitidee lautet: Familie bringt Gewinn. Mit der Allianz für die Familie hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Engagement für ein kinder- und familienfreundliches Deutschland nicht nur aus sozialpolitischen Gründen, sondern auch aus ökonomischen Gründen dringend geboten ist. Weniger Kinder bedeuten weniger Wachstum, weniger Familien bedeuten geringere Kaufkraft. Die OECD rechnet damit, dass bei einem Weiter-So der Bevölkerungsentwicklung die Wachstumsrate der EU bereits im Jahr 2020 auf weniger als ein Prozent sinkt. Familienfreundlichkeit wird in Deutschland zum Trend. 52 Orte haben sich seit dem Start Anfang des Jahres bereits unserer Bundesinitiative Lokale Bündnisse für Familie angeschlossen. An 150 Standorten beraten wir mittlerweile. Das ist ein großer Erfolg.''

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Ludwig Georg Braun, erklärte: ''Familienfreundlichkeit hat viele Dimensionen. Sie beginnt in der unmittelbaren Nachbarschaft und im einzelnen Betrieb. Sie erstreckt sich aber auch über die Regionen in unserem Land. Das bedeutet: Familienfreundlichkeit kann überall beginnen. Die IHK-Organisation hat mit ihrer regionalen Vernetzung ideale Voraussetzungen, Familienfreundlichkeit vor Ort zu fördern. Dass sie diese auch nutzt, zeigt die heutige Bilanz: Mehr als die Hälfte aller IHKs engagieren sich bereits heute mit vielfältigen Aktivitäten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Tendenz steigend. Die Zukunft Deutschlands hängt von der Zukunft der Familien ab. Deswegen sollte sich jeder - im möglichen Rahmen - kreativ für die Familienfreundlichkeit einsetzen und dabei auch mal über den Tellerrand des vertrauten eigenen Umfeldes hinaussehen.''

Im Sommer 2003 hat die Bundesministerin gemeinsam mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft und Gewerkschaften die ''Allianz für die Familie'' ins Leben gerufen. Die ''Allianz für die Familie'' strebt eine nachhaltige Familienpolitik an, die sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche erstreckt. Denn unsere Gesellschaft braucht mehr Kinder, wenn sie der demographischen Entwicklung und den damit verbundenen dramatischen sozialen wie ökonomischen Verschiebungen entgegenwirken will. Ziel der breit angelegten Kooperation von Politik und Wirtschaft ist es, eine familienfreundliche Arbeitswelt und Unternehmenskultur in Deutschland zu schaffen für eine Zukunft mit mehr Kindern.

Die Zwischenbilanz der Allianz für die Familie nach einem Jahr:

  • Investitionen in Familienfreundlichkeit bringen Rendite: Gemeinsam mit DIHK und klein- und mittelständigen Unternehmen hat die Prognos-AG im Auftrag des Bundesministeriums Berechnungen vorgelegt, die erstmalig die positive Kosten-Nutzen-Rechnung für familienfreundliche Unternehmenspolitik aufzeigen. Die Auswertung der Controllingdaten von 10 Unternehmen zeigten eine Rendite von 25 Prozent auf Investitionen in Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie z.B. Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogramme für Eltern, Möglichkeiten von Teilzeit und Arbeitszeitflexibilität, Angebote zur Telearbeit oder eine betrieblich unterstützte Kinderbetreuung. Um die breite Palette an familienfreundlichen Maßnahmen bekannter zu machen, hat das Bundesministerium gemeinsam mit dem DIHK Anfang 2004 ein ''Checkheft familienorientierte Personalpolitik für kleine und mittlere Unternehmen'' herausgegeben, das auf der Grundlage der Prognos-Berechnungen Empfehlungen gibt. Ausgewählt wurden vor allem Maßnahmen, für die die Unternehmen keine hohen finanziellen und personellen Mittel aufbringen müssen, die aber gute Ergebnisse erzielen. Vor Ort wird mit dem Checkheft bereits gearbeitet.
  • Unternehmen und Beschäftigte erkennen hohen Stellenwert von Arbeitszeitflexibilität: Zwei Befragungen des Bundesministeriums mit Partnern im Rahmen der ''Allianz für die Familie'' stützen die Initiativen für eine familienfreundliche Arbeitswelt. Der Familienmonitor, eine repräsentativ angelegte Unternehmens-Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gemeinsam mit den vier Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, und eine Arbeitnehmer-Befragung mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund belegen, dass die meisten Befragten eine kreative Zeitpolitik für den Schlüssel zu mehr Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt halten. Gleichwohl wünschen sich die Beschäftigten noch mehr Engagement der Arbeitgeber auf diesem Feld; die Arbeitgeber ihrerseits nutzen mehrheitlich bereits flexible Arbeitszeiten als ersten Ansatzpunkt, Familienfreundlichkeit in den Betrieben zu praktizieren.
  • Lokale Bündnisse für Familie schaffen Familienfreundlichkeit vor Ort: Der Bundesinitiative ''Lokale Bündnisse für Familie'', die Bundesministerin Renate Schmidt im Januar 2004 startete, haben sich inzwischen 52 Standorte angeschlossen; an 150 Orten berät das Servicebüro des Ministeriums. Die Initiative wird vom Bund getragen, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds kofinanziert und dezentral von Wirtschaft und Gewerkschaften, Kirchen, Familien- und Wohlfahrtsverbänden unterstützt. In der Bevölkerung findet sie breite Zustimmung. Vier von fünf Menschen (79 Prozent) sind überzeugt, dass Lokale Bündnisse für Familie ein familienfreundlicheres Klima vor Ort bewirken werden.

Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums der Bertelsmann Stiftung, hob hervor: ''Familienfreundliche Maßnahmen rechnen sich für Unternehmen auch in Deutschland, wie die Studie 'Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen' der Prognos AG zeigt. Der durch familienfreundliche Maßnahmen erzielte Nutzen übertrifft die Investitionskosten für die Unternehmen bei weitem. Wenn es Unternehmen darüber hinaus gelingt, mehr Frauen mit qualifizierter Ausbildung im Unternehmen zu halten oder für das Unternehmen zu gewinnen, haben sie davon einen gewaltigen Nutzen. Bei allen ökonomischen Notwendigkeiten sollten wir aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zugleich ein wichtiger Baustein innerhalb einer partnerschaftlichen Unternehmenskultur ist.''

Bundesministerin Renate Schmidt stellte zentrale Vorhaben der ''Allianz für die Familie'' für das kommende Jahr vor:

  • Mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) legt das Bundesministerium im Jahr 2004 ein zweites Prognos-Gutachten zu den spezifischen Möglichkeiten für Familienfreundlichkeit in Handwerksbetrieben vor. Die Erkenntnisse werden in Anschlussprojekten gemeinsam umgesetzt.
  • Die Bertelsmann Stiftung wird sich unter der Federführung von Liz Mohn auf den Aufbau eines Unternehmensnetzwerkes für klein- und mittelständige Unternehmen konzentrieren.
  • Acht leistungsstarke Großunternehmen - die Bertelsmann AG, die DaimlerChrysler AG, die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, die Commerzbank AG, die Deutsche Telekom AG, die Voith AG, die Vattenfall Europe AG und die Fraport AG - haben sich mit dem Bundesministerium zusammengeschlossen, um bis Anfang 2005 eine unternehmerische Wachstumsstrategie zu entwickeln und Humankapital nachhaltig zu nutzen. Die Unternehmen bringen finanzielle Mittel und Personalmanagement in das Projekt ein.
  • Zwei fachlich ausgewiesene wissenschaftliche Institutionen, das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) sowie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans Böckler Stiftung (WSI), erarbeiten bis zum Herbst 2004 Vorschläge, wie Tarifvereinbarungen und Betriebsvereinbarungen stärker genutzt und optimiert werden können.
  • Eine gewerkschaftliche Betriebsrätekonferenz mit dem DGB-Vorsitzenden in diesem Herbst wird Vorhaben zur Familienfreundlichkeit in Unternehmen konkretisieren.
  • Mit weiteren Partnern wie dem Bundesverband Deutscher Industrie, dem Bundesverband Deutscher Banken, den Wirtschaftsjunioren, der Deutschen Gesellschaft für Personalführung, der Hans Böckler Stiftung und der Gemeinnützigen Hertie Stiftung sind gemeinsame Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Projekte verabredet.

In dem Buch ''Familie bringt Gewinn'' legen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dar, dass eine bessere Balance von Familie und Arbeitswelt Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Standort Deutschland ist. Autorinnen und Autoren wie z.B. Warnfried Dettling, Prof. Dr. Jutta Limbach, Peter Hartz oder Jürgen Kluge setzen sich darin für eine neue Sicht der Familie und einen neuen Stellenwert von Familienpolitik ein. Sie berichten über bereits erfolgreiche Beispiele und unterbreiten praktische Vorschläge, wie Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt verbessert werden kann. Die Autorinnen und Autoren sind darüber hinaus auch an Projekten der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium und anderen gesellschaftlichen Akteuren beteiligt.

Das Buch ''Familie bringt Gewinn. Innovation durch Balance von Familie und Arbeitswelt'', herausgegeben von Renate Schmidt und Liz Mohn, ist ab sofort über den Buchhandel erhältlich,
Verlag Bertelsmann Stiftung, ISBN 2-89204-778-2.


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